Review

Waxahatchee

Tigers Blood

Anti- • 2024

Perspektiven aus dem Schaukelstuhl: Auf ihrem sechsten Album »Tigers Blood« mit ihrem Projekt Waxahatchee zieht sich Katie Crutchfield auf einen melancholischen Country-Sound zurück. Alles zurückgelehnter, entspannter im Sound. Oder wie es in »365« heißt: »I stop picking up all your phone calls, take a shot at decency.« Und Anstand ist das Thema dieses Albums im Vergleich zum Vorgänger. Denn im ersten Moment wirken die zwölf Stücke nochmal braver. Die meisten Songs von »Tigers Blood« entstanden bereits vor zwei Jahren. Crutchfield schrieb das Material auf der Tour und ging für die Aufnahmen zu Produzent Brad Cook und der Sonic Ranch in Texas. Hat ja schon beim Vorgängeralbum geklappt. Und der Einschlag des neuen Albums ließ sich damals schon hören. Runtergeschraubte Takte, reduziert, nur kurze Ausbrüche, aber Crutchfield setzt dies auf »Tigers Blood« mit einer anderen Konsequenz um. »Mein Leben wird merkwürdiger und weniger nachvollziehbar, je älter ich werde«, sagte Crutchfield in einem Interview. Entsprechend arbeitete sich die 35-Jährige zur universellen Emotion für ihre Songs vor. In »Ice Cold« weht die ganze Zeit der Schmerz über den Abschied von Vergangenem mit. »Crimes Of The Heart« kuschelt sich mit spärlicher Instrumentierung ein, setzt seine Akzente zögerlich. Ja, alles erwachsen und zurückgenommen, aber trotzdem anrührend. Anständig herzlich eben und herzlich anständig.