Review Electronic

Boards Of Canada

Inferno

Warp • 2026

Von allen Artists aus dem Warp-Universum hat Boards of Canada am erfolgreichsten ein Mysterium um sich herum geschaffen. Angefangen damit, dass sie den Umstand, dass sie Brüder sind, erst nach dem Erscheinen ihres dritten Albums The Campfire Headphase von 2005 bekannt gaben. Ein weiterer begünstigender Faktor ist ihr übersichtlicher Katalog. Gerade einmal fünf »richtige« Alben gab es seit 1998, zwischen den bisher letzten beiden liegen 13 Jahre.

Inferno hat den apokalyptischsten Titel, womit sich Michael Sandison und Marcus Eoin Sandison als Kinder ihrer Zeit zu erkennen geben. Wer bei dem Höllenwort schroffe Kakophonie oder andere klangliche Extreme befürchtet, kann beruhigt sein. Auch diese Platte wahrt grundsätzlich den Boards-of-Canada-Stil mit der für sie charakteristischen Mischung aus sanften Breakbeats, nostalgisch verstimmten Synthesizern und manipulierten Sprachsamples ungewissen Ursprungs. Auf den ersten Eindruck hätte ein Track wie »Father and Son« ebenso gut auf Geogaddi von 2002 gepasst.

Wobei es einige Verschiebungen gibt. In der genannten Nummer etwa sind die Stimmen so prominent unter die Instrumente gemischt, dass man einen durchgehenden Dialog zu hören meint. Am stärksten überraschen Boards of Canada aber mit dem demonstrativen Einsatz von Gitarre und Schlagzeug gleich im zweiten Stück »Prophecy at 1420 Mhz«, das mit seinem schwerfällig zähen Groove einen ungewohnten Akzent setzt. Keine Bange: Sogar als erklärte Pessimisten überzeugen die beiden.