Review

Negroman

Negroman

SIchtexot • 2016

Der Negroman auf Solopfaden, mal sehen wie da so wird. Weil, ganz im Ernst: Negroman und Nepomuk aka Luk&Fil sind eines der am besten funktionierenden Deutschrap-Duos. Ein verflucht ähnlich gestrickter blutroter Faden band ihre hintersinnig-abgründigen Rap-Moritaten inzwischen drei Mal auf Albumlänge zu kunstvoll verflochtenen Einheiten, ihre zynischen Abgesänge auf Szenedogmatismus und andere Unsitten ergänzen sich wie Zahnräder. Doch wie dem auch sei, lassen wir´s raus: Negromans »jugendlicher Leichtsinn und negromanische Schwermut« machen auch für sich genommen eine gute Figur. Seine doppelbödigen, schwarzhumorigen Raps stellen ihren Hang zur Psychose in den schwer auslotbaren Untiefen zwischen Scheue und Trieb zur Schau, entlarven dabei mit bruchstückhaftem Storytelling das Verklemmte im herkömmlichen Rap-Habitus und fühlen sich eher dem Abgründigen als dem Untergrund verpflichtet. Dabei wurzelt Negromans Hip Hop Sozialisation wohl genau dort, was z.B. per Kinderzimmer Productions-Zitat belegt wird, dem ein nonchalanter Hurensohn untergejubelt wurde, und im »Pornointro« wird gar, wenn ich mich nicht täusche, Cocon gesampelt. Derweil verleihen 80er Plastik-Synthies und verschleppte Soul- und Jazz-Anleihen sowie rumpelnde Kicks und Snares diesem Rap gewordenen Täter-der-Umstände-Ding endgültig ihre verquere, höchst komische Bosheit. Alles bleibt hier schwer greifbar, das Sinistere kommt, wenn nicht gerade MC Bomber gefeatured wird, auf leisen Sohlen daher, abwegigen Edgar Wallace-Charme inklusive. Man will direkt Tränen der Rührung vergießen, vor Freude kullern sie eh schon.

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