Dub-Techno, so er gut gemacht ist, ist die Abwesenheit unnötiger Befindlichkeiten. Jenes Genre elektronischer Musik, das mit Recht keinen Humor und keine adoleszenten Gefühlsausbrüche toleriert. Voller Fokus, volle Konzentration auf schemenhafte, schwach umrissene Konturen eines seit Dekaden feststehenden, unveränderlichen Bezugsrahmens. Dub-Techno, dieser Grusel ist ihm inhärent, zwingt zum Nachdenken und wirft Individuen auf sich selbst zurück – ausweglos. Er verursacht das Gegenteil dessen, was Clubmusik so gerne für sich reklamiert: In seinen gleichmütigen stählernen Chords existiert keine Gemeinsamkeit, kein Wir auf dem Dancefloor, er isoliert, vereinsamt in kargen, unbarmherzigen Landschaften.
Wenn über Dub-Techno geschrieben wird, ist gerne von atmosphärischer Musik die Rede. Was Quatsch ist, jede Musik hat schließlich irgendeine Atmosphäre, und sei sie noch so unausstehlich. The Setting Sun, das Stephen Hitchell erstmals 2009 unter dem Alias Variant veröffentlichte und das nun auf Field wiederaufgelegt wird, darf man dann wohl als atmosphärisch dicht deuten. Das Rauschen, das er erzeugt, knistert besonders präsent, als fordere es Aufmerksamkeit in dieser Eiswüste von einem Album. Biosphere, Pole – der das Album gemastert hat – und Eluvium, alle rauschen sie vorbei und verlieren sich im Auge des schneidenden Schneesturms. »Someplace Else« generiert in der zweiten Albumhälfte einen gemächlichen Riddim, der finale, 23-minütige Titeltrack wuchtet Akkorde wie kleine Erleuchtungen in den Wust aus Selbstzweifeln.

The Setting Sun