Reggae aus Nigeria? Nun, dort ist eben nicht alles Afrobeat. »Nigerian Reggae« bildet seit den späten Sechzigern ein eigenes Genre. Richtig erfolgreich wurde die Sache in den Achtzigern, unterstützt von den Radiosendern in Lagos. Fight the Fire bringt Songs aus der Phase von 1986 bis 1991 zusammen und stellt digitalen Reggae mit Botschaft neben nigerianischen Dub.
Der Titelsong stammt vom Musiker und Sänger Orits Williki und bietet eine klassische Roots-Hymne mit wunderschön mehrstimmig gesungenem Refrain über schön billig klingendem digitalen Instrumentarium. Andere Stücke lassen noch stärker die Fusion von Reggae mit nigerianischen Traditionen erkennen. Mac Dessy Adult etwa bietet mit »Labrock Dub« ziemlich genau das, was der Titel verspricht: ein zurückgenommen rollendes Instrumental, in dem die Gitarre in der zweiten Hälfte mit kontrolliert ausgedehnten Soli den Dub-Purismus aufbricht. Elektronisch verspielter sind B.G. and Fibre mit ihrem »Drunken Driver (Dub)«, bei dem der Gesang in der zweiten Hälfte nicht nur in kleinen Fetzen hineingestreut, sondern zugleich merklich mit dem Lautstärkeregler ein- und ausgeblendet wird.
Mitunter unterscheidet sich auch die Wahl der Themen von dem, was in jamaikanischem Reggae üblich ist. Die Sängerin Oby Onyioha etwa erzählt im verbissen ostinaten »Raid Dem Jah« davon, wie »they« jemandes Schwester vergewaltigt, seine Mutter getötet und seinen Vater geköpft haben. Muss man erst mal sacken lassen.
