Music Kolumne | verfasst 03.11.2011
Zwölf Zehner
Oktober 2011
Willkommen im November. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Oktober musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Text Florian Aigner, Paul Okraj

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 01 - Daphni Einblick in den Findungs- und Produktionsprozess der Zwölf Zehner, die Zweite: Es vergeht kaum ein Tag, an dem das besagte Kolumnisten-Tag-Team Aigner/Okraj sich gegenseitig Tracks via Facebook empfiehlt und diese mit kurzen Schlagworten Marke »GOAT!«, »ADONISGOAT«, »GAMECHANGER« oder »EPIC« anreichert. So (auch) geschehen an einem Montag im Februar, da macht gerade ein neuer Resident-Advisor-Podcast die Runde, der von Mädchenschwarm Caribou bestritten wird und nach wenigen Minuten direkt zu eben beschriebenen Verhalten veranlasst. Ein Track nämlich besticht dabei mit Drums so cross wie Wasa, die Synth hingegen mächtig, ehe sich aus dem Nichts unerwartet das liebreizende Soul-Sample gesellt. Theo Parrish? Könnte man meinen. Stammt aber aus Dan Snaith’s eigener Feder, der unter seinem Daphni-Moniker seit kurzem auch eigene Edits produziert. Mit Yes, I Know verzichtet er auf den üblichen etwas überladenen Afro Beat, dreht die Shaker zum Anschlag und drückt das unwiderstehliche Sample in der Vordergrund. »Massive«, wie man in England so schön zu sagen pflegt.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 02 - Paul WoolfordFind it at hhv.de: 12inch Paul Woolford? Ich gebe zu auf dem Papier war Stolen eine der unbemerkenswertesten Hotflush-Platten seit langem, was eventuell auch damit zu tun haben könnte, dass ich den Zusatz And Psycatron – warum auch immer – völlig überlesen hatte. Nicht, dass jenes Duo in letzter Zeit die zwingendsten Platten gemacht hätte, man hätte dann aber bereits auf dem Schirm haben können, dass Stolen eine Menge Druck haben würde. Wenn ich dann Woolfords wohldokumentierte Big Room-Affinität nicht als No-Go abgetan, sondern als entscheidenden Twist wahrgenommen hätte, hätte ich dieses ganz und gar garstige, dabei aber sehr soulful bleibende Acid Techno-Epos antizipieren können? Vermutlich nicht. Denn die Art und Weise, wie sich Stolen immer weiter hochschraubt, stets geleitet von der altehrwürdigen 909 um schließlich nach sechs Minuten im von der Dramaturgie absolut zwingenden, aber dennoch überraschenden 303-Inferno zu kulminieren, hat so viel Verve, so viel Eier, ja so viel Swag, wie derzeit kaum eine andere Veröffentlichung mit vergleichbarer Zielgruppe.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 03 - FunkinevenFind it at hhv.de: 12inch Fulminant wie Funkineven dieser Tage ein ergreifendes Roland-Inferno nach dem anderen aus dem Ärmel schüttet. Ob Beat Crash, Fuck Off oder Iron Cloud – jeden einzelnen Titel seiner brandneuen Apron EP (erschienen auf seinem neuen, gleichnamigen Apron-Imprint) würden wir ironiefrei in diese Zwölf Zehner packen. So entscheiden wir uns am Ende aber doch für Beat Crash, das den gebrochenen Takt bis zur Schmerzgrenze durch den Kompressor drückt, die Snare mit diaobolischem Hall ausstattet und mit der rigorosen Synth ausreichend Endorphin produziert, um es mit der versammelten Hooliganschar von Dynamo Dresden aufnehmen zu wollen.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 04- KuedoFind it at hhv.de: LP »So night bus.« Dieses lapidare Fazit im ewigen Hispterblog Fluokids greift zwar viel zu kurz für Kuedos ungemein dichtes Salt Lake Cuts, es beschreibt aber auch treffend die Atmosphäre, die der ehemalige Vex’d-Krachmacher nun auf Solopfaden erzeugt. Die Synths werden nun sehr klassisch benutzt, ob man dafür eher Carpenter, Schulze, Göttsching oder Haack als Referenz zitieren will, ist Makulatur. Auch das Tempo hat sich beruhigt, Londons ruheloser Herzinfarkts-Puls wurde durch wavige Percussion ersetzt, in der die 2 und die 4 nun als Harmonie-stiftende Elemente anerkannt werden. Die Wall Of Sound ist zwar in der Vielzahl der verwendeten Spuren nachzuvollziehen, sie erdrückt einen aber nicht mehr. Eine bemerkenswerte Metamorphose.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 05 - Floating PointsFind it at hhv.de: 7inch Ein in sich gekehrtes Rhythmuskorsett schwingender Rimshots, ein akkurat genüpfter Streicherteppich, genuin eingespielter Subbass, filigran nach vorne treibende Hi-Hats. Dem nicht genug schwebt ein unverkennbarer 303-Groove über allem, der von DJ Pierre nicht simpler und dabei so wirkungsvoll hätte besser programmiert werden können. Keine Frage: Auf Danger beweist Sam Shepherd aka Floating Points mal wieder in eindrucksvoller Manier, wie sich die Virtuosität einer klassischen Musikerausbildung und die pure Energie Rolandscher Klangerzeuger in Einklang bringen lassen. Hoffen wir mal, dass die angekündigte Serie der Techno-7inches, die mit Danger ihren Anfang nimmt, ähnliche Muster entfaltet. Oh ja, lieber Sam, wir freuen uns drauf.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 06 - TelemachusFind it at hhv.de; 7inch Kann eine Debütsingle derart abgeklärt produziert sein? Kurz recherchiert und die Antwort heißt »Nein«. Telemachus ist das neue Alias des UK-Veterans Chemo, der seit 1999 für eine Vielzahl britischer Traditionalisten produziert hat und zumindest klangästhetisch durchaus mit der Gallionsfigur Lewis Parker vergleichbar ist. Für Scarecrows buchte er sich nun den momentanen König in Sachen humorloser Gutter-Tristesse also known as Roc Marciano. Der schildert über einen sehr cineastischen Beat, in den man durchaus auch eine Menge Bristol 1996 hineininterpretieren darf, warum auf diesen Straßen immer noch ain’t a damn thing funny ist. Dazu noch ein düsteres Video, das aus Szenen aus King of New York zusammengestückelt wurde, et voila: da ist es wieder, dieses Gefühl aus dem vergangenen Jahrtausend. Peinlich, dass wir das erst drei Monate später bemerkt haben.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 07 - New Look Kaum zu glauben, dass sich anderthalb Jahre nach Ableben des selbsternannten King of Pops, die hippe Jugend doch lieber mit dem Frühwerk seiner kleinen Schwester Janet beschäftigt. Machte vergangenen Monat noch Hudson Mohawke mit einem üppigen Remix von sich Reden, sorgen in diesem Monat die New Yorker von New Look mit einer Coverversion von Miss Jacksons He Doesn†˜t Even Know That I†˜m Alive für Furore. Und auf die Gefahr hin, mich selbst zitieren zu müssen, greifen New Look zur bewährten Schablone und verwandeln Janets Hi-NRG-Dance-Pop-Single Marke 1986 in eine prägnante Hi-NRG-Dance-Pop-Single Marke 2011. Keck sezieren sie die druckvolle Bassline des Originals und konservieren den in der GI-Disco aufgeschnappten Boogie. Gespannt blicken wir in die Zukunft: Erst Phil Collins, jetzt Janet Jackson, wer sammelt als nächstes die Ehre ein, die ihm/ihr gebührt?

