Review

Lusine

Long Light

Ghostly International • 2023

Mit seinem neunten Album hat es Jeff McIlwain als Luisine geschafft: »Long Light« balanciert zwischen IDM, Ambient und Pop-Strukturen dahin, arbeitet mit Loops und Vocals dabei auf eine Weise, die stets alles genau miteinander verzahnt. Alles steht genau dort, wo es hingehört, um den Rhythmus zu fokussieren. In »Zero to Sixty« verwebt McIlwain den Gesang von US-Songwriterin Sarah Jaffe in ein experimentelles Klangkonstrukt, dessen Beat es jedoch klar strukturiert, sodass es mehr nach freiem Himmel als nach Kunsthalle klingt. Bei aller Genauigkeit. Auf einen elektrisch getriebenen Track wie »Transonic« folgt gleich mit dem cineastischen »Plateau« das komplette Gegenteil, da sich im offenen Grundrauschen weit mehr gefällt als im Klangexperiment. Es ist das große Kunststück auf diesem Album, dass der amerikanische Musiker es schafft, dass in seinem langen Licht keine Schatten entstehen, vielmehr trotz dieser verschiedenen Momente sein Sound den Rhythmus stets als treibende Kraft beibehält und es eben trotzdem keine sich wiederholende Nummer wird, kein Sog, sondern ein charmantes Stück Musik, das balzt und lockt, aber nie drängt. Es ist ein Album, um sich darin zu versenken oder eben nicht, es lassen sich Details raushören oder »Long Light« lässt sich als Soundtrack zum Rest des Lebens genießen. Zwanglos wäre ein gutes Wort, wenn es nicht viel zu ordinär für dieses feine Album wäre. Ein Rhythmus aus sich heraus, der nach seinen eigenen Regeln tickt. Und dem zuzuhören, egal wie, ist faszinierend.