Review

The Maghreban

Connection

Zoot Records • 2022

Bereits an seinem Debüt »01DEAS« scheiden sich 2018 die Geister, weil Ayman Rostom nonchalant House mit instrumentellem Hip-Hop und Turntablism vermählt und seine Tracks so gut wie nie irgendeiner vorhersehbaren Ästhetik folgen. Es geht bei dem gegenwärtig in London lebenden DJ, Digger und Produzenten also um Eklektizismus als modus operandi, um Entwürfe von Beatkonstruktionen, die so verschwenderisch mit Einflüssen spielen, dass sie zu etwas völlig eigenem geraten. Vier Jahre und eine Pandemie später ist mit »Connection« der Nachfolger im Kasten und unterstreicht, warum Ayman Rostom von vornherein auf dem richtigen Dampfer war. Wieder sind es postmoderne Produktionen zwischen Afro- und Tech-House, Spelunken-Jazz und Soul, orientalischen Gesängen und verzerrten Vocodern, mystischen Effekten und krossen Bedroom-Beats, die das Sounddesign von The Maghreban ausstaffieren. Deutlich düsterer als auf dem Vorgänger, lassen sich die Tracks des Albums Zeit, um jeden einzelnen Stem der Arrangements mit Taktgefühl zu integrieren, wie etwa beim sublimen »Baby« oder dem organisch brodelnden Feature mit Idris Rahman »Black Seed Oil«. Ohnehin sind es erneut die Kollaborationen, mit denen dieses Album genüsslich prahlen kann. Nicht nur klingt keine wie die andere, auch das professionelle Understatement, mit dem Rostom etwa die Vocals von Nah Eeto oder Omar in seine halluzinogenen Grooves einpasst, sind von gesonderter Qualität. Der Geist eines Tubby Hayes jammt hier mit der 16-Bit Grime-Pastiche von Slackk, während ein Näschen für Samples wie bei Amon Tobin circa »Bricolage« (1997) die Asche von Andrew Weatherall schnieft. Zu viele Querverweise? Dann runterfahren und in einer ruhigen Minute selber reinhören. Spätestens wenn im Rausschmeißer »Moving On« alle Elemente zusammenkommen wie in einem 3D-Puzzle, entpuppt sich der Albumtitel nämlich als absolut programmatisch.

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Maghreban, The
Connection
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