Music Interview | verfasst 05.06.2018
Leon Vynehall
Für Oma, Forever Ago
Leon Vynehall geht mit »Nothing Is Still« auf ganz persönliche Spurensuche in seiner Familiengeschichte. Auf dem Debütalbum für Ninja Tune erzählt er, wie seine Großeltern in den 60er-Jahren von Großbritannien nach New York einwanderten.
Text Raoul Kranz , Fotos Phil Sharp / © Ninja Tune
Leon-vynehall-1

Es ist ein Riesenprojekt. Vier Jahre hat Leon Vynehall in sein Debütalbum gesteckt. Halt, warte Debütalbum? Was ist mit »Music For The Uninvited«, mit »Rojus«? »Ich habe die beiden nie wie richtige Alben gesehen. Sie waren eher Mini-EPs für mich. Die Konzepte und Geschichten dahinter und ihr Stil verlieh ihnen nicht genug Gewicht. Sie sind immer noch wichtige Teile meines Schaffens, aber »Nothing Is Still« fühlt sich wie die erste Arbeit an, bei der ich mich wohlfühle, dazu Album zu sagen«, antwortet Leon Vynehall im Interview.

Und es ist noch mehr als das, mehr als ein Langspieler voller Musik: »Nothing Is Still« ist Novelle, Liveshow, Kurzfilm. In zehn Tracks oder Kapiteln geht es aufs Schiff über den Atlantik ins schimmernde Amerika, ein poetisches Abenteuer rund um Familie, Freiheit, Verlust und Heimat.

Sein Händchen für selige Melodien brachte ihm schnell und zurecht den Ruf eines Ausnahmeproduzenten ein. Die hört man auch auf der Vorab-Single »Envelopes« wie auf der ganzen Platte deutlich heraus, sonst zeigt sich Vynehall vielseitig wie nie, setzt auf gebrochene Rhythmen, leise Zwischentöne und dichte Atmosphären statt 4/4-Dancefloor-Beats. »Nothing Is Still« ist ein cineastischer Trip durch die USA der 60er-Jahre und hält die Spannung mühelos von Anfang bis Ende.

hhv.demag: »Nothing Is Still« ist mit der Musik, Novelle, Kurzfilm und Liveshow ein Riesenprojekt, wie kommt es überhaupt dazu?
Leon Vynehall: Als mein Großvater 2014 starb, besuchte ich mit meiner Familie meine Oma. Sie erzählte mir Geschichten über ihre Zeit in New York während der 60er-Jahre. Ich wusste bis dahin nicht viel darüber. Dann holte sie diese Box mit Polaroids und Bildern raus. Ich schaute mir alles an und fragte: »Wer ist das denn und wo seid ihr hier?«. »Wenn ich über Dericks Schulter blicke, sehe ich Familien und Menschen und Orte. Wenn er über meine schaut, sieht er bloß eine Landschaft.« ( Auszug aus dem Buch zum Album) Sie erzählte mir alles und die Erzählungen waren so schön und gehaltvoll, dass ich irgendwie das Bedürfnis spürte, alles für sie zu dokumentieren. Meine Oma ist eine total liebe Person, sie mag es nicht rumzuprahlen und ich wollte nicht, dass die Geschichte im Lauf der Zeit verloren geht. Also setzten wir uns hin und machten was nicht so anderes als dieses Interview. Ich nahm unsere Gespräche auf und teilte ihre Anekdoten in Stücke auf. Und als wir über alle diese Bilder sprachen, ausgebreitet vor uns auf dem Tisch, machte ich einen kleinen Rahmen mit meinen Fingern, schaute durch und dachte: Das wäre ein cooles LP-Cover, es sah einfach super aus. Da kam mir der Gedanke: Wie wär’s, wenn ich die Geschichte aufschreibe und Musik für jedes Kapitel mache. Und dann ging’s lawinenartig weiter.

Du erzählst die Geschichte deiner Großeltern Stephanie und Derick, die Anfang der 60er-Jahre von Großbritannien nach New York immigrierten und Höhen und Tiefen erlebten?
Leon Vynehall: Sie hatten gute und schlechte Zeiten, wie jeder, der an einen fremden Ort einwandert. Die Geschichte weicht ein bisschen von den tatsächlichen Ereignissen ab, sie basiert auf allem, was dort passiert ist, aber dreht sich mehr um Verlust, Isolation und das Bedürfnis, sich irgendwo heimisch zu fühlen.

