Labels finden ihre Künstler:innen meist auf banalen Wegen – bei Showcase-Festivals, auf TikTok, über Freundesfreund:innen und so weiter. Juergen Vonbank hingegen reiste um die halbe Welt, um einen Künstler von einem ganz anderen Ende der Erde aufzustöbern: Während eines Tourstopps in Ecuador wurde dem DJ und Chef von Night Defined die Musik des mongolischen Künstlers Ts Bayandalai gezeigt. Einige E-Mails über geografische Grenzen und Sprachbarrieren hinweg und gut drei Jahre später zeigt Wind of Oirat, dass sich all die Mühe gelohnt hat: Der Nachfolger von Bayandalais 2020 erschienener EP Kimel ist nicht weniger als ein ausgereiftes Mission Statement.
Bayandalai lässt sich zwar von mongolischer Folklore inspirieren, doch wie Titelnamen wie »404 Not Found« und »Bedwetting« beweisen, geht es ihm nicht um Einblicke ins Leben in der Steppe. Und obwohl er und seine Mitwirkenden gelegentlich Instrumente wie das Ochsenhorn oder die Pferdegeige einsetzen, schöpfen diese sieben Tracks eher aus den epischeren, jazzigen Strömungen der Rockmusik: Sie haben mehr gemeinsam mit Post-Rock-Legenden wie Tortoise, Karate oder Aereogramme sowie skronkigen und progressiven Psych-Rock-Gruppen wie Neptunian Maximalism und Dope Purple als etwa mit dem folkigen Industrial-Rock der geografisch schon eher naheliegenden IZ.
Das ergibt einen aufrührerischen Stilmix, den Bayandalais Gesang – sparsam eingesetzt, aber langgezogen und leicht bluesig klagend – nur umso einzigartiger macht. Musik wie die von Wind of Oirat ist selten zu finden, und dann bestimmt nicht auf banalem Wege.

Wind Of Oirat