Brian Eno gab uns Musik für Flughäfen, Hiroshi Yoshimura Musik für Postkarten – neun, um genau zu sein – und Frahm dachte an Tiere. Es kann praktisch sein, wenn die Musik ihren Einsatzzweck als Serviervorschlag im Titel direkt mitgibt. Der Niederländer Martijn Deijkers versucht es mit dem Namen seines neuesten Releases etwas weniger konkret. Ist das jetzt Musik für jede Gelegenheit, oder wohnt ihr etwas Existenzialistisches inne? Vielleicht lassen wir es gut »sein« und gehen rein.
Als Martyn hat Deijkers in den letzten 20 Jahren eine erstaunlich konsistente Diskografie aufgebaut, die mit Drum’n’Bass begann, bevor er Dubstep und UK Garage sachte in technoide Gefilde überführte. Immer im Gepäck: ein unwiderstehliches Gespür für knackige Grooves. Dass er auch anders kann, zeigte er immer wieder, zum Beispiel auf dem wunderschönen Piano-»Remix« von Efdemins »Acid Bells«. Das neue Album dürfte aber auch für diejenigen kein Kulturschock sein, die regelmäßig seine vom Jazz geprägten NTS-Shows hören, in denen Pharoah Sanders, Herbie Hancock oder Ornette Coleman laufen.
Mit »Phantom Jazz«, Titel des zweiten, eher grimmig gelagerten Tracks der Platte, brainstormt er zumindest auch den passenden Genrenamen für das, was hier passiert. Das ist im Kern noch immer Bassmusik, die manchmal klingt wie auf einer kleinen, schwitzigen Bühne gespielt. Music For Existing geht vor allem deshalb auf, weil Martyn den Jazz in seine Musik »einlädt«. Auch in Person von Saxofonist Mark Cisneros oder Pianist Duval Timothy. Es geht ihm nicht darum, Sounds zu emulieren, sondern Gemeinsamkeiten der Genrewelten zu verknüpfen, die er zusammendenkt: das Freie und das Unvorhersehbare, das Vertrauen in den Moment, die Kommunikation zwischen einzelnen Elementen und Instrumenten.

Music For Existing

