Review Jazz

Moses Yoofee Trio

Chasing Light

Leiter • 2026

Das Moses Yoofee Trio hat früh verstanden, wie sich Aufmerksamkeit heute organisiert: intensive Live-Energie, algorithmustaugliche Tightness, internationale Touren. Der Hype um die Berliner Formation generiert sich allerdings nicht nur aus smarter Sichtbarkeit, sondern aus einem Sound, der Einflüsse von Jazz, R&B bis Broken Beat zugänglich und zugleich vielschichtig vereint. Chasing Light ist eine Zwischenbilanz dieses Ansatzes.

Die EP verdichtet, was das Trio auszeichnet: Hip-Hop-Grooves, Fusion-Versatzstücke und improvisatorische Offenheit greifen ineinander, ohne in verkopfte Virtuosität zu kippen. Statt exzessiver Soli setzt die Band auf Textur, Wiederholung und präzise gesetzte Dynamikwechsel. Die Energie geht nach vorne: In »Nothing to Lose« treiben Breakbeat-Patterns den Track permanent an, überlagert von sirenenhaften Synth-Linien und verfremdeten Vocals von Feature-Gast Mulay, während sich »Inner Circles« auf einem Afrobeat-Fundament aufbaut. Mit Ahmad Mateen auf »Honest« verschiebt sich die Dynamik: Seine samtige Stimme und der wonky Groove bieten zum Abschluss noch mal Gelegenheit zum Zurücklehnen.

Chasing Light bestätigt damit zunächst den Eindruck einer Band, die ihre Einflüsse präzise einsetzt. Der Sound knüpft an London und New York an – von Yussef Kamaal bis Robert Glasper –, ohne sich darin komplett zu verlieren. Spannend wird allerdings die Frage sein, was nach dieser Verdichtung kommt und wie sich ein so zeitgeistiger Sound weiterentwickelt.