Die Frage nach Heimat ist zentral im Buch. Deine Großeltern lebten eine Weile in den USA und zogen dann zurück?
Leon Vynehall: Genau. Mein Großvater hatte nicht wirklich viel Familie außer die meiner Oma im UK. Seine Mutter verstieß ihn, als er heiratete, und er hatte sowieso kein gutes Verhältnis zu seinem Vater. Nach Amerika zu gehen war für ihn also diese Gelegenheit, einen Schlussstrich zu ziehen, ein anderes Leben mit seiner eigenen Familie an einem neuen Ort aufzubauen. Aber als sie das Abenteuer gewagt haben, machte sich meine Oma, die Familie liebt, arge Sorgen, dass sie alles von der anderen Seite des Atlantiks verpasst. Das zog sie zurück ins UK, brachte sie dazu, sich nach der Behaglichkeit ihrer Heimat zu sehnen. Es gibt diese Zeile in der Novelle: »Wenn ich über Dericks Schulter blicke, sehe ich Familien und Menschen und Orte. Wenn er über meine schaut, sieht er bloß eine Landschaft.« Das bringt es auf den Punkt, ihre Beziehung zur Reise, die unterschiedlichen Perspektiven auf ihre Pläne.

Du meintest, du willst nicht, dass ihre Geschichte verloren geht, was ist dir daran so wichtig? Der Mut, ihren Träumen nachzugehen, das Abenteuer, ein neues Leben ganz woanders aufzubauen?
Leon Vynehall: Das Ganze hat ja auch geprägt, wie ich aufgewachsen bin, und meine Werte mitbestimmt. Ihre Erfahrungen und Lehren von dort wurden an meine Mutter weitergegeben und dann an mich. Obwohl es so persönlich ist, wollte ich diese Geschichte auch teilen, weil die Moralvorstellungen, Werte, Situationen oder Gefühle im Buch in gewisser Weise mit jedem Menschen zu tun haben. Es geht um Heimat, Familie und das Gefühl, dass du irgendwo hingehörst, jeder kann sich auf eine Weise in die Geschichte projizieren und sie zu seiner eigenen machen. Irgendwie schön, dass man so Teil des Kunstwerks selber wird.

Nostalgie spielt in deinem Schaffen ohnehin eine große Rolle?
Leon Vynehall: Meine wahrscheinlich wichtigsten Releases »Nothing Is Still« und »Music For the Uninvited« schauen auf meine Familie und wie sie mich als Person geprägt hat. In gewisser Weise habe ich das nur gemacht, um mehr über mich selbst herauszufinden.

Mag deine Oma eigentlich das Ergebnis?
Leon Vynehall: Yeah, sie ist ziemlich baff, dass ich es überhaupt versucht habe. Sie hat mir gerade vor einer Woche eine SMS geschrieben, um mir zu sagen, dass die ganze Novelle gelesen hat, sie wunderschön findet und in ihrem Kopf sofort nach New York zurückkatapultiert wurde. Mission accomplished, mein Job ist gemacht und alles, was jetzt noch passiert, ist ein Bonus für mich.

Jedes Kapitel ist ja gleichzeitig einer der zehn Tracks. Was kam zuerst, Text oder Musik?
Leon Vynehall: Das Schreiben kam zuerst, weil ich die Novelle wie eine Anleitung für die Musik benutzte. Als wir den Großteil der Geschichte fertig hatten, ging ich jedes Kapitel durch und markiere Adjektive, Wörter oder Phrasen, die ich wie Werkzeuge benutzte, um die Musik zu schreiben. Die Emotionen und das Tempo der Kapitel verrieten mir, welche Stimmung und welchen Stil die Songs haben müssen. Andersherum hätte das nicht geklappt, dann hätte ja die Musik bestimmen müssen, was in der Geschichte passiert.

Also hast du manche Elemente aus dem Buch quasi wörtlich in Musik übersetzt?
Leon Vynehall: Alles in der Musik ist entweder im übertragenen Sinne oder direkt mit der Dichtung verwoben, jedes Geräusch und jedes Stück hat seine Berechtigung dort zu existieren, weil’s so im Buch vorkommt. Ich bin alles durchgegangen und habe mich gefragt: Wenn sich das so liest, wie genau würde das klingen?

Wie oft hast du deine Novelle denn gelesen? Tausendmal?
Leon Vynehall: Zu oft [lacht].

Du hast sie zusammen mit Max Sztyber geschrieben?
Leon Vynehall: Er ist ein sehr guter Freund, ich kenne ihn seit zehn Jahren. Wir waren zusammen in vielen Bands und er ist immer der Lyriker gewesen. Er hat einen sehr lebendigen, poetischen und rhythmischen Schreibstil, der einfach perfekt passt.

