Der Name von Mauricio Fleurys Debüt ist Programm. Laut dem »Dicionário Online de Português« handelt es sich bei »revoada« um ein mehrdeutiges Wort. In seiner ursprünglichen Bedeutung dürfte es »Flug« beziehungsweise »Vogelschwarm« heißen; übertragen meint es Menschen, die Lärm machen, Gewimmel oder eine günstige Gelegenheit. Entsprechend lässt sich auch das gleichnamige Album Revoada schlecht festnageln.
In Brasilien hat Fleury jahrzehntelang an der Spitze des zehnköpfigen Ensembles Bixiga 70 gestanden. Seit 2022 streckt er in der freien Szene Deutschlands die Fühler aus. Revoada verspricht, das Beste beider Welten zu sein. »Aufgenommen in Brasilien«, deklariert der Promo-Text, »ist es das Ergebnis zahlreicher Streifzüge durch funkige Flohmärkte, um alte Vinyls und Vintage-Kulturgüter aufzusaugen, und eines neuen Lebens in Berlin«.
Fleury bedient nostalgische Klänge – unter anderem Fender Rhodes, Hammond und Korg –, ohne je der Schwermut anheimzufallen. Revoada bietet schillernden Jazz-Funk, ist aber eher gestimmt wie anatolischer Psych-Rock und nimmt zugleich Anleihen bei Thelonious Monk. Fleury spielt mit Referenzen, hält jedoch Distanz zu ihnen. In einem rezenten Interview hat er nahegelegt, dass sich Bedeutungen und Anspielungen auf soziale Verhältnisse in seiner Musik bestenfalls rückblickend ergeben. Und wenn sich etwas zeigt, bleibt ein unvollständiger Rest. Das macht Revoada zu einer Art feinem Wimmelbild. Der Reiz liegt darin, dass man es nie ganz in den Blick bekommt.

Revoada