In Lansing, mitten in Michigan, wo der Rostgürtel mit nostalgischer Härte an den Pfeilern von Detroit nagt, sitzt John Beltran und macht elektronische Musik. Seit dreieinhalb Jahrzehnten. Ohne großes Aufsehen, ohne schrille Attitüde. Nicht mal gequältes Posieren im flackernden Neonlicht der Lebenskulissen gibt sein Insta-handle her.
Beltran erfindet sich mit verlässlicher Regelmäßigkeit neu, ohne seine Seele an den nächsten Microtrend zu verhökern. Schon 1996 feilte er mit Ten Days of Blue an der Symbiose aus Chicago-Frequenzen und Larry-Heard-Deepness. 1997 meißelte er mit The Cry auf Peacefrog ein Ambient-Denkmal für die Ewigkeit. Von R&S bis Kalahari Oyster Cult hat dieser Kerl jeden Kultkatalog veredelt, den der sogenannte Underground hergibt.
Jetzt kommt Sunrise And the Way We Live. Der Titel klingt nach Selbstfindungsbuch einer Yoga-Lehrerin aus Mitte, aber hinter der Fassade steckt genau das, was Beltran am besten kann: subtile Melancholie, geerdet durch analoge Wärme. Was man nicht findet: billige Drops. Dafür aber ein Haufen »glücklicher Unfälle« auf alten Synthesizern, gekonnt arrangiert von einem, der nach gefühlt 300 Alben niemandem mehr was beweisen muss.
Ach ja: Statt mit Mitte 50 im verbitterten Nostalgiesumpf zu rühren, fährt Beltran lieber entspannt Fahrrad an der Promenade des Detroit River, linst rüber nach Kanada und lässt sich von der Gen Z als Großmeister abfeiern. Er ist einfach das seltene Phänomen eines leisen Giganten – stets unter dem Radar der Masse, aber unsterblich im Gedächtnis der Kenner.

John Beltran: Dies ist wahrscheinlich mein Lieblingsalbum aller Zeiten. Sting hat mir gezeigt, dass man als Künstler nicht so sein muss, wie die Öffentlichkeit einen wahrnimmt. So wie er sich seit seiner Zeit bei The Police weiterentwickelt hat, habe auch ich mich seit Ten Days of Blue weiterentwickelt.
Redaktion
John Beltran: Diese LP hat mir unglaublich viel gegeben. Der Titelsong »Stronger Than Pride« wird für mich nie langweilig. Es ist eines der sinnlichsten Musikstücke, die ich je gehört habe.
Redaktion
John Beltran: John Beltran: Dieses Album vereint alles, was ich an bestimmter Adult-Contemporary-Musik liebe. Den Jazz. Die Weltmusik-Elemente. Den Soul. Und auch die Pop-Vibes. Wenn ihr dieses Juwel noch nie gehört habt und die beiden oben genannten LPs liebt, dann holt es euch unbedingt. Ein absoluter Volltreffer.
Redaktion
John Beltran: Der Titelsong »Hounds of Love« enthält meine gesamte Jugend in einem einzigen Lied. Er versetzt mich immer noch zurück in jene Herbsttage der Achtziger in meiner Heimatstadt, als die ganze Welt und all meine Träume vor mir lagen.
Redaktion
John Beltran: Was soll ich zu diesem perfekten Album noch sagen? »Mercy Street« gehört nach wie vor zu meinen Top-10-Songs aller Zeiten. Die musikalische Qualität und die Gastmusiker auf dieser Platte sind einfach erstklassig.
Redaktion
John Beltran: Okay. Also, ich habe das eigentlich erst vor kurzem kennengelernt. Es ist in den 80er-Jahren erschienen, aber ich habe es vor kurzem entdeckt. »Spirits 23« wurde mir von jemandem empfohlen, der neu in meinem Leben ist und mir sehr am Herzen liegt. Während ich es mir gerade anhöre, regt sich etwas in mir.
Redaktion
John Beltran: »Save a Prayer«: Mehr muss nicht gesagt werden.
Redaktion
John Beltran: »Plainsong« und »Closedown« sind perfekte Musik. Es gibt nichts Besseres auf dieser Welt.
Redaktion
John Beltran: Das Album besiegelte meinen Abschied von den 80ern. Was kann man über »Cherry Coloured Funk« noch sagen, was nicht schon gesagt wurde? Liz ist eine echte Naturgewalt. Ich produziere derzeit eine Band aus Montréal namens Young Galaxy, und wir lassen uns definitiv vom Sound der Cocteau Twins inspirieren. Wir lassen Shoegaze-Dream-Pop wieder aufleben! Seid gespannt darauf!
Redaktion
John Beltran: Diese Platte habe ich geliebt! »Come to Me« ist mein Lieblingsstück. Die Tabla und die nahöstlichen Saiteninstrumente in »Venus as a Boy« beeindrucken mich immer wieder aufs Neue. Das ist zeitlos.
Redaktion

