Piero Umiliani war zeit seines Künstlerlebens ein Vermittler zwischen Jazz, Lounge und avantgardistischer elektronischer Musik. Als die Popkultur in den 1990ern begonnen hat, ihre eigene Vergangenheit zu glorifizieren, wurde auch er wiederentdeckt, und seine Musik übte Einfluss auf Künstler von Boards of Canada über Broadcast und Machinedrum bis hin zu Lil Yachty aus. Im laufenden Jahr wäre der italienische Film- und Library-Komponist 100 Jahre alt geworden. Und mit Fantasy erscheint ein Album, das über vier Jahrzehnte lang unveröffentlicht im Archiv gelegen hat. Es ist das letzte Library-Album, das Umiliani aufgenommen hat, bevor ihn die Folgen eines Schlaganfalls für mehrere Jahre am Komponieren und Aufnehmen hinderten.
Fantasy als Dokument der Spätphase Umilianis als Komponist für Library Music hat im wahrsten Sinne des Wortes zwei Seiten. Seite eins versammelt eine Reihe von mitunter düsteren, experimentellen elektronischen Tracks. Manche von ihnen gehen wegen ihrer abstrakten Synthesizer-Sounds als zeitlos durch. Und auf Seite zwei folgt die Art von Novelty Music, die immer gerne als Easy Listening bezeichnet wird, die sich aber bei genauem Hinhören als gar nicht so easy erweist.

Fantasy

