Music Kolumne | verfasst 01.06.2011
Zwölf Zehner
Mai 2011
Willkommen im Juni. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Mai musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 01 - Blawan  Find it at hhv.de: 12inch »Wooden-sounding beats for the bass music guys, 4/4 pattern for the house guys, 90s R&B vocals for the ladies: anatomy of a ‘big tune’ in 2011« – so zynisch dieser durchaus treffende Kommentar eines Resident-Advisor-Users auch gemeint war: Die Tüttelchen vor und nach Big Tune können, ja müssen, wir streichen. Natürlich ist Getting Me Down nicht Blawans Husarenstück in Sachen technischer Finesse, welche er angesichts der fast schon akademisch programmierten Vorgänger-Singles aber ohnehin bereits hinlänglich bewiesen hat. Nein, Getting Me Down ist ein Brandy-Remix mit simplem Housebeat und viel Bass. Funktional und gimmicky as fuck, aber wer will das einem Sommerhit ernsthaft vorwerfen, wenn dieser zu einer derart nachhaltigen Kolonisierung der kollektiven Gehörgänge führt? Schrecklicher letzter Satz, fantastische Single.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 02 - Africa Hitech  Find it at hhv.de: 3LP | CD Wäre Mark Pritchard nicht im Laufe seines Lebens irgendwann nach Australien ausgewandert, hätte man ihn wohlmöglich auf der Mutterinsel des vereinigten Commonwealths schon vor einigen Jahren zum Ritter geadelt. Keine Spielart der elektronischen Musik, die der Mann in den letzten Jahren nicht mit beeinflusst hat. Ambient, Electronica, Hip-Hop, House. You name it. Auf seinem aktuellen mit Steve Spacek betriebenen Projekt Africa Hitech beschäftigt sich Pritchard mit seiner eigenen Definition britscher Bassmusik und setzt Dubstep in den Kontext der anderen großen ’D’s: Detroit, Dub und Dancehall. Der Titeltrack geht dabei voran mit einem kurzgeloopten Synth, die im Laufe der folgenden sechseinhalb Minuten omnipräsent bleibt und nur leichten Modulationen unterworfen wird. Währenddessen – der folgende Ausdruck muss erlaubt sein – zerberstet die analoge Klangästhetik Rolandscher Klangerzeuger der Seriennummern 808/909 so ziemlich jeden Dancefloor und schießt wahnwitzig Rimshots und Claps um die Ecke. In der Vergangenheit liegt die Zukunft lautet ein abgedroschener Aphorismus. Mich würde es allerdings nicht weiter wundern, wenn sich fortan weitere Produzenten so deutlich auf Metroplex, Drexciya und Co. bezögen. Überragend.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 03 - Big Strick  Find it at hhv.de: CD Wir werden hier innerhalb unserer Kolumne nicht müde zu erwähnen, welchen Stellenwert wir der Drumprogrammierung zumessen. Das ist im Falle von Big Strick nicht anders, dessen gerade erschienenes Debütalbum Detroit Heat uns aus mehreren Gründen begeistert. Dazu später mehr. Auf Maybe1Day zischen geschlossene (Dipset-House?!) und offene Hi-Hats um die Wette, lediglich die starre Kickdrum sorgt auf der Vier für etwas Abwechslung. Lupenreiner Techno für die düsteren, industriellen Klubs dieser Welt also. Wäre da nicht der Seelenpein des Sängers Tony Coates, der sich über die gesamte fünf Minuten des Stücks legt und die maschhinelle Instrumentalisierung fortan begleitet, ehe er schließlich von einem warmen Pianoakkord gebettet wird. Techno? Mitnichten! Das ist Deep House per Definition. Ein Statement in Zeiten, in denen Deep House per se Synonym für House Music gesetzt/penetriert wird. Solcher, auch das werden wir nicht müde zu erwähnen, wie er offensichtlich nur aus Detroit kommen kann. Big Strick, big shot!

