Wenn ein DJ dem Detroit-Sound huldigt, denkt man dabei zuvorderst an Techno: die Belleville Three, Jeff Mills, Robert Hood, Carl Craig, K-Hand. Rohe Maschinenmusik ohne unnötigen Ballast, die das reichhaltige musikalische Erbe der Stadt in gleichmäßige Rhythmik zwingt. Bei DJ Amir verhält es sich etwas anders. Er mixt bevorzugt organische Stile, setzt bei eben diesem Erbe an – in seinen Sets finden sich etwa Funk, Disco, Soul und Jazz. Der Richtige also, um eine Serie mit dem Namen »The Sound of Detroit« zu kuratieren.
Wo dieses Wort sich andernorts darin erschöpft, die Kumpels auf ein Line-up zu buchen, die hintereinander seelenlose Techno-Sets wegschrubben, hat Amir seine Hausaufgaben gemacht, namentlich einen deep dive in den Backkatalog von Detroits legendärem Strata-Label. Das Independent-Label existierte in den Siebzigern und war, Wikipedia sei Dank, eine musikalische Antwort auf die Rassenunruhen von 1967. Die 14 Stücke auf dieser Compilation zeichnen ein abwechslungsreiches Bild der Jazz-Kompetenz von Strata: Maulaws »Naima« setzt mit wiederkehrenden Bläsermotiven aggressive Zäsuren, dazwischen herrscht wuselige Harmonie, die vor Kreativität überschäumt. Ron Englishs »Ultima Linda« wogt auf und ab und changiert mit seinen Tempowechseln zwischen Gravitas und aufreizender Leichtigkeit. Auch tatsächliche Songs kommen vor, etwa das croonige »I’m Really Gonna Miss You« von The Soulmates, das seine Dynamik aus clever arrangierter Mehrsprachigkeit zieht, oder die grandiose Soul-Ballade »Let Me Be The One« von Keith Boone und Janice Coombs. Das ist kein Zeitdokument, sondern Hörvergnügen.

DJ Amir Presents Strata Records The Sound of Detroit 2