Der Sänger Bim Sherman gehört zu den Reggaemusikern, die zunächst Erfolge in Jamaika feierten – in seinem Fall etwa mit dem Hit »Golden Locks« von 1976 –, einige Jahre später jedoch dem Ruf des Produzenten Adrian Sherwood nach England folgten, um dessen Post-Punk-Dub-Kosmos zu bereichern. Sherman sang in verschiedenen von Sherwood betreuten Bands, von Creation Rebel bis Dub Syndicate. Es kann nicht schaden, sich einige seiner Nummern aus dieser Zeit wie »More Is Insane« anzuhören, bevor man sich Ghetto Dub vornimmt.
Sherman produzierte das Album 1988 unabhängig, Sherwood war für den Mix zuständig. Das Ergebnis ist nicht nur massiv, sondern lässt in den luftigen Tracks reichlich Raum für freundlich abseitige Einfälle. Besonders schön ist der Türklingelsound in »Station Dub«, der geschickt zwischen witzig und nervig schwankt und das religiös stoische Rollen des Basses um ein weltliches Gegenstück ergänzt. Sherwood ließ sich in dieser Hinsicht stets gern vom genialen Irrsinn des Dub-Pioniers Lee »Scratch« Perry inspirieren – und Sherman steht dem in nichts nach.
Was an Ghetto Dub am meisten erstaunt, ist der Umgang Shermans mit seiner Stimme. Deren heisere Samtigkeit setzt er so sparsam ein, dass die meisten Tracks ohne sie auskommen müssen. Hier und da lässt er lediglich Samples seines Gesangs vorüberhallen. Ein souveräner Umgang mit etwas Kostbarem – und ein bescheidener Auftritt zugleich. Shermans Größe als Musiker zeigt sich hier auch im Weglassen.

Ghetto Dub