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 04 - Andy Stott Als Standardreferenz für Andy Stotts aktuellen Doppelpack müssen, aus Mangel an Alternativen, dieser Tage vor allem die experimentellsten Tracks von Actress herhalten. Ein Vergleich, der sich vor allem bei dem langsam anrollenden North To South absolut aufdrängt, mit dem Unterschied jedoch, dass Stott auf einem ungeheur dubbigen Fundament aufbaut, welches dazu führt, dass Stotts Tracks weniger Midi-Sci-Fi-Blasen als vielmehr Schützengräben evozieren. Musik für den GAU, körperlos und doch markerschütternd.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 05 - GonzalesFind it at hhv.de: 12inch Die Labelarbeit für Pampa und deren Releaseflut um die Longplayer von Isolée, Wruhme und bald auch Ada ließ Labelchef Koze zuletzt wenig an eigene Veröffentlichungen denken. Mit dem Remix für Chilly GonzalesKnight Moves meldet er sich jetzt wieder bestens gelaunt zurück und präsentiert auf den ersten Blick eine unkonventionelle Arbeit. Lediglich drei Minuten Zeit schenkt Koze uns, bricht die Beats und kommt rasant zum Abschluss. Dafür gibt es Chops en masse, melodische Strings im Überfluss, garniert mit Filmsamples und allerlei tweakender Sounds. Vor allem der alles zusammenhaltene weibliche Vokalteppich, der mehrere Stimmlagen orchestral zusammencuttet, rührt das Herz und ruft nach mehr. Ungalant wird jedoch ausgefadet, als schiene das Teil des Konzepts und man den Rezipienten mit keinem weiteren Knall mehr zu überfordern wünschte. Der ganz normale Wahnsinn eben.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 06 - Ray West & A.G.  Dass A.G.‘s gediegene Delivery, die sich mittlerweile tatsächlich treffender als natürlicher Redefluss, denn Rap, bezeichnen lässt, mit den sehr reduzierten Produktion Ray Wests harmoniert bewies letztes Jahr das sträflich vernachlässigte Album Berriville. Jetzt haben sich die beiden erneut zusammengetan und dabei ein so simples wie Gänsehaut induzierendes Konzept verfolgt: Geschichten erzählen über Pianoloops. Nur A.G.’s lakonischer Vortrag über die leidende Pianofigur Wests und ein minimales Drumset. Hip Hop in geil kann so einfach sein.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 07 - About Group  Warum Theo Parrish’s Remix für die neue Supergroup um Hot Chip-Sänger Alexis Taylor so gut ist? Zum einen, weil er so verstörend mit diesen leicht-tweakigen Frequenzen beginnt. Weil er in unnachahmlicher Weise die schüchterne Percussion Layer für Layer schichtet. Weil er die Background-Vocals als Instrumente begreift und diese als Bassspur einsetzt. Und auch, weil er in typischer Theo/Kenny-Manier in Barjazz ausartet. Und ja: Auch weil er auf Alexis Taylor verzichtet. Reicht das als Begründung?

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 08 - Tevo HowardFind it at hhv.de: 12inch Einen passenderen Titel hätte der Analogfetischist Tevo Howard kaum finden können. Systematic Journey arbeitet in guten fünf Minuten gewissenhaft die wichtigsten Stationen der amerikanischen House-Geschichte ab, tut dies aber so subtil und clever, dass der Track nie Gefahr läuft zur bloßen Fingerübung zu werden. Die frühen Chicagoer Tage bauen mit satten Handclaps und Rimshots Jack ein weiteres Schloss, bevor sich eine subtile Acid-Line aus dem Track herausfräst und in Detroit’schen Synthflächen aufgeht. Die herausragende Drumprogrammierung erinnert darüber hinaus noch an Shake Shakir Mitte der Neunziger. Soweit, so oft durchexerziert. Was Howard jedoch von all den zu spät berufenen Archäologen unterscheidet, ist ein tiefes, fast spirituelles Verständnis für diese Art von Musik, die einem in diesem Ausmaß wohl in die Wiege gelegt werden muss.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 09 - trickskiFind it at hhv.de: 12inch Die Berliner Jungs von Trickski erzielen mit den einfachsten Mitteln die maximale Wirkung. Unendlich groß scheinen bei Wilderness die Zwischenräume um die einzelnen Drums zu sein. Die chirurgisch-exakt sezierte Hi-Hat erklingt irgendwo dazwischen, während sich bedächtig im Hintergrund der Groove – einen Hauch über der magischen 100-BPM-Hürde – aufbaut. Ähnlich wie bereits auf ihrem letzjährigen Konsenshit Pill Collins unterbricht ein unerwartetes Sample (hier in Gestalt eines folkigen Vocalsamples) den Groove, sorgt für Verwirrung, Entzückung und Endorphinausstoß zur gleichen Zeit, verschwindet genauso plätzlich wieder und nimmt von vorne neue Fahrt auf.