Warum eine Mischung aus Fiktion und Realität?
Leon Vynehall: Wir mussten die Geschichte irgendwie ändern. Ziemlich komisch, weil die Hauptperson, meine Oma Stephanie, im Buch eine Fehlgeburt erleidet und das wäre meine Mutter gewesen. Also habe ich mich in der Geschichte selbst aus meiner Existenz herausgeschrieben. Aber du brauchst diese Katalysatoren und Motive zur Entwicklung. Irgendwie morbid.

Gut, dass das fiktiv ist und wir hier gerade quatschen können. Der Titel »Nothing Is Still« könnte aber auch ein Kommentar auf die heutigen Zeiten sein? Alles ist in Bewegung, hektisch, verändert sich?
Leon Vynehall: Klar, das war zwar nicht mein Gedanke, aber du kannst definitiv Parallelen zwischen dem, was in dieser Ära im Buch passiert, und dem, was wir gerade alle erleben, ziehen.

Das gesamte Projekt in seinem ganzen Umfang muss eine ziemlich ungewohnte Herangehensweise von dir gefordert haben?
Leon Vynehall: Ja, manchmal war es verzwickt, aber bloß in dem Sinne, dass ich andere Disziplinen beim Musizieren brauchte. Bei den früheren Platten habe ich metaphorische Abstraktion eines Konzepts oder bloß Samples von einer begrenzten Anzahl von Platten benutzt. Jetzt war das anders, weil alle Informationen, die ich brauchte, in der Novelle waren. Also ging es eher darum, diese mit Musik zu formen, als sich frei aus dem Nichts ein Stück auszudenken. Ich musste also andere kreative Muskeln benutzen.

Und du hast mit Gast-Musikern und einem Streicherensemble zusammengearbeitet?
Leon Vynehall: Das war wunderbar. Zu sehen und zu hören, wie ein zehnköpfiges Streicherensemble deine Musik vor dir spielt, ist ein ziemlich überwältigendes Gefühl. Und Amy Langley, die die Streicher arrangierte, war phänomenal. Auch mit Sam Beste, der zusätzliche Piano-Teile einspielte, zusammenzuarbeiten, war super, er ist so ein bewundernswerter, fingerfertiger Klavierspieler. »Sobald du aufhörst, dazuzulernen, bist du tot.« (Leon Vynehall) Ich habe seine Teile geschrieben, aber sie klangen nicht so toll, und als ich ihm sagte, was ich mir so vorstelle, brachte er sie erst zum Leben. Dasselbe mit Finn Peters, der Saxophon und Flöte spielte, beide sind extrem talentierte und super ausgebildete Musiker. Zuzuschauen, wie sie deine Arbeit interpretieren und dir helfen, sie zu realisieren, hat mir wirklich die Augen geöffnet. Zum Beispiel auf »Drinking It In Again«, da taucht im zweiten Teil dieses schwebende Saxophon auf, und im Kapitel reden meine Großeltern darüber, wie ihr Atem in einer kalten Winternacht in der Luft hängt, also wollte ich, dass Finn mit besonders viel Atem ins Saxophon haucht, fast wie zu flüstern. Ich brachte ihn dazu, gegen sich selbst zu spielen, es war beinahe, als ob er mit dem Saxophon zu seiner eigenen Musik tanzt, genau wie in dem Kapitel Stephanie und Derick auf einer Hausparty am Tanzen sind.

Witzig, dass das Album wie deine Großeltern vom UK zum Mastering nach New York reiste und dann wieder zurück, oder?
Leon Vynehall: Das stimmt und ist ziemlich fein, wir haben sie auf ihre eigene Reise geschickt, nicht unbedingt, wo sie hingehört, aber eben wo die ganze Geschichte spielt. Wir haben die Platte mit Greg Calbi von Sterling Sound gemastered. Er ist ein unglaublicher Tontechniker, er hat wahrscheinlich deine ganze Lieblingsplatten von damals abgemischt, ein echter Meister.

Mit »Ice Cream« gibt es nur einen Track mit einem straighten Beat auf der LP. Machst du dir Sorgen darum, Erwartungen zu brechen?
Leon Vynehall: Nein, da freu ich mich drauf. Yeah, warum nicht? Ich habe einen breitgefächerten Musikgeschmack und wollte schon immer genau so eine Platte schreiben und nun hatte ich die Gelegenheit dazu. Ich habe es wirklich genossen, diese Platte zu machen, egal, wie schwierig es manchmal war und ich dachte, ich würde das alles nicht schaffen. Es war echt ein Vergnügen, hat mir viel beigebracht und ich will alle Facetten zeigen, die ich über Musik weiß und an ihr liebe.

