Das Albumcover deutet es an: Oonagh Haines verfügt über eine überbordende Fantasie. Ihr Faible für surreale, oft sarkastische Gedankenspiele, in die sie manch unerwarteten Schlenker unterbringt, blitzt etwa im extrem entschleunigten Eröffnungstrack »Loaded Gun« durch. Dabei amalgamiert sie düsteren R&B, Cloud Rap, Grime und minimalistische Beats zu einem schleppenden Sound.
Mit runtergepitchter, dadurch tiefergelegter und zudem autotune-getränkter Stimme erzählt sie von einer geladenen Waffe, die auf dem Nachttisch liegt, falls sie es mit einem Eindringling zu tun bekommt. Allerdings, so die Pointe dieser Parodie, um sich schnell selbst zu erschießen, bevor es zur Konfrontation kommt. In »Kindness« sorgen verspulte Soundeffekte für eine verspielte Anmutung – passend zu Lyrics, in denen sie einen Menschen herbeisehnt, der dem Leben mit Offenheit begegnet. Doch Distanznahme schimmert auch in diesem vergleichsweise optimistischen Track durch, nicht zuletzt durch den künstlich wirkenden Gesang.
Immer wieder arbeitet Haines mit Brechungen: So gelingt ihr mit reduzierten Beats der Spagat, lethargisch zu klingen und doch stark auf Rhythmus fokussiert zu sein. Die Dekonstruktion von Genrekonventionen und ein schräger Humor ziehen sich als roter Faden durch dieses Debütalbum.

Not Not Pretending