Review

Sophia Blenda

Die Neue Heiterkeit

PIAS • 2022

Gute Zeiten für Art beziehungsweise Chamber Pop: Lucrecia Dalt, Ellen Arkbro & Johan Graden und Marina Herlop haben zuletzt gezeigt, dass die Balance zwischen akustischer beziehungsweise klassischer Instrumentierung, unkonventionellen Songstrukturen, textlichem Anspruch und, last but not least, Eingängigkeit wieder möglich ist und sogar jede Menge Potenzial für die Zukunft bietet. Das Debütalbum von Sophia Blenda formuliert im Refrain des Openers dann auch das implizite Motto dieser Versuche: »Weiter und weiter / Wir geh’n voran«. Die Künstlerin heißt eigentlich Sophie Löw und macht auf diesen neun Stücken dort weiter, wo ihre Band CULK zuletzt angesetzt hatte: Spannungsgeladene Dynamiken werden mit diskursiven und doch persönlichen Lyrics mit gelegentlich englischsprachigen Einsprengseln angereichert. Die musikalische Palette ist jedoch eine andere, obwohl Löw eine vergleichbare Überwältigungsstrategie fährt. Doch dienen hier Streicher, Klavier und gedämpfte elektronische Beats als Soundbett statt post-punk-inspirierter Rockmusik nach Auf-und-Ab-Schema. Das lässt Löw zwischen im Verschwinden begriffenen Flüstern und raumgreifenden Refrains mehr Möglichkeiten, sich als Sängerin zu beweisen und ihre Texte noch einmal ein Stück eindringlicher, genauso aber einladender zu inszenieren. »Die Neue Heiterkeit« mag ein irreführender Titel sein: Wie bei CULK spielen sexistische Machtverhältnisse und -ausübungen durch Sprache, Blick und System weiterhin eine tragende Rolle. Wo sie aber auf den Alben ihrer Band vor allem die analytische Position bezieht, deutet sie in Stücken wie »Schwester« utopische Perspektiven an. »Manchmal bedeutet Zukunft / Die neue Rückgewandtheit« heißt es im abschließenden Titeltrack. »Die Neue Heiterkeit« ist ein Album, das nicht nur musikalisch aus vormaligen Konventionsbrüchen neue Kraft bezieht. 

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