Label Watch: Subject To Restrictions Discs

12.02.2026

Bei Subject To Restrictions Discs geht Weile über Eile. Der Katalog des Zürcher Labels umfasst LPs von Anatolian Weapons, Don Kashew und Gūsū und ist seit der Gründung des Labels im Jahr 2019 stetig gewachsen, während die Musik immer unkategorisierbarer wurde.

Die Geschichte von Subject To Restriction Discs ist eng mit der eines anderen Labels verwoben: Tóxico war ein kurzlebiges Tape-Only-Label, das dem elektronischen Underground der Schweizer Stadt Bern als Outlet diente. Dominik André hörte die Kassetten in seinem Auto rauf und runter. »Mir gefiel immer diese rohe, analoge Musik, die etwas sehr Eigenständiges hat, fernab von Funktionalität oder klaren Szenekategorien«, sagt er heute. Es ging nicht nur ihm so: Ein DJ, den André zu einem Gig in den Zürcher Club Zukunft fuhr, lauschte während der Fahrt mit und war begeistert — er wollte einige der Stücke über sein eigenes Label neu veröffentlichen. André leitete die Anfrage an Tóxico-Chef Narco Marco weiter und erhielt prompt Antwort: Nö. Wenn jemand diese Musik keiner breiteren Öffentlichkeit nahebringen sollte, dann André.

Wenig später wurde STRD mit der Compilation Kampf der Welten aus der Taufe gehoben, die Deep Cuts aus dem Tóxico-Katalog versammelte. Der in Zürich lebende DJ, Radiomoderator und Musikjournalist André brachte bereits Erfahrungen bei den DIY-Labels hommes du monde und Underground Soul mit. Dementsprechend bedacht ging er das neue Projekt an: »Ich wusste, wie viel Arbeit realistisch von einer Person getragen werden kann.« Am Anfang standen deshalb kleine Schritte und das DJ-freundliche 12inch-Format. »Ich hatte großen Respekt vor dem Album als künstlerischer Form und wollte mich dem erst an einem Punkt annehmen, an dem ich den Künstler:innen den besten Service bieten konnte.« Nach drei Jahren markierte Xindls Debüt-LP als neunte Katalognummer das erste Langstrecken-Release auf STRD.

Auch die Musik wandelte sich. Frühen STRD-Veröffentlichungen sind Fundgruben voll verrauschter EBM- und Wave-Cuts, scharfkantiger Electro-Banger und Outsider-House-Tunes, nicht selten mit Acid abgeschmeckt: rohe und ungeschliffene Musik für kleine, verschwitzte Keller-Dancefloors. Das blieb zweifelsfrei ein roter Faden in der Label-Ästhetik — drei aktuelle LPs von Anatolian Weapons und den Salon des Amateurs-Alumni Sequence of Events haben abenteuerlustigen DJs viel zu bieten. Doch hat sich die Klangpalette im Laufe der Zeit deutlich erweitert. »Das Label entwickelt sich parallel zu mir«, bekräftigt André. »Gerade finde ich es spannender, mit Bands oder Live-Projekten zu arbeiten, die nicht nur im Clubkontext funktionieren, sondern auch auf der Bühne oder im Albumformat bestehen können

Gründete Subject to Restrictions 2019: Dominik André (Foto: Nevestikas)

Aus diesem Gedanken hat André zuletzt mit dem Zürcher Duo Gūsū zusammengearbeitet, das die Klänge einer Guzheng mit Elektronik und Spoken-Word zu abstraktem Post-Folk verschmilzt, derweil sich Label-Mainstays wie Don Kashew und Angelo Repetto zunehmend esoterischen Klängen hingeben. Ersterer mit einer Flöte in der Hand, letzterer mit einer offensichtlichen Vorliebe für Vaporwave-Ästhetik und Krautrock-Rhythmen. André bietet mit STRD eine Plattform, deren Kuration ebenso von seinem »Bauchgefühl« und einem Interesse an langfristigen Bindungen zu den Künstler:innen wie auch von der Überzeugung geleitet wird, dass Musik mehr sein soll als nur funktional: »Mich interessiert Musik nicht nur als Konsumgut, sondern als etwas, über das man spricht, streitet, nachdenkt.«

Kopf gerad so über Wasser, aber niemals im Sand

»Das Label erlaubt mir, Musik weitgehend kompromisslos zu kuratieren, sie in einen Kontext zu setzen und ihr eine Bühne zu geben«, sagt er. »Das gibt mir das Gefühl, eine Stimme im Musikdiskurs zu sein.« Im Laufe der Zeit haben sich andere Menschen ins Gespräch eingeklinkt. André arbeitet seit langem mit dem Vertrieb Bordello A Parigi und dem Berliner Presswerk intakt! sowie der Mastering-Expertin Isabel Schröer zusammen und seine Partnerin, die DJ Nive, hilft mittlerweile beim A&R und administrativen Angelegenheiten. Auch fungiert das Label zunehmend als Plattform für Schweizer Künstler:innen und fördert zugleich weltweit Talente. »STRD ist lokal verwurzelt und agiert international«, sagt André.

»Als Label für nischige Musik ist aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich alles schwierig.«

Dominik André macht sich keine falschen Vorstellungen

Auch in diesem Sinne markierte eine Vinyl-Compilation mit Perlen aus dem Tóxico-Katalog im Jahr 2025 sowohl einen Meilenstein als auch einen Full-Circle-Moment für STRD. In Zeiten der »compilation fatigue« verdeutlichte das kompakte Release obendrein, wofür der Labelname steht: »Wir leben in einer Zeit, in der theoretisch alles möglich ist. Und doch verlieren wir oft aus den Augen, was wirklich notwendig ist. Einschränkungen zwingen uns zu Entscheidungen, die äußerst produktiv sein können.« Dasselbe lässt sich wohl über Vinyl sagen. Schon der Wechsel vom 12-Zoll-Format zum Album war teils durch gestiegene Produktionskosten motiviert, die arbeitsintensiveren LPs fordern jedoch ebenso ihren Preis. »Als Label für nischige Musik ist aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich alles schwierig«, schulterzuckt André.

Dank Förderungen und Einnahmen aus Konzerten und Clubnächten hält STRD aber den Kopf über Wasser und veröffentlicht regelmäßig zwischen vier und sechs Platten pro Jahr. Nach heutigen Maßstäben ist das freilich nicht viel, es unterstreicht jedoch einmal mehr, dass André die Dinge ebenso langsam wie bedacht angeht, mit Blick fürs Detail und Leidenschaft für die Sache — mit Passion statt für Profit.

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