Leon Vynehall – Nothing Is Still Webshop ► Vinyl LP + Deluxe Edition Klar, du produzierst ja sowieso ziemlich vielseitiges Material. Gibt es irgendein anderes Projekt, was dich noch interessiert?
Leon Vynehall: Was ich wirklich gerne als nächstes machen würde, ist für Film und Fernsehen zu schreiben. Ich bin neugierig darauf, Musik für etwas zu schreiben, das außerhalb meiner kreativen Kontrolle liegt. »Nothing Is Still« ist mein erster Ausflug dahin und ich würde gern den nächsten Schritt gehen, etwas für jemand anderen zu machen.

Also findest du es spannender, an einem ernsthaften Konzept zu arbeiten als verspielte Tanzmusik zu produzieren?
Leon Vynehall: Ich liebe, mache und werde das immer machen, aber ich bin ein neugieriger Künstler und will stets unterschiedliche Dinge erkunden. Mein Lebensmotto lautet: Sobald du aufhörst, dazuzulernen, bist du tot. Also ich will am Leben bleiben…

Ähnliche Artikel
Music Liste | verfasst 22.04.2021
Leon Vynehall
10 All Time Favs
Mit seinem neuen Album »Rare, Forever« setzt der britische Produzent Leon Vynehall den Weg fort, den er mit »Nothing Is Still« begonnen hat. Uns verrät er heute 10 Schallplatten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Review | verfasst 08.05.2014
Leon Vynehall
Music For The Uninvited
Ein Debüt? Beim Hören von »Music For The Univited« von Leon Vynehall könnte man diese Tatsache glatt vergessen.
Music Review | verfasst 31.03.2016
Leon Vynehall
Rojus
Leon Vynehall vertont auf »Rojus«, seinem neuen Album für Running Back, nichts weniger als das Paradies.
Music Review | verfasst 24.07.2015
Seven Davis Jr
Universes
Man hatte Seven Davis Jr. für sein Debüt nichts weniger als einen Klassiker zugetraut. »Universes« enttäuscht nicht.
Music Review | verfasst 27.05.2016
Max Graef & Glenn Astro
The Yard Work Simulator
Freiheit in der Verwirrung: Max Graef und Glenn Astro geben mit »The Yard Work Simulator« ihren gemeinsamen Einstand auf Albumlänge.
Music Review | verfasst 19.08.2019
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Review | verfasst 03.09.2021
DJ Seinfeld
Mirrors
»Mirrors« heißt das zweite Album des schwedischen Produzenten DJ Seinfeld. Und verglichen mit früherer Musik, sind die Spiegel gut geputzt.
Music Review | verfasst 14.09.2021
Park Hye Jin
Before I Die
»Before I Die«, das Debüt der aus Südkorea stammenden Musikerin Park Hye Jin, folgt einer ausgeklügelten Architektur.
Music Porträt | verfasst 26.05.2016
Max Graef
Smooth Operator
»Ist einfach nicht so meine Welt, arbeiten mit geregelten Zeiten«, erklärt uns Max Graef den Fakt, dass er nicht mehr einmal die Woche im Plattenladen aushilft. Lockerer Typ. Sein Album mit Glenn Astro erscheint morgen – und hat Drive.
Music Interview | verfasst 14.10.2019
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Kolumne | verfasst 09.07.2014
Zwölf Zehner
Juni 2014
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.12.2016
Jahresrückblick 2016
Top 50 Alben
Vielleicht ist es das Einzige, das man zu einer Liste mit Schallplatten zu diesem Jahr 2016 sagen kann, in der man nicht einfach nur über Musik reden kann: dass es bereichert, diesen 50 Alben (und 2 Mixtapes) zuzuhören.
Music Review | verfasst 01.09.2010
Andreya Triana
Lost Were I Belong
Ein harter Weg war es, der bis zu diesem Album führte. Andreya Triana hat es zu einem guten Ende geführt.
Music Review | verfasst 15.10.2010
Eskmo
Eskmo
Eskmos neues Husarenstück wird sich in der Welt der Beats festbeißen und seine Fanbase rasant vergrößern.
Music Review | verfasst 17.09.2010
Various Artists
Ninja Tune XX
Ninja Tune ist ein kleines Wunder geglückt: Durch Herzblut und Innovation in 20 Jahren brandaktuell und gleichermaßen legendär zu sein. Glückwunsch!
Music Review | verfasst 28.02.2011
Stateless
Matilda
Das neue Album von Stateless hat sich die Prädikate »episch« oder »cineastisch« hingegen durchaus verdient.