Zwoelf Zehner, Mai 2011 - 10 - Holy Other Wem James Blake auf seinem Albumdebüt zu weinerlich wurde, wer die Chillwaver zu dilettantisch und Burial zu schnell findet: es naht Hilfe und zwar in Form des Mancherster Lads Holy Other. Der verbindet auf Touch nämlich auf sehr beeindruckende Art und Weise Burials ätherische Vocal-Pitch-Techniken mit pathetischem Zeitlupen-2Step, Magengrummel-Bass, dezenter 8Bit-Fiepsereien und einem mittigen Breakdown für den es sich zu sterben lohnen würde.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 12.09.2012
Zwölf Zehner
August 2012
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Liste | verfasst 05.10.2011
Andy Vaz
DJ Charts
Erfolgreicher DJ, Produzent und Labelbetreiber. Der gebürtige Düsseldorfer Andy Vaz vereint viele Funktionen in seiner Person. Kurz vor der Veröffentlichung seiner neuen LP war es für uns an der Zeit, ihn nach seinen Einfüssen zu befragen.
Music Kolumne | verfasst 06.07.2012
Zwölf Zehner
Juni 2012
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.04.2012
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 12.11.2012
Zwölf Zehner
Oktober 2012
Willkommen im November. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 08.11.2010
Celph Titled & Buckwild
Nineteen Ninety Now
»Nineteen Ninety Now« transportiert den Vibe der 1990er Jahre perfekt in die Jetztzeit.
Music Review | verfasst 16.02.2011
Madlib
Medicine Show Vol.11
Bei allem Genius muss sich die elfte Medicine Show den Vorwurf der fehlenden Kohärenz gefallen lassen.
Music Review | verfasst 02.05.2011
About Group
Start And Complete
Die Supergroup um Hot Chip’s Alexis Taylor schafft es mit ihren nahezu vollständig improvisierten Songs auf Albumlänge zu überzeugen.
Music Review | verfasst 09.07.2011
Big Strick
Detroit Heat
Mit seinem Debütalbum Detroit Heat bringt Big Strick die gesamte Essenz amrikanischer House- und Techno-Musik auf den Punkt.
Music Interview | verfasst 28.03.2011
Big Strick
Strickly analogue, Baby!
Nach zwei EPs auf FXHE, veröffentlicht Big Strick, seines Zeichen Cousin von Omar-S, dieser Tage sein Debütalbum Detroit Heat. Paul Okraj unterhielt sich mit einem ehrlichen Leonard Strickland aus der Motor City.
Music Kolumne | verfasst 15.06.2011
Aigners Inventur
Mai 2011
Irgendetwas stimmt diesen Monat nicht. Was sich im Mai zur Kaffeefahrt verabredete, war im Schnitt älter als der AC Mailand. Und das ausgerechnet im Monat nach Goblin. Quo vadis, Mai?
Music Liste | verfasst 02.11.2011
Dro Carey
DJ Charts
Dro Carey ist ein australischer Beatmaker und seit kurzem bei dem Label RAMP Recordings gesignt. Für unsere DJ-Charts hat er 10 größtenteils aktuelle Tracks herausgesucht, die ihn gerade beschäftigen.
Music Review | verfasst 15.03.2011
Blawan
Bohla EP
Alle Songs der Bohla EP schöpfen ihre treibende Kraft aus einer Mischung von Drums und Acid Lines.
Music Review | verfasst 13.10.2011
Blawan
What You Do With What You Have
Nach Pariah und James Blake haben R&S Records mit Blawan einen weiteren Glücksgriff gelandet. Seine neue Single lässt kaum Wünsche offen.
Music Review | verfasst 28.11.2016
Kilner (Blawan)
Walk Type EP
Die »Walk Type EP« als Formvollendung des Blawan’schen (pardon: Kilner’schen) Werks gesehen werden: industrial, psychotisch, hart, vorwärts.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 3rd Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 24.10.2020 findet nun der dritte von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 120 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Porträt
Sade
Magie ohne Mysterium
Mit dem Box-Set »This Far« wird das Gesamtwerk von Sade neu veröffentlicht. Viel ist das nicht. Aber Sängerin Helen Folasade Adu ist nicht nicht nur der größte Superstar, der nie einer werden wollte – sondern singt nur, wenn sie es will.
