Review

Masta Ace

A Long Hot Summer

M3/hhv.de • 2013

Gute Geschichten kann man immer wieder erzählen. Das Masta Ace einer der fähigsten Storyteller im Hip Hop ist, wissen wir spätestens seit Beginn seiner Solokarriere. Es gibt wenige Rapper, die mit ihrer Musik so lebhafte und klare Bilder entstehen lassen. Die eingehenden Rhythmen, die sorgfältig gewählten Klangkulissen und seine zugänglichen Reime erlauben dem Hörer einen fließenden Einstieg in die fast filmreif skizzierten Szenarien. Im Fall von »A long hot Summer« nehmen diese uns mit auf einen lyrischen Rundgang durch Aces Heimat Brooklyn, irgendwann gegen Ende der 90er Jahre. In seiner Erzählerrolle feiert der Veteran nicht einfach nur seinen gesunden Lokalpatriotismus ab, sondern versucht auch vom Rand des Geschehens, als kritischer Beobachter ein Blick auf seine Umgebung zu werfen und den beiden unterschiedlichen Seelen in seiner Brust gehör zu schenken. Entlang der verschiedenen Anspielstationen entfaltet Ace so die ambivalenten Seiten seiner Umwelt und auch die seiner Person und teilt, fern von banalisierter Gewaltverherrlichung und Glorifizierung von Substanzmissbrauch, großenteils reife und reflektierte Eindrücke seiner Welt mit uns. An Skits wurde bei diesem Konzeptalbum definitiv nicht gespart, was schnell nervig werden kann, sich hier aber mit einem dramaturgischen Wert rechtfertigt. Die Zwischensequenzen spinnen einen roten Faden entlang der einzelnen Titel und schüren sie zu einer zusammengehörigen Geschichte. Insgesamt hat das Album einen Spike Lee-esken, bittersüßen Charme, davon dass bei der Cover- und Titelwahl die Assoziation mit der sozialkritischen Tragikkomödie »Do the Right Thing« vermutlich auch gewollt war mal abgesehen, und überzeugt mit konsequent hoher Qualität in musikalischer und Rap-technischer Hinsicht. Aus heutiger Perspektive muss man zwar sagen, hat sich der gute Ace nicht wirklich über den Back-in-the-Day-Rap hinaus entwickelt, aber vielleicht muss er das ja auch garnicht. – »A long hot Summer« funktionieret jedenfalls auch noch knappe zehn Jahre nach Erstveröffentlichung.

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