Zwinkern, und du hast’s verpasst. Die Karriere des Londoner Duos Swallow glich eher einer Momentaufnahme, denn nach dem ersten Album Blow von 1992 sowie einer alternativen Version, Blowback, war auch schon wieder Schluss. Nun erscheinen beide Werke neu gemastert als Blown – und das ist allemal eine Wiederentdeckung wert. Die effektbeladenen, verzerrten, mal jaulenden, mal kreischenden Shoegaze-Gitarren von Mike Mason bilden zusammen mit den ätherisch-verträumten, gespenstisch verhallten Vocals von Louise Trehy den Sweet Spot zwischen My Bloody Valentine und Mazzy Star. Passend dazu klingen die Drum Machines ein wenig nach Industrial, meist allerdings zurückhaltend und gemächlich, auch wenn es in »Sugar Your Mind« mal etwas zackiger zur Sache geht.
Zwischen atmosphärischen Instrumentals gibt es Highlights wie »Cherry Stars Collide«, das mit seinen kristallinen Gitarrenlinien ein echter Hit ist, oder die Ballade »Peekaboo«, die auch The Cure gut zu Gesicht gestanden hätte. Beim Bonus-Track »Blow«, mit der Opulenz und der orchestralen Wucht eines James-Bond-Songs, fragt man sich, warum der Song nicht mit auf dem ursprünglichen Album war. Auch das Remastering hat sich gelohnt, denn nun sind die Kontraste deutlicher, die Vocals etwas lauter, und auch die hypnotischen Parts klingen dynamischer. Dieser spezielle Moment, in dem sich Anfang der 90er-Jahre Shoegaze und Dream-Pop umarmten, kann nun immer wieder erlebt werden – ganz egal, wie oft man blinzelt.

Blown Milky White Vinyl Edition