Der Hinweis, dass er in einem früheren Leben einmal Jazz-Schlagzeuger gewesen ist, darf in keinem Text über den Finnen Sasu Ripatti fehlen. Die Information ist wichtig für VD5, obwohl Ripattis Alias Vladislav Delay und seine zig anderen Pseudonyme seit den späten Neunzigern für Glitch, Dub-Techno und Dekonstruktionen experimenteller elektronischer Musik stehen, die nicht selten in Noise-Terrorismus ausarten. 15 Jahre nach dem Album Vladislav Delay Quartet folgt jetzt Vd5 vom Vladislav Delay Quintet, das neben Ripatti aus Derek Shirley (Bass), Lucio Capece (Saxofon), Maria Bertel (Posaune) und Max Loderbauer, dem experimentellen Berliner Elektronikveteranen am Klavier, besteht.
VD5 erfordert eine weite Auslegung des Begriffs »Jazz«. Im Grunde genommen ist es ein Vladislav-Delay-Album mit anderen Mitteln. Die Instrumentalist:innen brillieren nicht mit akzentuierten Soli, ihre Beiträge integrieren sich wie Soundsamples in einen musikalischen Flow aus unterschwelligem Grummeln, in dem glitchige Interferenzen und elektroakustische Einschübe eine Idylle gar nicht erst aufkommen lassen. Das erinnert zuweilen an die elektrischen Collage-Alben von Miles Davis aus den 70ern und schlägt damit in gewisser Weise wieder den Bogen zum Jazz.

Vd5

