Die Schreie nach Chillout-Räumen auf Raves werden zuletzt wieder lauter. Neben Acts wie Eden Aurelius, die zuletzt ihre hervorragende Debüt-LP Entre Nous veröffentlichte, macht auch Trance-Experte Mikkel Rev in Ambient und Techno, also Ambient Techno, hat aber mehr Melodien parat. Evocation entstand zwar in den Wäldern Norwegens, über die komplette Spielzeit dieses Trips schweben Boards of Canada aber mit. Spezifisch in den szenischen Momenten besonders majestätischen Bassgrollens.
Dieses Album ist allerdings mehr als die Kopie einer extrem bekannten Vorlage. Tatsächlich wähnt man sich geistig in den eingangs angeführten Chillouts, weil Mikkel Rev Rave meint, ihm durch die Produktion aber den Zwang nimmt. Heißt: Beats existieren kaum oder nur als Saatbett für die Sprößlinge des pantheistischen Analoggeblubbers. Trance-Vocals wandern ins Nichts. Die Tracks sind eine ewig wogende Horizontale, in der sich prima über Gott und die Welt quatschen und verharren lässt. Trance meint auf Evocation nicht nur einen Zustand. »The Infinite« etwa, ausnahmsweise eine Nummer mit Four-to-the-Floor-Kick, spricht ziemlich exakt dieselbe violette Sprache aus Prog-Bässen und Piano-Motiven wie anno dazumal, könnte genauso gut aus der Trance-Hochphase in den Neunzigern stammen, als die Katharsis in der elektronischen Tanzmusik nicht mehr implizit, sondern explizit mitschwang. Der Schluss, »Sanatorium«, täuscht immer wieder Breakbeats an, verfolgt mit seinen plakativen Endzeit-Chorälen aber nur ein Ziel: Heilung, wovon auch immer.

Evocation