Dass vor knapp anderthalb Jahrzehnten einer der ersten Releases des Schotten Neil McDonald noch astreiner Disco House gewesen ist, will man nicht vermuten, wenn man ihn 2026 hört. Dass er sich aber selbst auf den reduzierteren Tracks der EP Venus Flux keinen Stillstand gönnt, wird früh deutlich. Psychedelischer Dub-Techno in leichtfüßig ist das. Weniger ist nicht mehr, sondern alles.
Auf dem Opener »Mushroom Talk« wird Spannung maximal behauptet. Nötig ist sie ohnehin nicht, einen Beat vermisst hier auch niemand. In seiner minimalistischen Klangwelt flackern kleine Synth-Momente immer wieder auf und lassen sich vom kaum spürbaren Bass aus dem Hintergrund zu einem warmen, unscheinbaren Ambient-Hit formen. »Betuladub« ist im Anschluss sanfter, repetitiver Dub mit einer unheimlichen Sogwirkung aufgrund des stoischen Beats, der frei von Wucht, aber unbeirrt seines Weges rennt. »Petaldub« ist nicht minder zielstrebig als minimalistisch peitschender Dub-Techno, auf dem der Reverb alle Atmosphäre-Register zieht.
Der Titeltrack zieht am Ende aber noch einmal eine neue Schublade auf. Während der ersten Viertelstunde der EP hat sich am Rande der Galaxie nämlich ein Stück dreamy Electro auf den Weg gemacht und kam gerade noch rechtzeitig an, um seinen verhallten, fast schon an New Age schabenden Roboter-Funk auf uns loszulassen. Praise the Lord.

Venus Flux