Das Sheffielder Label Short Span führt ein kurioses Comeback an: Dub-Techno ist zurück. Das heißt keineswegs, dass der rasant wachsende Roster des Labels sich nach einem Goldenen Zeitalter zurücksehnt, in dem irgendwie alles besser war – oder immerhin die Aufmerksamkeitsspannen länger. Stilistisch betrachtet stellt die in Vancouver ansässige Produzentin Yu Su so etwas wie einen Ausreißer im Short-Span-Lager dar und unterstreicht damit umso mehr, dass das Label nicht einfach die Formeln nachrechnet, die einst von Basic Channel aufgestellt wurden.
Foundry ist Yu Sus zweites Album und wartet mit einer ebenso beeindruckenden wie überraschenden Gästeliste auf: die japanischen Dream-/City-Pop-Legenden Dip in the Pool, der hyperproduktive britische Ambient-Folk-Künstler memotone und sogar die – kürzlich reaktivierten – Post-Rock-Ikonen Seefeel tragen zu drei Stücken bei. Abgesehen von den an Clicks’n’Cuts angelehnten Stücken »Cul de sac« und »Wanli« sowie einem Titeltrack, der an Porter Ricks in ihren acid-affinsten Momenten erinnert, setzt Yu Su dementsprechend nicht auf die Stilistiken, die den Katalog von Short Span sonst dominieren.
Was Foundry stattdessen bietet: Tracks, die sich an Fifth-World-Fantasien der Mitte der 2010er-Jahre, üppigen Downtempo-Reverien oder klanglichen Abstraktionen orientieren, die sich gegenüber konventionellen kompositorischen Strukturen große Freiheiten herausnehmen. Das macht es zu einem vielfältigen, wenngleich nicht unbedingt immer kohärenten Album. Ein Meilenstein in ihrer Entwicklung als Produzentin ist es allemal.

Foundry Orange Vinyl Edition