Zur Veröffentlichung im Jahr 2000 wurde El Baile Alemán vollmundig und wohl nicht ganz unironisch als »the future of electronic music« bezeichnet – und zwar direkt auf dem Backcover des zweiten Werks von Señor Coconut (Uwe Schmidt alias Atom™). Das Konzept »Kraftwerk-Cover mit lateinamerikanischen Rhythmen« klingt zwar erst mal wie eine Schnapsidee, hat aber durchaus Substanz, geht voll auf und ist auch ein Vierteljahrhundert später noch immer erstaunlich frisch und ein großer Spaß. Die Düsseldorfer Roboter werden hier mit Sonnenmilch statt Maschinenöl geschmiert und tanzen zwar etwas ungelenk und hüftsteif, aber stets perfekt im Takt von Cha-Cha-Cha, Merengue und Cumbia; hin und wieder kommt es zu Glitches, und es sprühen ein paar Funken.
Der minimalistische und preußisch strenge Sound der Vorlagen, gepaart mit der tropischen Wärme der Rhythmen – plus ein paar Samples und Breakbeats –, führt zu so vielen witzigen wie verführerischen Momenten, wirkt so retrofuturistisch wie schwer einzuordnen. So frisch ist dieser eigenwillige Sound aber nur geblieben, weil Schmidts Electrolatino eben gerade nicht die Zukunft von EDM geworden ist. Das haben einige Jahre nach Señor Coconut eher verwandte Spielarten wie Reggaeton oder Tropical Bass geschafft – und gezeigt, dass die Zukunft von gestern schon morgen nur ein schnell vergänglicher Trend sein kann. Von daher ist es vielleicht sogar ein Segen, dass Señor Coconuts »deutsche Tänze« nie in irgendeinem Mainstream angekommen sind.

El Baile Aleman