Man könnte beinahe auf den Gedanken kommen, man habe es hier mit einer musikalischen Tour de force zu tun. Der Brite Lone poltert mit höchster Intensität durch Hyperphantasia und klingt dabei exakt so überkandidelt, wie das zugehörige Cover aussieht. Einmal mehr versteht er es dabei, Kitsch, Pop und Rave in ein stimmiges Ganzes zu überführen, tongue in cheek, wie man in England sagen würde.
So stellt sich eine Computerstimme in »Opening A Portal« die Frage, ob Vocals tatsächliche Wörter oder nur Kauderwelsch sind. Das ist insbesondere in der Clubmusik, diesem durch und durch funktionalen Genre, purer Existenzialismus. Brain ist aber nicht alles, es gibt auch mehr als genug Dance. Etwa auf dem Opener »Life Spark«, der anmutet, als würde er sich in elegantester Manier über den Trance-Hype der letzten Jahre und die biedere Ernsthaftigkeit von Conceptronica gleichzeitig mokieren.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Lone liebt Heliumstimmen, fühlt sich mindestens so aufrichtig zum Grellen hingezogen, wie er künstlerisches Spießertum verachtet. Nur weil seine Tracks quietschen, siehe Evian Christ, müssen sie noch lange keine Gimmicks sein. Nur weil Humor mitschwingt, ist Hyperphantasia kein belangloses Album. Das beweisen taktiler, schäumender Downtempo-Rap mit Juga-Naut (»Throw The Ember«), Four-to-the-Floor-Pop mit Ell Murphy, der frühem Disclosure ähnelt (»We Move«), oder fluffige Breakbeats mit feingliedrigen Rave-Pianos und weiteren Exzess-Indikatoren (»Waterfall Reverse«).

Hyperphantasia