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 08 - BNJMNFind it at hhv.de: LP Es ist schon erstaunlich wie abgeklärt dieser Bnjmn Musik produziert. Trotz seines jungen Alters findet der Brite fast spielerisch die richtige Balance zwischen Kopf und Bein. Ein Gros der Tracks auf seinem neuen Mini-Album klingen so als hätte sich Actress länger mit den stillen Momente von Drexciya beschäftigt und sich dabei das Ziel gesetzt die Percussion auf ein minimales zu reduzieren. Das ist schön, noch schöner aber ist es, wenn Bnjmn seine Zurückhaltung aufgibt. Nicht notwendigerweise so explizit wie auf Open The Floodgates, eher im Sinne von Keep The Power Out, einem Stück, das erneut mit Ambientschlieren beginnt, bevor es die Hypernervosität des einsetzenden Vocal-Samples in einem dicken 808 Groove und den traurigsten Synth-Lines aus Joy Orbisons Baukasten auflöst. Was da noch auf uns zukommt..

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 09 - Duster Valentine Was bleibt zur neuen Rush-Hour-Serie zu sagen, dass sich nicht aus der offiziellen Trackinfo einfach ins Deutsche übersetzen ließe: »Die neue Serie startet mit einem unveröffentlichten Track des mysteriösen Duster Valentine. Ein hymnischer Disco Track mit einem eingängigen Klavier-Loop, der der goldenen Zeit der New Yorker House-Musik Tribut zollt. Musik, die Sie zum Schwitzen bringen wird!« Genug gesagt. Und je weiter ich weiterhin versuche noch genauer hinzuhören und herauszufinden, was das Vocal-Sample auf (My Back) Against the Wall tatsächlich noch zu sagen versucht, verliere ich mich immer tiefer in diesem zeitlosen Piano-Groove, der in diesem Monat seinesgleichen sucht.

