Review

Rico Toto

Fwa Épi Sajès

Invisible City Editions • 1993

Die fremden und zugleich vertrauten Klänge der französischen Insel Guadeloupe wurden uns Hörern erstmals vor drei Jahren mit der Veröffentlichung von »Vwayajé«, einer Sammlung von Stücken aus den 1980er-Jahren des Projekts Gwakasonné, eindrucksvoll näher gebracht. Diese Veröffentlichung knüpft daran an. Auf »Fwa Épi Sajès«, 1993 erstmals nur auf CD veröffentlicht, mischt der Musiker Rico Toto die Gwo ka-Rhythmen seiner Heimat, live eingespielt vom Ensemble Moundjahka, mit Synthesizermusik, wie sie wenige Jahre zuvor vom Yellow Magic Orchestra oder Popol Vuh geprägt wurde. Eine eigenwillige und anregende Mischung. Sie erinnert deutlich an die Drittweltmusik von Jon Hassell, nur dass der Trompeter die Klänge und Rhythmen außerhalb seiner amerikanischen Musiksozialisation adaptierte, während hier der traditionellen Musik Guadeloupes die abgespaceten Klänge der westlichen Welt hinzugefügt wurden. Eine Annäherung von der anderen Seite. Das verändert etwas am Klang. Musikalisch gliedert sich »Fwa Épi Sajès« in zwei Seiten, wobei die A-Seite mit ihren euphorischen Melodien und der aktivierenden Perkussion eher dem Licht, der Sonne zugewandt ist, die B-Seite mit ihrer schweren, unregelmäßigen Rhythmik eher der Dunkelheit, der Nacht. Auch das Artwork spiegelt diese Zweiteilung wider. Eine intelligente, anregende, sehr bereichernde Platte.

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Rico Toto
Fwa Épi Sajès
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