Music Porträt | verfasst 13.06.2019
Àbáse
Magische Momente
Inspiriert von Fela Kutis Afrobeat, Blue Note-Jazz und einer lebensverändernden Erfahrung in Brasilien, vereinen Àbáse mit ihrer neuen EP »Invocation« die beste aller Welten. Wir hatten die Gelegenheit mit Szabolcs Bognar zu sprechen.
Text Christoph Benkeser , Fotos Yukitaka Amemiya / © Cosmic Compostions

Gleich zu Beginn möchte Szabolcs Bognar etwas klarstellen: Bei Àbáse (ausgesprochen: Abaschee) gehe es nicht um ihn, sondern vor allem um die künstlerische Zusammenarbeit. »Da hatten wir in der Vergangenheit Probleme, das richtig zu kommunizieren«, sagt Szabolcs, der mit seinem Bandprojekt Àbáse bisher drei Singles (u.a. mit Wayne Snow) veröffentlicht hat. Àbáse sei gleichzeitig sein eigener Künstlername und der Name der Band, was schon mal für Verwirrung sorgen könne. Dabei, so meint er, sei es gar nicht so schwierig. Schließlich stehe der Begriff »Àbáse« in der westafrikanischen Yorùbá-Sprache für Gemeinschaft. »Auch wenn die Ideen, die Arrangements und die finalen Edits von mir kommen, geht es immer um die kollektive Anstrengung und um den gemeinschaftlichen Vibe«, erklärt der ungarische Musiker und verweist auf eine berühmte Schallplatte: »Wenn du das Cover von Miles Davis’ ›Bitches Brew‹ anschaust, steht da ›Sound Directions from Miles Davis‹. Die Ideen für den Sound kamen von ihm, aber das Album ist mehr als das. Es ist ein musikalisches Kollektiv, das dahinter steht. Genauso ist es mit Àbáse.«

Dass er diesen Vergleich zieht, ist kein Zufall. Szabolcs, den alle Szabi nennen, kommt früh mit Musik in Kontakt. »Ich wuchs neben Jazz- und Soulplatten auf, weil meine Eltern Musikliebhaber waren und viele Alben zu Hause hatten«,* sagt er. Als Teenager verbringt der Ungar viele Stunden damit, in Budapester Plattenläden nach musikalischen Schätzen zu graben. »Afroamerikanische Musik hatte damals den größten Einfluss auf mich als Teenager. Ich hab viel Reggae gehört, beschäftigte mich mit der Bedeutung von afrodiasporischer Musik. Und dann entdeckte ich Fela.« Szabi erklärt, dass die Musik von Fela Kuti wie etwas Außerirdisches in sein Leben getreten sei und alles verändert habe. »Davor kratze ich an der Oberfläche. Erst mit Fela entdeckte ich die westafrikanische Musik der Siebziger. Das stellte alles auf den Kopf.« Die Kombination aus repetitiver, ausgelassener Yoruba-Musik und westlich geprägtem Jazz mit Funk-Einflüssen wie sie Fela Kuti mit seiner Band Afrika 70 spielte, fasziniert Szabi – und lässt ihn nicht mehr los.

»Wenn du das Cover von Miles Davis’ ›Bitches Brew‹ anschaust, steht da ›Sound Directions from Miles Davis‹. Die Ideen für den Sound kamen von ihm, aber das Album ist mehr als das. Es ist ein musikalisches Kollektiv, das dahinter steht. Genauso ist es mit Àbáse.«

Die Entdeckung von Fela Kuti beeinflusst seinen Sound. Szabi studiert am Budapester Konservatorium Jazz-Klavier, kauft sich ein Fender Rhodes und beginnt damit herumzuexperimentieren. »Mein großer Traum war es, nach New York zu gehen, um dort weiter Jazz zu studieren«, sagt Szabi, der von internationalen Szenegrößen wie Marcus Strickland und Robert Glasper schwärmt. Als er sein Diplom abschließt, bewirbt er sich für einen Studienplatz und bekommt die Zusage. »Aber das Studium war extrem teuer, und ich hatte nicht genügend Geld, um mich dort einzuschreiben.« Er bleibt in Budapest, fest verankert in der dortigen Szene, die er mit seinen Freunden langsam aufbaut. »Ich wurde 1991 geboren, kurz nachdem der Eiserne Vorhang fiel. Zu Zeiten des kommunistischen Regimes herrschte eine starke kulturelle Unterdrückung. Meine Generation hatte keine musikalische Geschichte, auf der sie aufbauen konnten. Zumindest keine, die für uns Sinn machte«, sagt Szabi und erwähnt als Vergleich die lange Jazztradition von New York. »Wir mussten in Budapest etwas Neues aufziehen, unsere eigene Clubszene verwirklichen. Das war nicht einfach. Dafür hatten wir viel Raum für neue Ideen.«