Music Review | verfasst 17.03.2011
Spokes
Everyone I Ever Met
Das Debüt der Band aus Manchester strotzt vor Energie, doch hat leider auch nicht mehr zu bieten.
Music Review | verfasst 05.09.2007
Sixtoo
Jackals And Vipers In Envy Of Man
Sixtoo war schon immer mehr Can als Coldplay. Easy ist hier nichts, geloungt wird woanders und statt Kaffee wird hier Benzol getrunken.
Music Review | verfasst 07.04.2011
Luke Vibert
Toomorrow
Nach sieben Abstinenz schlüpft Luke Vibert wieder in sein altes Wagon-Christ-Kostüm um zuckersüßen Samplism zu zelebrieren.
Music Review | verfasst 15.10.2007
Blockhead
Uncle Tony's Coloring Book
HipHop-Instrumentalisten scheinen sich in ihrer Natur signifikant von der rappenden Zunft zu unterscheiden…
Music Review | verfasst 10.05.2011
Daedelus
Bespoke
Daedelus vollzieht auf Bespoke die Kehrtwende, drückt aufs Tempo und sorgt mit aberwitzigen Sampleschlachten hier und da für Furore.
Music Review | verfasst 13.05.2011
Emika
Count Backwards
Wo die gestresste Seele Ruhe findet, so verrät die neue Single von Emika, ergibt sich beim Rückwärtszählen
Music Review | verfasst 27.05.2011
Amon Tobin
ISAM
Auf ISAM entfernt sich Amon Tobin einfach weiter von seiner Vergangenheit und umschifft ganz dreist die Gegenwart.
Music Review | verfasst 22.06.2011
Fink
Perfect Darkness
Fink erinnern mehr an Trip-Hop oder Dubstep als an bärtige Selbstverwirklichung und leidvolle Gefühlswelten.
Music Review | verfasst 12.10.2011
Kid Koala
Space Cadet
Kid Koala veröffentlicht mit Space Cadet eine Graphic Novel mit dazu passendem Soundtrack.
Music Review | verfasst 24.10.2011
Slugabed
Moonbeam Rider EP
Die Moonbeam Rider EP ist ein Vorbote von dem, was da bald von Slugabed auf Albumlänge kommen wird.
Music Review | verfasst 29.10.2011
Toddla T
Watch Me Dance
Die jugendliche Unbekümmertheit ist das Markenzeichen und Schwachpunkt von Toddla T.
Music Review | verfasst 31.10.2011
Emika
Emika
An Emika scheiden sich die Geister: Unser Autor Andreas Peters sieht darin die Verbindung vom frühen Bristol- zum aktuellen Berlinsound.
Music Review | verfasst 19.12.2011
Loka
Passing Place
Seit knapp fünf Jahren mischen Loka die verschiedensten Genres zusammen. Und auch diesmal wird es leider eher beliebig.
Music Review | verfasst 16.01.2012
DJ Food
The Search Engine
Das erste Album von DJ Food seit elf Jahren will als Album nicht so richtig überzeugen.
Music Review | verfasst 27.01.2012
Plug
Back On Time
14 Jahre lag Luke Viberts Alter Ego brach, nun steigt Plug wie ein Phoenix aus der Asche eines DAT-Tapes wieder auf.
Music Review | verfasst 15.02.2012
Bonobo
Black Sands Remixed
Zwölf renommierte Musiker haben sich Bonobos Album Black Sands vorgenommen und verleihen ihm ihre ganz eigene Note und Dynamik.
Music Review | verfasst 25.05.2012
Amon Tobin
Boxset
Von dem brasilianischen Musiker Amon Tobin wird ein Boxset veröffentlicht, das keine Wünsche mehr übrig lässt.
Music Review | verfasst 21.05.2012
Slugabed
Time Team
Denke an Sternenkriege, Einhörner, Regenbogen und Club-Raves und Du bekommst eine ungefähre Ahnung, was hier passiert.
Music Review | verfasst 15.06.2012
The Invisible
Rispah
Auf ihrem zweiten Album »Rispah« schlucken The Invisible jegliches Licht und beweisen, dass auch Schattenseiten ihr Gutes haben.
Music Review | verfasst 30.05.2012
Blockhead
Interludes After Midnight
Man höre und staune: ein Instrumental-HipHop-Album, was weder »glitcht« noch »crunkt« noch »wonkt«.
Music Review | verfasst 18.06.2012
Lorn
Ask The Dust
Lorn erweitert mit seinem dritten Album sein Repertoire: Unter die Walze aus Hip Hop und Industrial hat sich etwas Anmutiges gemischt.
Music Kolumne
Records Revisited
A Tribe Called Quest – Low End Theory (1991)
