Sucht man nach Zitaten zum Thema Kanada, stapeln sich die Lobeshymnen berühmter Persönlichkeiten. Obama spricht von einem der beeindruckendsten Länder der Welt, während Bono feststellt, die Welt brauche einfach mehr Kanada. Es ist aber auch schön dort. Fragt man John Beltran nach seiner Meinung, dürfte sie seit seinem längeren Besuch im letzten Jahr ähnlich positiv ausfallen – nicht umsonst hat er das dritte Album seit der Rückkehr seines Projekts Placid Angles danach benannt.
Beltran selbst war natürlich nie wirklich weg, seine vierseitige Discogs-Page spricht für sich. Aber als Placid Angles verlegte er 1997 den Tanzboden in die Kopfhörer und schmiss Ambient-, IDM- und New-Age-Einflüsse dazu, bevor er beschloss, es dabei zu belassen. 22 Jahre sollte es dauern, bis Matt Cutler alias Lone, ebenfalls bekannt für farbenfrohen House, insistierte und Beltran zum Comeback überzeugte. Auf allen seitdem veröffentlichten Platten – das ist ihm hoch anzurechnen – wühlt er aber nicht in der eigenen Vergangenheit, sondern lässt sich selbst von der neuen Generation beeinflussen, die auf seinen Sounds den ihren aufgebaut hat.
Das ist selbst in den plakativsten Momenten – er bedient sich auf Canada zum Beispiel hörbar bei Burials Track »Near Dark« – weniger dreiste Kopie als bewusste Hommage. »We Cry With You« ist zittriger Breakbeat und rumpelnder Post-Rock zugleich, während »I Want What I Want« mit seinem klappernden Y2K-Beat und den verfremdeten Vocals von Feature Sophia Stel auch der letzten James-K-Platte gut gestanden hätte. Auf »Hands of Love« schmeißt sich Beltran selbstbewusst in den Kitsch, und das zurückhaltend euphorische »Sun« mit seinem poppigen Rave könnte keinen besseren Titel tragen. Canada ist ein beeindruckendes Spätwerk, das sich nicht einmal wie ein solches anhört.

Canada