2011 gründet Szabi mit befreundeten Musiker*innen das Kollektiv SoulClap Budapest. Immer wieder holen sie Künstler*innen wie Call Me Unique oder Wayne Snow in die ungarische Hauptstadt an die Donau und spielen mit ihnen zusammen. Ein Netzwerk entsteht. Mittlerweile sei in Budapest eine junge und gut ausgebildete Jazzszene herangewachsen, die sich aus Techno- und Hip-Hop-Partys entwickelt habe. »Die Leute sind extrem offen für unterschiedliche Musikstile. Manchmal kommen bei Veranstaltungen Bands aus völlig unterschiedlichen Bereichen zusammen. Von Noise über Free Jazz bis zu lateinamerikanischer Musik ist alles dabei«, erklärt Szabi und meint: »Wir bewegen uns nicht innerhalb von Genredefinitionen, sondern zwischen ihnen. Das hat mich als jungen Musiker sehr stark geprägt.«

»Meine Generation hatte keine musikalische Geschichte, auf der sie aufbauen konnten. Zumindest keine, die für uns Sinn machte«

Nachdem Szabi 2017 die erste offizielle »Felabration«, eine Veranstaltung im Zeichen von Fela Kutis Musik, in Budapest veranstaltet, will er erneut Jazz studieren. »Ich flog wieder nach New York, wollte drei Monate bleiben und mich in dieser Zeit um das Stipendium kümmern. Die Uni sagte mir zuerst zu, später wieder ab – ohne Grund«, erzählt er. Eine Ernüchterung, trotz allem sei die Zeit wichtig für ihn gewesen. Szabi kann bei seinem Freund, dem Rapper iLLspokinn, in Brooklyn leben, den er zuvor mit seinem Soul Clap Budapest-Kollektiv nach Ungarn geholt hat. »Er half mir viel, machte mich mit Leuten aus der dortigen Szene bekannt. Viele von denen haben mir dann geraten, das teure Jazzstudium zu vergessen und mich für ein Künstler-Visum zu bewerben, um länger in den USA bleiben zu können.« Doch die Behörden haben ihn immer wieder vertröstet. »Irgendwann hab ich die Entscheidung getroffen, dass sich was ändern muss. Also bin ich nach Brasilien geflogen.«

Eigentlich sei es nie der Plan gewesen, nach Brasilien zu gehen, sagt Szabi rückblickend. Es habe sich vielmehr aus den Umständen ergeben. Er musste weg aus New York, brauchte neue Einflüsse. Da sei Rio gerade recht gekommen. Szabi lernt dort Musiker*innen westafrikanischer Abstammung kennen, die viel Jazz und noch mehr Afrobeat spielten. Er jammt mit allen, die er trifft, ist begeistert von dem Vibe, den die Leute ihm entgegenbringen und nimmt die Sessions auf seinem Zoom-Recorder auf. »Für mich war das eine lebensverändernde Erfahrung«, sagt Szabi. »In New York hatte ich eine Identitätskrise, aber hier wusste ich auf einmal, dass ich den Sound gefunden hatte, den ich machen wollte.«

Als Szabi fünf Monate später aus Brasilien zurück nach Budapest kommt, hat er zwölf neue Songs im Gepäck. Songs, die allesamt noch nicht auf seinem Debüt, »Invocation«, zu hören sein, es aber auf das kommende Album schaffen werden, versichert er. Tatsächlich seien die Ideen für fast alle der sieben Stücke auf Àbáses Debüt-EP schon vor der Zeit in Brasilien entstanden. »Ich hatte damals mit den Aufnahmen begonnen, merkte aber, dass ich persönlich noch nicht so weit war. Erst die Zeit in Brasilien gab mir das Vertrauen, diese Ideen wieder aufzugreifen, sie weiter zu verfolgen und zu definieren und damit die Songs nach meiner Rückkehr fertig zu machen«, erklärt er und fügt an: »Vor Brasilien war ich auf der Suche nach meinem Sound – die Musiker*innen dort halfen mir, ihn zu finden.«

»Erst mit Fela entdeckte ich die westafrikanische Musik der Siebziger. Das stellte alles auf den Kopf.«

Szabi klingt euphorisch, fast gelöst, wenn er von diesem Findungsprozess erzählt. Und sobald man die EP hört, weiß man, was er meint. »Invocation« versprüht Lebensfreude in 10-Liter-Fässern, benetzt uns mit einer zum Dauerngrinsen verleitenden Lebensfreude, die Àbáse aus Afrobeat-, Jazz- und Hip Hop-Grooves zusammenmischt und doch ihre ganz persönliche Essenz unterhebt.