Music Kolumne
Records Revisited
Godspeed You! Black Emperor – Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven (2000)
Das zweite Album des Projekts Godspeed You! Black Emperor ist ein Werk voller Widersprüche und Zweifel. Vor allem liefert es den Soundtrack zur Komplexität menschlicher Existenz im aufkeimenden Dogmatismus.
Music Porträt
Derya Yıldırım
Im Namen der Menschlichkeit
Für Derya Yıldırım ist Musik in erster Linie Ausdruck menschlicher Beziehungen. Mit der Grup Şimşek verbindet sie die Musik ihrer anatolischer Heimat mit unzähligen anderen Klängen und Melodien, die die Menschen erden.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Gastarbeiter*innen Musik
Parallel zur Genese des Anadolu Pop entwickelt sich in der BRD eine virile Infrastruktur. Diese »Gastarbeitermusik« hat das öffentliche Bewusstsein stets nur gestreift. Der wirtschaftliche Austausch hätte ein kultureller sein können.
Music Essay
A Journey Into Turkish Music
Anadolu Pop
Altın Gün, Derya Yıldırım & Grup Şimşek oder Gaye Su Akyol: mehr und mehr Bands beziehen sich wieder auf den Sound des Anadolu Pop, der sich in den 1960er Jahren in der Türkei formierte. Aber ist es ein Revival? Wir klären auf.
Music Kolumne
Records Revisited
Mouse On Mars – Iaora Tahiti (1995)
Mit ihrem zweiten Album »Iaora Tahiti« haben Mouse On Mars schließlich den letzten überzeugt, dass schlaue Electronica in den Neunzigern durchaus auch aus good ol’ Germany kommen kann. In diesen Tagen wird das Album 25 Jahre alt.
Music Kolumne
Records Revisited
Radiohead – Kid A (2000)
Zwischen Bigotterie und Blasphemie liegt oft nur »Kid A«. Das vierte Album von Radiohead erschien am 2. Oktober 2000, tauschte Gitarren gegen Synthesizer – und begann mit einem Fehler.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Tolouse Low Trax – Jumping Dead Leafs
Der Mann, der einen Sound geprägt hat, ist zurück mit einem Langspieler. Die drei Männer, die nichts geprägt haben, sind zur Stelle, um sich über ihn zu unterhalten. Das ist natürlich eine tolle Sache.
Music Liste
Record Store Day 2020 – 2nd Drop
Weitere 12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 26.9.2020 findet nun der zweite von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Dafür sind wiederum mehr als 150 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Interview
Action Bronson
»Nichts könnte mich davon abhalten, mein Leben zu lieben«
Action Bronson meldet sich zurück. Das ist erstaunlich, denn die Musik ist nur ein Teil im Leben des New Yorkers, der auch Maler, Tänzer, Olivenöl-Tester, Schauspieler und anderes ist. Wir hatten die Gelegenheit zu einem Gespräch.
Music Kolumne
Records Revisited
Kate Bush – Hounds Of Love (1985)
Auf ihrem selbstproduzierten, fünften Studioalbum erklimmt Kate Bush den Gipfel ihres Autoren-Art-Pops. Ihre Synthese von digitaler Klanggestaltung und Folk-Elementen zeitigt ein Album, das einem Jahrhundertroman gleichkommt.
Music Porträt
Melody As Truth
An der Schwelle von Sound und Stille
Mit seinem Label Melody As Truth bewegt sich Jonny Nash zwischen Balearic und Ambient. Die Reise führt von New Age zu einer neuen Art von Weltkammermusik. Er selbst spricht vom »Erforschen von Raum und Timing«.
Music Kolumne
Aigners Inventur
September & Oktober
Der Sommer ist vorbei, die Welt ja sowieso, da wird selbst unser Kolumnist emotional. Er gibt seinem Haustier einen Namen und legt sich zu Enya in die Badewanne. Aigners Inventur ist zurück. Ganz, ganz wild.
Music Porträt
Larry Heard
Von der Luftgitarre zur Clubhymne
Larry Heard gilt als einer der Gründungsväter von Chicago House. Mit »Can You Feel It« prägte er das Antlitz von Deephouse. Stets blickte er über den Tellerrand der Clubmusik hinaus. Begonnen hat er seine Karriere jedoch als Luftgitarrist.
