Review

Oumou Sangare

Timbuktu

World Circuit • 2022

Auf ihrem ersten Album mit neuen Songs seit »Mogoya« (2017) erweist sich Oumou Sangare erneut als eindringliche Stimme, die angesichts dessen, was in ihrer Heimat Mali geschieht, nicht schweigt. Geschrieben hat sie die Songs von »Timbuktu« im unfreiwilligen Corona-Exil in Baltimore (Maryland), aufgenommen wurde das Album in den USA, Mali und Frankreich. Timbuktu, die sagenumwobene Stadt im Norden Malis, bildet ungeachtet dessen den Glutkern dieser Musik. Zwar verarbeitet Oumou Sangare nicht allein Elemente der verschiedenen malischen Traditionen, lässt amerikanischen Blues einfließen, aber nicht als Form, sondern über Instrumente wie das Dobro oder die Slide-Gitarre, deren weiche Charakteristik sich schlackenlos in die bluesigen Töne der Musik Malis einfügt. Lyrisch bearbeitet Oumou Sangare, in einem Armenviertel der Haupstadt Bamako aufgewachsen, ihre schon klassischen Themen: die Rolle der Frau in der patriarchal geprägten Gesellschaft ihrer Heimat, die desolate Lage der Kinder im Land, der nicht enden wollende Krieg in Mali, aber auch der Stolz über die uralte Kultur des Landes prägen die Texte von »Timbuktu«. Musikalisch klingt Oumou Sangare gereift, aber ihre Botschaften sind dringlich und leider aktueller denn je.