Viel besser geht es nicht. Zu Beginn der 1990er Jahre brachten A Tribe Called Quest mit ihrem zweiten Album »The Low End Theory« den Flow auf den Punkt. Ohne aggressiv männliche Posen, dafür mit Jazz, Breaks und Vibe.
Music Kolumne
Records Revisited
Primal Scream – Screamadelica (1991)
1991 – was für ein Jahr für die Rockmusik. Die am 24.9.1991 veröffentlichten Alben von Nirvana, Soundgarden und Red Hot Chili Peppers haben Rock wieder populär gemacht. Aber »Screamadelica« von Primal Scream hat das Genre verändert.
Music Essay
Die Beat-Ära in der DDR
Feindliche Übernahme
Schallplatten des Amiga-Labels sind weit verbreitet. Neben Pressungen internationaler Stars war auch jede Menge Musik aus der DDR selbst auf Platte verewigt worden. Manches davon lohnt wiederentdeckt zu werden.
Music Interview
José González
Geschmack ist wie dein Po
2003 coverte José González den Song »Heartbeat« von The Knife und katapultierte sich gleich in die Herzen und Studierzimmer vieler Menschen. Mit seinem Album »Local Valley« strickt er weiter an seinem Mythos. Wir trafen ihn zum Interview.
Music Porträt
Loredana Berté
Irgendwie unvergleichlich
Loredana Bertè wird als »Königin des italienischen Rock« apostrophiert. Das greift nicht nur musikalisch zu kurz. Denn sie den Status quo nie repräsentiert, sondern als Außenseiterin aus Überzeugung wiederholt infrage gestellt.
Music Kolumne
Records Revisited
DJ Shadow – Endtroducing (1996)
Vor 25 Jahren erschien mit »Endtroducing« ein Hip-Hop-Album, das Björk mit Metallica und finnischer Fusion zusammendachte. DJ Shadow grub dafür im Keller. Und fand Gold. Dann schuf er ein Album, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Music Porträt
Sarah Davachi
Echo der Unendlichkeit
Intensität ist das Wort, das in den Sinn kommt. Bei ihrer Musik und bei ihren Sätzen. Ihr Sound fühlt sich an, als ob jemand mit einer Fingerspitze über die Seele streicht. Jetzt erscheint Sarah Davachi neues Album »Antiphonals«.
Music Porträt
Dais Records
Klang als Kollektion
Zwischen Experiment und Erwartung, Neuem und Altem wagt Dais Records seit Jahren den Spagat. Gibby Miller und Ryan Martin ziehen dort ihre Kreise, wo Linearität bewusste Störung erfährt – und treten so in die Fußstapfen großer Vorgänger.
Music Porträt
Leslie Winer
Der unbekannte Weltstar
Björk, Grace Jones, Boy George und Sinéad O’Connor zählen zu ihren Bewunderern. William S. Burroughs war ihr Mentor. Irgendwie hat sie auch Trip-Hop erfunden. Dennoch ist Leslie Winer heute nur Insdern bekannt. Das könnte sich jetzt ändern.
Music Porträt
DJ Koco
Guest Mix
Bei DJ Koco treffen atemberaubende Mixing-Skills auf eine Selection von ungeheurer Raffinesse. Kaum einer cuttet seine Breakbeats tighter ineinander als er. Das Verblüffendste: Der japanische DJ beschränkt sich in seinen Sets auf 7Inches.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober 2021
Keift und brummt sich wieder durch die Veröffentlichungen der letzten zwei Monate: Aigners Inventur, mit Bärlauch-Antipathie und Seerobben-Ehrfurcht. Dazwischen Alben von Flying Lotus, Erika De Casier, Space Afrika und Maxine Funke.
Music Kolumne
Records Revisited
John Coltrane – Africa/Brass (1961)
1961 markierte »Africa/Brass« den Anbruch eines neuen Zeitalters: Für John Coltrane war es der Beginn seiner Impulse!-Jahre, für viele afrikanische Staaten der Start in die Unabhängigkeit. Musikalisch war es sein ambitioniertestes Vorhaben.
Music Kolumne
Records Revisited
Björk – Vespertine (2001)
Mit »Vespertine« schien Björk Guðmundsdóttir das Versprechen ihres vorherigen Werks nicht einzulösen. Weil sie dieses Mal einen vollkommen anderen Ansatz wählte. Was »Vespertine« von 2001 zu einer ihrer besten Platten bis heute macht.
Music Porträt
Polo & Pan
Eklektisch in den Weltraum
Polo & Pan sind bereit abzuheben. Nachdem sie es mit ihrem kunterbunten Stilmix bis ins Hotelzimmer von Elon Musk schafften, blicken sie nun höheren Sphären entgegen. Die irdischen Fans beglückt das Duo derweil mit dem Album »Cyclorama«.