Zwoelf Zehner, Oktober 2011 - 10 - HNNY Eigentlich war man sich doch einig. 2011 werden keine Edits mehr gekauft, vor allem nicht die der ekelhafteren Sorte, die offensiv mit ihrer Cheesiness und offensichtlichem Ausgangsmaterial kokettieren und mit ihrer penetranten Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner nerven. All das macht auch der uns bislang völlig unbekannte HNNY, der auf dem schwedischen Alex Boman-Stammlabel Studio Barnhus Mariah Careys Schmalzpfropfen-Cover des White Trash Verbrechens I Wanna Know What Love Is nicht nur als Vorlage für einen untertourigen Synth-Jam benutzt, sondern das Original auch ganz unerschrocken unbearbeitet einbaut. Das ist dreist und im Edit-Geschäft das Äquivalent zu einem derben Furz-Witz aber so unverschämt, dass man nicht anders kann, als sich diebisch zu freuen. Noch besser wäre es, wie die Kollegen von Resident Advisor bereits anmerkten, allerdings gewesen Careys Original nur als Koda zu benutzen und nicht gleich mit jenem Furzwitz zu beginnen. Aber dafür gibt es ja die reinste Form des Edits: den hausgemachten Mix.

Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Kolumne | verfasst 01.07.2011
Zwölf Zehner
Juni 2011
Willkommen im Juli. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Juni musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Porträt | verfasst 15.03.2012
Eglo Records
Fingerübung in Sachen Qualität
Vor genau drei Jahren taten sich Sam Shepherd (Floating Points) und Radio-DJ Alexander Nut zusammen und gründeten das Label Eglo Records. Wir stellen euch das Londoner Label genauer vor.
Music Kolumne | verfasst 05.09.2014
Zwölf Zehner
August 2014
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.12.2011
Zwölf Zehner
November 2011
Willkommen im Dezember. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat November musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 07.03.2012
Zwölf Zehner
Februar 2012
Willkommen im März. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat Februar musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 04.04.2012
Zwölf Zehner
März 2012
Willkommen im April. Doch vorher lassen Florian Aigner und Paul Okraj den Monat März musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 08.08.2012
Zwölf Zehner
Juli 2012
Willkommen im August. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat Juli musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.09.2013
Zwölf Zehner
August 2013
Willkommen im September. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat August musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Kolumne | verfasst 09.05.2014
Zwölf Zehner
April 2014
Willkommen im Mai. Doch vorher lassen unsere Kolumnisten vom Dienst den Monat April musikalisch Revue passieren und destillieren in ihrer Kolumne Zwölf Zehner die wichtigsten zehn Tracks des Monats.
Music Review | verfasst 12.10.2012
Daphni
Jiaolong
Daniel Snaith, bekannt als Caribou, macht sich mit seinem Projekt Daphni die Freiheiten des DJs zu Eigen.
Music Review | verfasst 02.10.2014
Caribou
Our Love
Caribou teilt die Liebe mit seinen Fans. Sein siebtes Album »Our Love« will gar nicht die große Geste – und hat trotzdem seine Probleme.
Music Review | verfasst 03.03.2020
Caribou
Suddenly
Caribou beschäftigt sich auf »Suddenly« mit persönlichen Themen. Darunter einigen traurigen, wie die Stimmungslage vieler Songs andeutet.
Music Kolumne | verfasst 04.03.2020
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Review | verfasst 08.07.2014
Floating Points
King Bromeliad
Eine neue Veröffentlichung von Sam Shepherd alias Floating Points ist immer eine gute Nachricht. »King Bromeliad« bildet da keine Ausnahme.
Music Review | verfasst 05.11.2015
Floating Points
Elaenia
Freundlich, zugänglich, doch zugleich auf fast ätherische Weise abgewandt, rätselhaft: Das alles ist »Elaenia« von Floating Points.
Music Review | verfasst 19.08.2019
Floating Points
Lesalpx / Coorabell
Nach fast zwei Jahren ohne neue Musik hat Floating Points kürzlich die beiden neuen Tracks »Lesalpx« und »Coorabell« veröffentlicht,
Music Bericht | verfasst 21.10.2013
Gilles Peterson, Four Tet & Floating Points
»Free Spirits Sunday« am 13.10. in Berlin
Die jazzaffinen DJs und Musiker leisteten beim »Free Spirits Sunday« eine dringend notwendige Unterstützung für die Steve Reid Foundation und verneigten sich zeitgleich auch auf vielfältige musikalische Weise vor ihren Vorbildern.
Music Liste | verfasst 28.12.2015
Jahresausklang 2015
Die besten Songs (50-31)
Woche für Woche picken unsere Redakteure im Ausklang ihre Lieblingssongs. Jeder für sich. Jetzt sollten sie gemeinsam die Top 50 des Jahres festlegen. Es wurden Existenzen in Frage gestellt bis Platz 1 alle vereinte.
Music Liste | verfasst 27.10.2017
Ausklang | 2017KW43
8 essentielle neue Platten
Hunderte neue Releases, jede Woche. Davon viele sehr gut – und bereits von diversen Portalen vorgestellt. Wir präsentieren: die unvorgestelltesten, besten Releases der Woche. Ab vom Schuss, leicht daneben und tierisch geil: der Ausklang.
Music Interview | verfasst 14.10.2019
Floating Points
»Sowas bringt mich auf die Palme!«
Floating Points mag das Wort »Crush«. Es sei einerserseits zärtlich, andererseits stehe es für langsame Gewalt. Sein neues Album heißt »Crush« und es bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld. Wir trafen ihn zum Gespräch.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.