Harmonium, Basse à Pied, Monochord, Chalumeau, Erhu, Kacapi, Tromba Marina, Serpent, Hurdy-Gurdy, Blockflöten. Die wenigsten davon sind aus Rock oder Jazz bekannt. Allein die Namen erzeugen Fremdheit. Eine Fremdheit, die das belgische Duo Razen (Brecht Ameel, Kim Delcour) und der niederländische Komponist Dick van der Harst im Laufe von 37 Minuten ausstellen. Denn Stained Glass Starling ist kein Treffen »östlicher« und »westlicher« Klänge. Es ist ein Gleichheitsmodell des Hörens. Die Instrumente stehen ohne solistische Hierarchie zusammen. Sie erzeugen eine Musik, die aus Schichtung statt Führung entsteht.
Bereits im eröffnenden Titeltrack wird das klar. 17:40 Minuten, ein Nebeneinander ungleicher Töne: dumpfe Drones, flötende Linien, helles Klingeln. Sie liegen so nah, dass sie sich beinahe berühren: Abtasten ohne Berührung. Musik, die auf elektronische Erweiterung verzichtet und ihre Transzendenz allein in Intonation, Obertönen, Atem, Reibung und der physischen Präsenz historischer Instrumente sucht.
Am größten ist die Reibung in »Starling Gut«. Das Spiel wird expressiver, die Instrumente schmettern, die Körnung wird gröber. Ohne ein einziges Jazz-Instrument landet die Musik genau dort. Aber es ist kein Jazz. Das Fremde bleibt fremd – und die Hörenden machen etwas daraus. Jazz, Meditation, Geräusch. Nicht die Musik passt sich an. Die Hörenden tun es.

Stained Glass Starling