Beispielsweise sei die Grundlage für den Song »Align« 2017 in seinem Wohnzimmer entstanden – gemeinsam mit dem in Berlin lebenden Musiker Wayne Snow, der für ein Soul Clap Budapest-Event in der ungarischen Hauptstadt war und für dessen Band Szabi mittlerweile als Keyboarder spielt. »Das passte von Anfang an und hat auf der Platte eine extreme Power«, sagt Szabi, als er über die Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Songwriter spricht. Außerdem ist der aus Marokko stammenden Musiker Saïd Tichiti auf der neuen EP zu hören. Auf »Ashek Ellil« spielt er mit einer Oud, eine Kurzhalslaute, die ihren Ursprung im ehemaligen Persien hat. Der Song sei in seiner verspielten Rhythmik frei improvisiert, erklärt Szabi. Tichitis Gesang klingt flehend, irgendwie mystisch, als wolle er etwas beschwören, dass er mit bloßen Worten nicht fassen kann.

Àbáse – InvocationWebshop ► Vinyl LP »Invocation«, die Anrufung, ist ein Wort, das Szabi gerne in Bezug auf seine Musik verwendet. »Manchmal müssen wir uns von allen Bequemlichkeiten lösen und in die Ungewissheit hineintappen«, sagt er. Auch die Entscheidung, 2018 in die ghanaische Hauptstadt Accra zu fliegen, um mit dem Kologo-Musiker Stevo Atambire das treibende, nach vorne preschende »Sambo« aufzunehmen, fügt sich in diese Lebenseinstellung mit ein. »Nur indem wir uns trauen, unseren Horizont zu erweitern, können wir etwas beschwören, dass zuvor noch nicht da war«, sagt Szabi. Und genau das möchte Àbáse mit »Invocation« vermitteln. »In jedem von uns steckt dieses ›Etwas‹. Wenn man es zulässt, erzeugt es magische Momente. Und ich bin stolz darauf, dass ich diese Momente mit meiner Musik weitergeben darf.«

