Review

Library L’amour

Premier Caprice

STROOM 〰 • 2023

Pünktlich zum Valentinstag veröffentlichten Yasmine Ixe und Richard Ryan Wenger (Richard Lamb) ihr Debüt als Library L’Amour, »Premier Caprice«. Das ist natürlich kein Zufall: Das experimentelle Synthie-Pop-Duo gibt damit seiner dreieinhalbjährigen Beziehung eine musikalische Form. So lädt die 4-Track-EP dazu ein, einer Entwicklung zu lauschen, die die meisten von uns schon einmal durchlaufen haben – vom ersten Kennenlernen bis zum gemeinsamen Träumen. Zwischen Verlegenheit und Sehnsucht flüstert Yasmine Ixe in geheimnisvolle Klanglandschaften und lässt das Unausgesprochene durch die Leerstellen sprechen. In den ersten beiden Tracks fühlt man sich eher in eine Folge von »Twin Peaks« zurückversetzt als in ekstatische Verliebtheit: Mysteriös schlängeln sich Yasmine Ixe und Richard Ryan Wenger durch »Limonade« und »Premiere Caprice«, bis es in »De délites en délires« endlich ein wenig aufbricht. Doch das Delirium erschöpft sich in einem Track, bevor es sich in »Sous-entendu« wieder in ein dunkles Rauschen zurückzieht. Am Ende verlieren sich die vier Tracks in ihrem gemeinsamen Mysterium und hinterlassen ein Gefühl von etwas, das weder aufregt noch wirklich mitreißt. Dass man danach seltsam hungrig ist und sich am liebsten zwischen den Klängen von Portishead und Air vergraben möchte, lässt vermuten, dass »Premiere Caprice« nicht ganz satt macht. Dennoch bleibt die EP ein vertrautes Echo, das sich nur manchmal zwischen ein paar Synthesizern verliert.