Review

Kenny Beats

Louie

XL Recordings • 2022

Kenny Beats hat mehr Leute dazu gebracht, Ableton zu ziehen als anybody else. Seine Videos aus The Cave, dem Studio des nördlich von New York Geborenen, klicken Millionen. Das Prinzip: Kenny Beats sitzt in der Boiler Room-Perspektive vor dem Mac und baut Beats, während er mit Danny Brown, Doja oder Cat Slowthai rumeiert. Dazwischen streamt er auf Twitch zu 330.000 Abos, verteilt Tausende Dollar an Newcomer und hat ENDLICH ein Soloalbum produziert! »Louie« ist ein Beattape, gedroppt als YouTube-Video – ein Geschenk an seinen Dad, der mit Krebs diagnostiziert wurde. Wer sich die 33 Minuten Good Vibes aus dem Park schon reingezogen hat, weiß: »Louie« ist der Schulterblick in eine Welt, die pastellfarben glänzt. Man verschläft Autofahrten auf der Rückbank, zockt Playsi mit Zahnlücken-Kumpels und presst sich Dreh-und-Drink-Kirsche auf ex rein. In other words: »Louie« kratzt an der eigenen Vorstellung von Vergangenheit. Das Tape flext deshalb nicht mit Bängern, sondern Beats, die statt Features nur Feelings rüberbringen. Stimmt natürlich nicht ganz: Kennys Homies sind freilich am Start. Der Mann namedroppt sich aber nicht in die Charts. Die Charts kommen mit dem Release auf XL Recordings zu ihm. So was hat es seit Nujabes nicht mehr gegeben!