Review

Rambal Cochet

Temporal Aura

Crystal Ceremony • 2023

Mit »Temporal Aura« hat der Ukrainer Rambal Cochet die Ehre, das Transmigration-Sublabel Crystal Ceremony einzuweihen. Wer bei dem Namen an Tekk-Events im Osten der Bundesrepublik denkt, irrt glücklicherweise. Der Opener »Welcome To Reality« offenbart sogleich, wie sphärisch Konstantyn Isaevs musikalische Wirklichkeit aussieht. Hier ist ein Träumer am Werk, der seine Trance- und Spiral-Tribe-Platten aus den Neunzigern gehört hat. Die Beats arbeiten mit organischer Percussion, während die Melodien sanft, aber bestimmt zum Eingang des Märchenwalds führen.

Drinnen angekommen, setzen plötzlich Schwindelgefühle ein, und alles geht eine Spur zu schnell, wenn der Titeltrack seine zeitweilige Aura entfaltet. Wirkt zwar ein wenig wie der Goa-Atze, der dir auf dem Wald-und-Wiesen-Rave immer wieder eine Spur zu lange in die Augen schaut, tut seinen Dienst als Brandbeschleuniger – besonders nach dem Vocal nach knapp drei Minuten – aber vorzüglich. Auf »Moriah« schichtet Isaev über eine ungewöhnlich unentschlossene Kick, die anhaltende Alarmbereitschaft suggeriert, ein Trance-Ornament nach dem anderen und kreiert so ein rastloses Stück, das erst nach fast fünfeinhalb Minuten seine wohlverdiente Erlösung in einem schönen House-Beat findet. »Kitaro« macht dann endgültig auf Psychospielchen und lockt weiter an die Subwoofer, obwohl man längst im Bett, oder, besser gesagt, Zelt sein sollte. Wirre Festivaltracks mit einer Spannungskurve, die zum Kreis wird.