Zwischen Jazzclub und Tanzfläche kennt Oraculu keine Berührungsängste. Für das Projekt reiste der in Berlin lebende Produzent Two Thou nach London. Dort suchte er die Zusammenarbeit u. a. mit Tuba-Virtuosen Theon Cross, Saxofonist Taymour Khajah und Sonny Daze an Percussion und Vocals – mit im Koffer ein Stück Berliner Clubästhetik.
So aufregend wie erfolgreich der Londoner Jazz-Boom der letzten Jahre auch war, mit ihm hat sich auch eine gewisse Erwartung an das Genre etabliert. Oraculu verweigert sich einer klaren Formel. Die Stücke nehmen sich Zeit, setzen auf Wiederholung statt Pointe und entwickeln ihren Sog eher langsam als spektakulär. Dabei macht Oraculu nicht Jazz clubbiger oder Clubmusik jazziger. Die Platte zeigt vielmehr, dass diese Trennung gar nicht notwendig ist.
Die Tuba übernimmt repetitive Muster, während Synthesizer und Percussion immer wieder explorativ ausbrechen. Statt virtuose Soli über stoische Beats zu legen, entsteht ein gemeinsames musikalisches Vokabular über alle Ebenen hinweg. Wer Oraculu bereits live erlebt hat, weiß, welche Energie in diesen Stücken steckt. Umso größer ist die Hoffnung, dass die Platte auch bald ihren Weg in die dunkleren Ecken Berliner Clubs findet.




