Review

Villagers

Darling Arithmetic

Domino • 2015

Mit den ewiggleichen Zuschreibungen ist es schon so eine Sache: sicherlich praktisch für den faulen Schreiberling, aber für den beschriebenen Künstler irgendwann nur noch ein Fluch. Da hat sich Conor O’Brien extra einen Vollbart zugelegt und trotzdem wird wohl auch das dritte Villagers-Album wieder mit Bright Eyes verglichen werden. Die Parallelen (vom selben Vornamen mal ganz abgesehen) sind ja auch offensichtlich: Ein regelmäßig als »Wunderkind« titulierter Folk-Songwriter schüttet textlich so versiert wie musikalisch ambitioniert sein (meist gebrochenes) Herz aus und alle Indie-Girls so »Oh, wie niedlich!«. Nach dem deutlich diverseren »Awayland« von 2013 ist »Darling Arithmetic« eine sehr ruhige, nahezu ausschließlich akustische Angelegenheit geworden. O’Brien begibt sich auf eine Art musikalische Meditation über seine eigene Sexualität. Zum intimen Thema passend spielte er alle Instrumente gleich selbst im Home-Studio ein und übernahm auch den Mix. Ein lo-fi-produziertes Coming-Out-Album ist »Darling Arithmetic« trotzdem nicht geworden, weil die Songs stets auf einer universellen emotionalen Ebene funktionieren und, notfalls auch ohne die sehr persönlichen textlichen Gefühlsausbrüche nachvollziehen zu müssen, verstanden werden. Dazu klingen die neun Stücke wie aus einem Guss und nach wie vor eher nach Omaha als nach der schottischen Heimat. Insofern können Bright-Eyes-Vergleiche bei Villagers einfach eine self fulfilling prophecy sein.