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Liste | verfasst 11.07.2019
Halbjahresrückblick 2019
50 best Vinyl Records so far
Was ist denn musikalisch 2019 überhaupt schon passiert? Woran sollte man sich als Vinyl-Liebhaber erinnern? Und welche Schallplatten wurden denn ungerechtfertigt übersehen? Diese 50 Schallplatten verraten es euch.
Music Review | verfasst 03.01.2011
Bad Jazz Troupe
Looking For Jupiter EP
Das Münchener Duo Bad Jazz Troupe lässt nichts unversucht, um ihrem Namen keine Ehre zu machen.
Music Review | verfasst 09.12.2010
Shawn Lee's Ping Pong Orchestra
Hooked Up Classic
Es ist gewagt klassische Musikstücken in die Jetztzeit zu transformieren. Shawn Lee traut sich.
Music Review | verfasst 07.10.2011
Quantic
The Best Of Quantic
Die Compilation bietet eine gute Gelegenheit, sich in dem umfassenden Werk von Quantic zu orientieren.
Music Review | verfasst 02.12.2011
Mark de Clive-Lowe
Renegades
Dâm-Funk erklärt: »Music that connects with all corners of the world via great grooves and melodies.« Und was sagen wir dazu?
Music Review | verfasst 16.01.2012
Jazzanova
Upside Down
Jazzanova haben in ihrem Archiv gekramt und Remise ihrer Stücke gefunden. Jazz und House wurden selten so gut kombiniert wie hier.
Music Review | verfasst 23.01.2012
Portico Quartet
Portico Quartet
Die unkonventionellen Jazzer von Portico Quartet haben ihr ohnehin breites Soundspektrum abermals erweitert.
Music Review | verfasst 20.04.2011
Nostalgia77
The Sleepwalking Society
Schwerfällig im Rhythmus, dann wieder leicht in der Melodie: Das elfte Album von Nostalgia77 setzt farbige Kontraste.
Music Review | verfasst 04.04.2012
Micatone
Wish I Was Here
Micatone twangt, surft und jazzt sich souverän durch musikalisches Neuland und vermeldet gekonnt seine Rückkehr auf der Musikbühne.
Music Review | verfasst 07.05.2012
Belleruche
Rollerchain
Belleruche haben unbezweifelt einen sehr eigenen Sound gefunden. Doch auch diesem würde etwas mehr Abwechslung gut tun.
Music Review | verfasst 10.05.2012
Jazzanova
Funkhaus Studio Sessions
Ein Live-Album im Studio aufzunehmen ist, gelinde gesagt, Schwachsinn. Jazzanova haben es trotzdem getan.
Music Review | verfasst 13.07.2012
Visioneers
Hipology
Marc Mac kehrt mit seinem Projekt Visioneers auf den Pfad organischer Grooves zurück und huldigt auf »Hipology« den Ursprüngen des Hip Hop.
Music Review | verfasst 19.07.2012
Hint
Daily Intake
Auf seinem dritten Album erweitert Jonathan James aka Hint sein Repertoire und klingt jetzt wesentlich roher und energiegeladener.
Music Review | verfasst 04.04.2008
The Cinematic Orchestra
Live at the Royal Albert Hall 02.11.2007
Dieses einmalige Ensemble enttäuscht nicht. Der Hörer wird Zeuge einer einzigartigen Aufnahme voller Magie und Schönheit.
Music Review | verfasst 21.11.2012
Submotion Orchestra
Fragments
Das zweite Album von Submotion Orchestra ist eine Musik, mit der der Autor nicht gerechnet hat.
Music Review | verfasst 10.12.2012
The Herbaliser
There Were Seven
Hip Hop für Leute, die keinen Hip Hop mögen – The Herbaliser verbinden Beats mit Downtempo sowie Jazz. Alles also wie gewohnt.
Music Review | verfasst 13.12.2012
Nostalgia77 & The Monster
The Taxidermist
Wie unterschiedlich man sich als Musiker an ein Genre antesten kann hat Nostalgia77 unzählige Male bewiesen. So auch hier…
Music Review | verfasst 31.01.2013
The Greg Foat Group
Girl And Robot With Flowers
Der britische Pianist Greg Foat uns seine Combo vertonen ein Buch. Ihre Elegie an Aldiss‘ phantasievolle Parallelwelt ist unverbesserlich.
Music Review | verfasst 15.02.2013
Mark de Clive-Lowe & The Rotterdam Jazz Orchestra
Take The Space Trane
Es lässt sich nach diesem Album aber nicht mehr leugnen, dass cluborientierte Elektronik swingen und Jazz tanzbar sein kann.
Music Review | verfasst 25.02.2013
BRZZVLL
Polemicals
Jazz, Funk, Weltmusik, Soul, Afrobeat – BRZZVLL bespielen zuverlässig das Feld der Organic Grooves und setzen dort spannende Akzente.
Music Review | verfasst 15.04.2013
Various Artists
Kev Beadle pres. Private Collection
Der britische DJ-Veteran Kev Beadle beweist mit der von ihm kuratierten Sammlung von Jazztunes, dass Jazz Tanz in Spiegelschrift ist.
Music Review | verfasst 23.04.2013
Dusty
Mood Matters
Was Edmund Stoiber trotz aller Hartnäckigkeit nicht begriffen hat, wird hier so zusammengefasst: Weltoffenheit klingt und lebt sich gut.
Music Review | verfasst 06.05.2013
Jaga Jazzist
Live With Britten Sinfonia
Die Einbindung eines großen Orchesters tut der Musik der Norweger nicht gut und die acht Lieder wirken gefesselt und in Zaum gehalten.
Music Review | verfasst 29.02.2008
Casbah 73
Pushin' 40
»Pushin‘40« krallt sich unwillkürlich, wie der sprichwörtliche Mann im Ohr, im Gehörgang fest.
Music Review | verfasst 28.02.2008
Nostalgia 77
Weapons Of Jazz Destruction
»Weapons of Jazz Destruction« ist ein Ausflug in düsterere Bereiche des Jazz. Songstrukturen bleiben dabei durchgehend erkennbar.
Music Review | verfasst 02.06.2007
Yesterdays Universe
Yesterdays Universe
Madlibs Universum potenziert sich abermals und wir haben die Ehre, ein Teil davon zu sein. Wenn auch nur als Zuhörer.
Music Review | verfasst 06.02.2014
Nostalgia77
A Journey Too Far
Mit »A Journey Too Far« hat der britische Produzent Benedic Lamdin unter seinem Pseudonym Nostalgia 77 sein fünftes Studio-Album vorgelegt.
Music Review | verfasst 01.05.2014
Various Artists
Footprints
Mit Sequencern, Drummachines, Pauken und Trompeten gen Zukunft: Das Münchener Plattenlabel Jazz&Milk veröffentlicht eine neue Compilation.
Music Review | verfasst 21.05.2014
Quantic
Magnetica
Nach acht Jahren und diversen anderen Projekten ist Will Holland wieder als Quantic zurück.
Music Review | verfasst 18.05.2009
Smoove & Turrell
Antique Soul
Immer wieder schießt uns »Antique Soul« in andere Welten. Ein Muss für Hip-Hop-affine Soulheads und bewegungssüchtige Funkliebhaber.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.