Fünf Jahre nach seinem Tod vermag es der Erfinder des Dub, Lee »Scratch« Perry, noch ein letztes Mal zu überraschen. Sein abschließendes Musikprojekt führte den über 80-Jährigen nämlich auf Reggae-untypische Pfade ins Berliner Studio des Elektronik-Duos Mouse on Mars. Recht spontan und ohne großes Konzept legten die drei los: Perry improvisierte seine Lyrics irgendwo zwischen Guru und verschrobenem Uropa, nebenher dekorierte er das Studio in eine Art Kunstinstallation um. Zu Gemurmel, Scat-Gesang oder eindringlichem Beschwören bastelten Jan St. Werner und Andi Toma kunterbunte Klangcollagen aus möglichst unterschiedlichen Quellen und Genres.
Auf den acht experimentellen Tracks von Spatial, No Problem. wird viel versucht. Welche klanglichen Kontraste sind besonders interessant? Finden sich Anknüpfungspunkte an das jamaikanische Musikuniversum? Neben den Dub-typischen Halleffekten tauchen etwa in »Economic Train« angejazzte Bläsersätze auf; der Krautrock-Beat und die post-rockige Bassline von »Fire Dali« wirken ebenso hypnotisch und abgespacet wie Perrys reduzierte Drum’n’Bass-Tracks aus der Echokammer, die er ein halbes Jahrhundert zuvor in seinem legendären Black Ark Studio schuf. Im Schlusstrack »State of Emergency« machen Synth-Schleifen, Störgeräusche und die Trauermarsch-Atmosphäre am Ende Platz für den wohl ursprünglichsten musikalischen Ausdruck, den man gemeinsam zelebrieren kann: Trommeln und Rasseln als Alpha und Omega.


