Kein Wunder, dass für viele Bands das zweite Album eine besondere Herausforderung darstellt: Da dengelt man mitunter jahrelang an den Songs fürs Debüt herum und, kaum ist das erschienen, soll man binnen kürzester Zeit mindestens ebenso gute Songs für den Nachfolger schreiben. Frust, Schreibblockaden oder jede Menge Halbgares kann da die Folge sein. Einer so ungewöhnlichen wie risikoreichen Möglichkeit, diesem Dilemma zu entgehen, folgte das Berliner Trio Roomer für ihr zweites Album Staircase Made of Rope. Waren die Songs des Erstlings Leaving It All to Chance noch durchkomponiert und teilweise schon lange live erprobt, ging man diesmal gänzlich unvorbereitet ins Studio, jammte und guckte, was passieren würde.
Entsprechend entstanden die zehn neuen Songs größtenteils aus spontanen Improvisationen und setzen sich aus First Takes zusammen. Dass dieses Experiment gelingt, liegt zum Einen daran, dass Roomers Dream Pop mit Shoegaze-Gitarren nun noch unmittelbarer, direkter wirkt. Da gibt es harmonischen Wohlklang, der sich im Stile von Mazzy Star von schüchtern zu episch steigert, oder mit »For Yves« flotten Alternative Rock, dann wiederum wird die Stimme von Ronja Schößler wie bei den Shields-Brüdern unter massenhaft verzerrten Frequenzen beinahe begraben (»Grey«). Zum Anderen wird in jeder Sekunde deutlich, wie meisterhaft und gleichzeitig mühelos auch Gitarrist Luka Aron und Schlagzeuger Ludwig Wandinger ihre Instrumente beherrschen. Hier sind Profis am Werk, also: Don’t try this mit weniger musikalischer Expertise!

Staircase Made Of Rope