Review

System 01

1990-1994

Mannequin • 2022

»For a lot of people drugs work.« Die Sample-Collage, in der dieses Zitat auftaucht, hat etwas Perfides. Verschiedene Stimmen, die sich zum »Drogenproblem« zu Wort melden, scheinen alle zu dem einen Kernsatz hinzuführen: »Drugs Work«. So auch der Titel des wohl bekanntesten Tracks von System 01, der 1992 als B-Seite von 3 Phases »Der Klang der Familie« einen abgründigen Beitrag auf dem Höhepunkt der Trance-Welle lieferte. »Drugs Work« schaffte mit bohrendem Bass, einer leicht chaotischen Sample-and-Hold-Figur und den besagten Stimmen einen Klassiker der besonderen Art. Das Duo Paul Browse und Johnny Klimek stand stilistisch zwischen Techno und der Post-Punk-EBM-Martialität von Clock DVA, bei denen Browse von 1982 bis 1989 gespielt hatte. Ein paar Sounds aus dieser Zeit hatte Browse bei System 01 mit im Gepäck, auch hatten Browse und Klimek keine Hemmungen, eigene Ideen zu recyceln. So taucht in ihrer Big-Beat-Nummer »Know Time« eine kurze Melodie auf, die sie mit ihrem Projekt Effective Force für die Single »Diamond Bullet« nutzen sollten. Mit ihrem Gegenkulturansatz waren sie ebenfalls etwas zwischen gestern und morgen, wie ihre musikalische Ausgestaltung eines Berliner Vortrags von Timothy Leary in »Any Reality Is an Opinion« belegt. (Dass die Botschaft des Titels von Populisten wie Donald Trump auf ganz eigene Weise ausgelegt wurde, hätte dem LSD-Papst wohl weniger gefallen.) System 01 bewohnten eine Schattenwelt, die mit dem Gefährlichen kokettierte, was zugleich ironische Seiten haben konnte. Wenn sie in »The Pleasure Principle« etwa weibliches Stöhnen rhythmisieren, klingt das jedenfalls nach einer eher unernsten Interpretation des Lustprinzips. Free your mind!

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System 01
1990-1994
ab 25.99€