Legendäres Label, legendäre Zeit: Die erste Ausgabe von DJax-Up-Beats 1990-2005 umfasst 20 Tracks aus jenen fetten Jahren, die im Titel enthalten sind. Natürlich geht es ausschließlich um Acid in seinen unterschiedlichen Ausprägungen, meist hart, manchmal weich, immer elektrisierend, erschienen im riesigen Katalog von Miss Djax’ epochemachender Säureschmiede.
Da wäre etwa Acid Junkies und The Doctors’ »Telephone Terror«, ein wilder Maschinen-Jam, der zusehends ins Irre driftet, weil eine Melodie als Grundgerüst nicht reicht: Unter den sägenden 303-Manipulationen sprudelt noch eine Trance-Melodie durch die Oktaven. Die Briten von China White hingegen verfolgten 1993 eher die Joey-Beltram’sche Schule und setzten auf kontrollierte, aufgeräumte Logik, nach der die Melodie dem Beat folgt. Auch die Wurzeln des Subgenres bekommen ihre Anerkennung: Auf »Raw Acid« erklärt Mike Dearborn mit hallender Stimme, woher das Genre stammt: aus Chicago. Dann folgt mit »Outer Limits (Trance Mixx)« eine klandestine Säurewaschung epileptischen Ausmaßes. Unter Hi-Hat-Dauergeprassel und fortwährenden Trommelwirbeln schlängelt sich eine ewige Acid-Line ans Ziel. Spannend ist, wie Dearborn an neuralgischen Punkten die Chords abwandelt. Kleiner Aufwand, hoher Ertrag.
Bei derlei Compilations spricht man gerne von wichtigen Zeitdokumenten. Acid allerdings ist wohl das unmittelbarste Genre elektronischer Tanzmusik und damit kaum adäquat zu dokumentieren. Man wäre gern dabei gewesen. Zumindest so lange es die Gesundheit zulässt.

DJax-Up-Beats 1990-2005: Volume 1 - The Acid Trip