Review

The National

First Two Pages Of Frankenstein

4AD • 2023

Wo fängt man an, wenn die Schreibblockade sich gerade unüberwindbar und die Band, mit der man seit fast 25 Jahren Musik macht, sich noch nie so kurz vor dem Aus angefühlt hat? Vielleicht bei einem der kleinsten gemeinsamen Nenner der populären Musik: den Wörtern. Matt Berninger, Sänger von The National, griff kurzerhand zu Büchern in seinem Regal und die »First Two Pages Of Frankenstein« waren zwar nicht die sofortige Wunderheilung, aber immerhin haben sie ihren Teil beigetragen zum neunten Album der Band aus Cincinnati.

Allgemein fühlt sich die neue Platte nach kleinstem gemeinsamen Nenner an. Da sind zwar die überwältigend groß klingenden Features Sufjan Stevens, Phoebe Bridgers und Taylor Swift, bis auf das Duett mit Letzterer (»The Alcott«) bleiben ihre Beiträge aber höchstens spür- und nur ein ganz klein wenig hörbar. Stattdessen tun The National das, was sie am besten können und liefern elf schwermütige (Pop-)Rocksongs, die von kleinteiligen Beziehungsdramen erzählen (»Eucalyptus«) oder sie erinneren sich an eindrückliche alltägliche Details: »You in my New Order t-shirt / Holding a cat and a glass of beer«.

Mit einfachen, aber schönen Gitarrenmelodien und überraschend zurückgenommen Drums und Drumloops haben Berninger und Co zwar etwas wenig Spektakuläres geschaffen, das in der Diskografie vermutlich nicht als das große Frankenstein-Werk nachhallt. Aber manchmal muss man erst mal wieder mit den kleinsten Schritten anfangen. Und für die feinen literarischen Beobachtungen hätte Mary Shelley dieses Album bestimmt gerne gehört.