Review

Selda

Dost Merhaba

Uzelli • 1986

Selda Bağcan veröffentlicht seit 50 Jahren Musik. In ihrer Heimat landete sie wegen ihrer Lieder zuerst im Gefängnis, wurde später gefeiert und gilt heute als türkische Antwort auf Joan Baez. Samples ihrer Stücke finden sich bei Mos Def oder Dr. Dre. Peter Gabriel brachte sie schon in den 1980er-Jahren nach Westeuropa. Manche nennen Selda Bağcan die »Stimme des Ostens«. Ihr Album »Dost Merhaba«, 1986 nach einem Gefängnisaufenthalt auf Uzelli veröffentlicht, erzählt Geschichten der Unterdrückung. Bağcans Musik lief nicht auf staatlichen Sendern, ihre Alben verschwanden aus den Schaufenstern, sie erzählte trotzdem von Armut und Leid. In ihrer Stimme steckt der Kummer, den die politische Linke zur Stärke verkehrt, weil: Das Herz mag Schmerz. In ihm verfängt sich die Melancholie einer leiernden Gitarrensaite – ein Universum für jene, die nichts haben und in Selda Bağcan eine Stimme finden. »Dost Merhaba«, zu Deutsch »Hallo Freund«, sollte deshalb bei jedem Gig der Appropriation-Hipster von Altın Gün im Vorprogramm zu hören sein. Als Geste. Als Anerkennung. Als Scheißgefallen, die Frau endlich in die Spotify-Playlists zu spülen!

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Dost Merhaba
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