»Welcome to G-g-g-game Four«, stottert eine synthetische Stimme im Eröffnungstrack, begleitet von Schlaggeräuschen und Fangesängen. Der Einstieg markiert nicht nur die klangliche Richtung, sondern auch das Konzept: Mensch gegen Maschine – oder vielmehr mit ihr. Das vierte Album von Move 78, benannt nach dem legendären 78. Zug des Go-Spiels, mit dem Lee Sedol 2016 die Künstliche Intelligenz AlphaGo bezwang, sucht nicht nach Überlegenheit, sondern nach Symbiose.
Die Berliner Jazz-Formation begegnet der Frage nach menschlicher Kreativität in Zeiten algorithmischer Strenge mit musikalischem Wagemut. »Mistakes On Purpose« führt vermeintlich falsche Töne und Rhythmusverschiebungen zusammen, bis daraus eine irritierende, aber schlüssige Komposition wird. In »Enigmatology« erzeugt Granularsynthese aus einzelnen Klangsplittern eine dichte Atmosphäre aus Verwirrung und Präzision. Und in »It Predates Language« mischen sich Bratsche und Walgesang zu einer vielstimmigen Vorzeit-Fantasie.
Statt linearen Songstrukturen gibt es offene, sich windende Klangtexturen – eine spontane Dramaturgie zwischen Jazz, Beatmaking und abstrakter Elektronik. Der Zufall wird zur Technik, die Technik zum Ausdrucksmittel. Wer sich darauf einlässt, betritt mit Game Four ein Spielfeld, auf dem keine Regel heilig ist – solange sie gebrochen werden kann.

Game Four Black Vinyl Edition