Taras Bulba

Venier Le Temps

STROOM~ • 2022

Schon lange bevor Volker Kahrs und Tom Redecker Anfang der Neunziger begannen als Duo zu operieren, waren sie in diversen Szenen des deutschen Musikuntergrunds aktiv, hin und wieder aber auch mal an der Oberfläche zu sehen. Kahrs etwa fummelte während der Siebziger beim deutschen Kraut-Ensemble Grobschnitt auf den Keys herum und prägte deren beste Alben mit unkonventionellen Eklektizismen ebenso wie mit brillanter Modulation. 1982 verließ er das zwischenzeitig landesweit beliebt gewordene Projekt gerade noch rechtzeitig, bevor es sich selbst mit dem Kniefall gen Mainstream zugrunde richtete. Rückblickend eher ein Glücksfall. Wie sonst hätte Kahrs anschließend zur Weltmusik gefunden, zu den New-Age-Meditationen, die er dann als Yomano zu veröffentlichen begann. Und ob er andernfalls auf Redecker gestoßen wäre, der zwischenzeitig als eine Hälfte des Duos The Perc Meets The Hodden Gentleman psychedelischen Rock neu dachte? Oder mit diesem Taras Bulba aus der Taufe gehoben hätte? Chances are: Nein. Was uns da doch entgangen wäre. Eine Art trunkener Tribal Trance, ja irgendwie neoklassischer Industrial mit Dungeon Synth oder vielleicht auch Casio-Dub, downtemperiert auf Labortemperatur? Wer die Soundpalette des Duos zu verbalisieren sucht, macht sich zwangsläufig zum Honk. Ähnlich wie das australische Duo Soma, haben Taras Bulba für zwei Alben eine ausnahmsweise wirklich mal ureigene Signatur entwickelt, die sie selbst kaum reproduzieren konnten – ebenso mystisch wie cheesy, so retro wie Futur II. Material von damals, aber auch unveröffentlichte Tracks aus den frühen 2000ern sind nun via STROOM~ auf der Compilation »Venier Le Temps« erschienen. Waschechte Floating-Mucke, wenn du den Tank nie wieder öffnen willst. Wer nach vielen Stunden schaumigen Versinkens doch mal aufzutauchen vermag, dem stellt sich nur die Frage: Warum konnte das nicht weitergehen?

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Taras Bulba
Venier Le Temps
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