Music Kolumne
Records Revisited
Aesop Rock – Float (2000)
Statistisch gesehen ist Aesop Rock der eloquenteste unter allen Rappern. Stilistisch gesehen musste er zuerst behaupten, um im Feld der elaborierten Hip-Hopper zu etablieren. Dahingehend war »Float« von 2000 eine erstes Ausrufezeichen.
Music Interview
Kelly Lee Owens
»Wir verkörpern Emotionen«
Mit »Inner Song« veröffentlichte die walisische Musikerin ihr zweites Album, das mit einer Hand die Tränen nach dem Closing-Set aus den Augen wischt und mit der anderen das Fenster in den Alltag aufstößt. Ein Gespräch.
Music Liste
Harmonious Thelonious
10 All Time Favs
Mit »Plong« rüttelt Stefan Schwander an den Grundfesten der Clubmusik. Sein neues Solo-Album als Harmonious Thelonious lässt Alltagsgeräusche ein unheimliches Eigenleben entwickeln. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Interview
Nubya Garcia
Verwobene Erinnerungen
Die Saxophonistin Nubya Garcia ist Teil der regen Londoner Jazzszene. An ihrem Instrument ist sie eine der energetischsten Musikerinnen der Welt. Ansonsten ruht sie in sich. Sie ist so cool, wie die Musik, die sie spielt. Ein Interview.
Music Porträt
Pierre Schaeffer
In allem steckt Musik
Lange Zeit war es kaum vorstellbar, dass Musik durch anderes als Instrument und Stimme entstünde. In den Händen Pierre Schaeffers jedoch wurde der Tonträger zur Basis der Komposition. Vor 25 Jahren starb der Pionier der elektronischen Musik
Music Liste
Record Store Day 2020 – 1st Drop
12 Releases nach denen du Ausschau halten solltest
Am 29.8.2020 findet nun der erste von drei Record Store Days in diesem Jahr statt. Allein dafür sind mehr als 350 exklusive Releases angekündigt. Wir haben daraus zwölf Schallplatten gepickt, die wir euch ans Herz legen wollen.
Music Liste
Jonathan Bree
10 All Time Favs
Jonathan Bree versteckt sein Gesicht hinter einer Latexmaske. Nun ja. Aber das ist nicht das bemerkenswerteste an dem Neuseeländer. Denn er ist vor allem ein erstklassiger Songwriter. Uns hat er erzählt, welche 10 Platten ihn geformt haben.
Music Porträt
Kommerz Records
Sich selbst das Bein stellen
Jonathan und Lukas Nixdorff haben sich einen Kindheitstraum erfüllt: Vor wenigen Wochen gründeten sie Kommerz Records. Dort erscheint nun das erste Release, »Kommerz Season 1: Anti-Virus«.
Music Porträt
Light In The Attic
Alles ist erleuchtet
Seit fast 20 Jahren bringt das in Seattle beheimatete Plattenlabel Light In The Attic Licht ins Dunkel jener Releases, die im Schatten stehen. Dass sie von Beginn an auf Vinyl setzten, zubilligt dem Label heute die Rolle eines Vorreiters.
Music Porträt
Jason Molina
Gone But Not Forever
Soeben sind unveröffentlichte Aufnahmen von Jason Molina veröffentlicht worden. Mit Songs: Ohia oder Magnolia Electric Co. wollte er sein Leben als Momentaufnahme festhalten. Doch es löste sich auf wie die Gespenster, an die er glaubte.
Music Kolumne
Records Revisited
Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx… (1995)
Nach »Enter the Wu-Tang (36 Chambers)« haben sich die Clan-Mitglieder solo ausprobiert. Erst Method Man, dann Ol’ Dirty Bastard, schließlich Raekwon. Sein 1995 releastes »Only Built 4 Cuban Linx…« zählt zu den Meisterwerken des Hip-Hop.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Liste
Jay Glass Dubs
10 All Time Greek Favs
»Soma« heißt auf Griechisch Körper und an den richtet sich die Musik von Jay Glass Dubs. »Soma« heißt sein neues Album. Das war die Chance den Griechen nach 10 Schallplatten zu fragen, die ihn geformt haben. Er antwortet griechisch.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?