Music Liste
Durand Jones & The Indications
10 All Time Favs
Durand Jones & The Indications verbinden seit Ihrem Debüt vor fünf Jahren Vergangenheit und Zukunft des Genres. Jetzt erscheint ihr drittes Album »Private Space«. Zeit, um die Band nach den 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt haben.
Music Porträt
Conrad Schnitzler
Mitten im Durcheinander
Immer noch wird der 2011 verstorbene Conrad Schnitzler vor allem für seine Verbindung zu Kraftwerk oder Tangerine Dream wahrgenommen. Dabei steht sein beeindruckendes Werk genauso für sich allein, wie er Verbindungen herzustellen wusste.
Music Kolumne
Records Revisited
Main Source – Breaking Atoms (1991)
In mancher Hinsicht scheint »Breaking Atoms«, das Debüt von Main Source, ein Klassiker aus der zweiten Reihe geblieben zu sein. Doch die Produktion von Large Professor definierte einen Signature Sound für das Goldene Zeitalter des Hip-Hop.
Music Kolumne
Records Revisited
LFO – Frequencies (1991)
Die niederfrequenten Schwingungserzeuger LFO aus Leeds schufen mit »Frequencies« eines der ersten Techno-Alben. Ihre hohen Bleeps und tiefen Clonks haben Technogeschichte geschrieben. Bis heute kann, äh, muss man dazu tanzen.
Music Kolumne
Records Revisited
Funkadelic – Maggot Brain (1971)
Mit »Maggot Brain« begeben sich Funkadelic auf die dunkle Seite des Funk. Das triumphierende Lustprinzip wird mit dystopischer Eschatologie durchsetzt und stellt der Feier des Lebens eine beklemmende Endzeitstimmung zur Seite.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2021
Hier wird nicht lange gefackelt und sogar auf halbgare UEFA-Gags wird verzichtet. Stattdessen wird im Sinne der Schallplatte gehandelt und an die 20 Vinyl-Scheiben werden zum Drehen gebracht.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2021
50 best Vinyl Records so far
Das vergangene halbe Jahr hat gefühlt ganze fünf gedauert. Ein nie endender Winter, quälende Isolation. Und die Musik? Die lief weiter, auf unseren Plattenspielern. Diese 50 Schallplatten blieben dabei besonders im Gedächtnis.
Music Porträt
Hōzan Yamamoto
Meditation aus Improvisation
Über fünf Dekaden hinweg pushte er japanischen Jazz in spirituelle Sphären, ohne Kitsch oder Esoterik. Ansehen erntete er dafür vor allem in seiner Heimat. Bis heute gilt Hōzan Yamamotos Schaffen international als Geheimtipp.
Music Porträt
Hoshina Anniversary
Die Fusion von Techno und Jazz
Hoshina Anniversary macht Techno. Er selbst würde sich aber eher in der Nachfolge zu Jazz und traditioneller japanischer Musik verorten. Und damit ist der Tokioter nicht allein.
Music Essay
Jazz Kissa
Wo in Japan die Musik spielt
Sie bieten stilvollen Rückzug aus einer Welt, in der alle permanent hören. Und zelebrieren das Hören von Musik: Jazz Kissas sind Japans inoffizielles Kulturerbe. Der Journalist Katsumasa Kusunose dokumentiert sie nun.
Music Porträt
Hiroshi Suzuki
Der Unbekannte mit der Posaune
1976 hat der japanische Posaunist Hiroshi Suzuki ein Album aufgenommen. »Cat«, das sich weniger durch Perfektion als durch einen feinen Groove auszeichnet, ging dereinst ein wenig unter. Nun kannst du es wiederentdecken.
Music Essay
Small In Japan
Die Vinyl-Nation, die keine ist
Aufwändige Aufmachungen, audiophile Listening Bars und die meisten Plattenläden der Welt: Japan, ein Vinyl-Paradies? Jein. Das Medium spielt dort gar keine große Rolle. Unsere Kulturgeschichte der japanischen Musikindustrie.
Music Liste
Evidence
10 All Time Favs
Evidence ist Producer, Cratedigger und Rapper, und zwar einer, der in 15 Karrierejahren die Lust am Entdecken nie verloren hat. Jetzt erscheint sein Album »Unlearning Vol.1«. Wir fragten nach 10 Schallplatten, die ihn geformt haben.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 2nd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 17.7.2021 findet nun der zweite Record Store Days in diesem Jahr statt. Auch dafür sind wieder mehrere Dutzend exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus abermals zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Kolumne
Records Revisited
The Smiths – The Queen Is Dead (1986)
Das 1986 veröffentlichte »The Queen Is Dead« ist der Höhepunkt der nur fünf Jahre und vier Studioalben währenden Karriere der britischen Band The Smiths. Es klingt auch nach so langer Zeit noch erfrischend eigenwillig.
Music Kolumne
Records Revisited
Porter Ricks – Biokinetics (1996)
Als Porter Ricks im Jahr 1996 das Album »Biokinetics« veröffentlichten, handelte es sich um mehr als nur eine um Zusatzstücke erweiterte Sammlung ihrer ersten 12inches. Sondern um den utopistischen Versuch, Dub Techno weiterzudenken.
Music Porträt
BBE Records
Influencer der Influencer
Peter Adarkwah ist der Grund, warum manches Life durch J Dilla gechanged wurde, das Roy Ayers einen zweiten Frühling erlebt hat und das japanische Jazz-Alben von Pitchfork rezensiert werden. In anderen Worten: BBE Music wird 25 Jahre alt.
Music Liste
Record Store Day 2021 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 12.6.2021 findet nun der erste von zwei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind wieder mehrere hundert exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Portico Quartet
Guest Mix
»Terrain« heißt das neue Album der britischen Band Portico Quartet, dass in diesen Tagen auf Gondwana Records veröffentlicht wurde. Für uns hat Jack Wyllie von Portico Quartet in einem exklusiven DJ-Mix 60 Minuten Musik zusammengestellt.
Music Porträt
SSIEGE
Suche nach dem Endlosloop
Dicht gedrängt wandeln die Produktionen von SSIEGE an den Übergängen der Jahreszeiten und verschwimmen in ultragesättigten Bildern. Mit ihnen erzählt der Italiener ohne großes Brimborium von Träumen, die sich immer weiter wiederholen.
Music Kolumne
Records Revisited
Marvin Gaye – What's Going On (1971)
Muss man dies Album überhaupt in Erinnerung rufen? Eigentlich nicht. Aber man kann es immer wieder hören. Und es ist bis heute aktuell geblieben, im Guten wie im Schlechten. Marvin Gayes »What’s Going On« wird 50 Jahre alt.
Music Porträt
Seefeel
Musik im luftleeren Raum
Seefeel sind eine Zusammenkunft der Unwahrscheinlichkeiten. Seit fast 30 Jahren spielen sie zwischen den Stilen und befreit von kontemporären Referenzen. Ihr Sound ist bis heute unbegreiflich.
Music Porträt
Arsivplak
Vergangenheit, neu aufgelegt
Volga Çobans Label Arsivplak und das Edit-Projekt Arşivplak sind zwei Seiten derselben Medaille: Einerseits ist er Archivar von türkischem Funk, Disco, Pop, Rock und Jazz, andererseits wirft er ein neues Licht auf alte Klänge.
Music Kolumne
Records Revisited
Grace Jones – Nightclubbing, 1981
Nachtleben für Androiden: Grace Jones sorgte auf »Nightclubbing« mit einer der besten Rhythmusgruppen der Welt dafür, dass Reggae und New Wave im Pop der Achtziger neues Eigenleben entfalteten.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2021
Die eine Konstante in der Ära von Impfneid, Merzismus und Notbremsenbeef: Aigners Inventur fühlt sich vier Minuten vor Beginn der Ausgangssperre verwegen, hält sich für den Nabel der Deutschrapwelt und kopiert sich nur selbst.
Music Liste
Crumb
10 All Time Favs
Seit ihrem Debüt 2019 gelten Crumb als eines der heißesten Feuer in der Musiklandschaft. Nun ist ihr neues Album »Ice Melt« erschienen. Die Gelegenheit sie nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Scotch Rolex – Tewari
Ist es Hip-Hop? Ist es Metal? Ist es Dancehall? Ist es Musik, die du nicht raffen wirst? Ist es unfair, dass die Clubs geschlossen sind? Unsere Vinyl-Sprechstundler gehen gleichermaßen clubhorny wie verstört aus DJ Scott Rolex’ »Tewari«.