Music Interview | verfasst 12.05.2014
Jaakko Eino Kalevi
Über Liebe und andere Geisteskrankheiten
Jaakko Eino Kalevi sieht aus wie ein verplanter Engel, arbeitet als Straßenbahnfahrer und hat mit »No End« einen der besten Songs 2013 aufgenommen. Zeit ihn kennenzulernen also. Ein Gespräch über Liebe, Musik und Wäschewaschen.
Text Pippo Kuhzart , Fotos Harley Weir / © Domino Recordings Ltd.
Jaako+eino+kalevi_+credit_harley+weir_hires
Rubriken_sticker_detail_01

So einen Typen würde man hinter dieser Musik zunächst nicht erwarten. Der Finne Jaakko Eino Kalevi veröffentlicht seit über zehn Jahren Musik. In seinem Schaffenskatalog finden sich exaltierter Dance-Pop mit Zeilen wie »you don’t have to say that you love me, just show how flexible you are«, Indie-Pop, Dream-Pop, aber auch seine 2013er EP »Dreamzone«, auf der der Finne mal nach Jim Morrisson, mal nach Ariel’s Pink Graffiti klingt, mit »Last Christmas« von Wham! kokettiert und es mit »No End« nicht nur in unsere Jahrescharts schaffte.

Der Sound von Jakko Eino Kalevi ist verspielt, tänzelt charmant um das Naive herum und vereint munter vielfältige Einflüsse. Und dahinter steckt dieser 30jährige Finne mit Milchgesicht, der, mit glattem langen Haar und in knuffige Wollpullis gekleidet, bescheiden in die Welt blickt. Wir haben diesen jungen Mann gesprochen, der als Straßenbahnfahrer seine Fixkosten abdeckt und der neben seinem ersten Album für Dominos Sublabel Weird World in diesem Jahr eine weitere EP veröffentlichen wird.

Hallo Jaakko, was machst Du gerade?
Jaakko Eino Kalevi: Ich höre Musik und mache Wäsche.

Oh Gott, Wäsche, ich hasse es, die Wäsche zu machen.
Jaakko Eino Kalevi: Tja, manchmal muss man es machen.

Das ist wahr. Also, ich dachte, Du wärest in Berlin, um Dein neues Album aufzunehmen!
Jaakko Eino Kalevi: Nein, aber so hatte ich es eigentlich geplant (lacht), aber, tja… naja, ich plane es auf jeden Fall (lacht mehr).

Du hast also noch gar nicht mit den Aufnahmen begonnen?
Jaakko Eino Kalevi: Doch, habe ich. Ich glaube, ich habe bereits das Meiste für das neue Album fertig. Ich muss nur noch die Vocals richtig aufnehmen.

Ein Release-Date gibt es aber noch nicht?
Jaakko Eino Kalevi: Nein. Es könnte aber im August sein…

Kannst du bereits verraten, wie sich Dein neues Album anhört?
Jaakko Eino Kalevi: Ich würde sagen, es geht in die gleiche Richtung wie die »Dreamzone EP«. Und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich auch einige Songs der EP für das Album verwende. Aber ja: fortgeschrittene Sounds (lacht).

Gefällt eigentlich allen, die Deine Musik seit Anfang kennen, der Sound der »Dreamzone EP«?
Jaakko Eino Kalevi: Nun, ich glaube, dass ich generell viele verschiedene Stile ausprobiert habe – die Leute sind das also gewöhnt. Zum Beispiel kommt meine nächste EP im Juni auf Tim Sweeneys Beats In Space. Sie wird viel mehr Dance und Disco beinhalten und experimenteller sein.

Lass uns darüber reden, was bei Dir in der jüngeren Vergangenheit passiert ist: Du veröffentlichst seit über zehn Jahren Musik und dann machst Du »No End«. Einen Song, der Dich weit über Finnlands Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Wie hast Du das erlebt?
Jaakko Eino Kalevi: (zögert) Als ich die EP fertig hatte, fragten mich die Leute vom Plattenlabel, welchen Song ich als Single haben wollte. Und mir war die Wichtigkeit dieser Entscheidung nicht klar, also sagte ich etwas wie: »aah ja, egal« (lacht). Aber jetzt scheint es, als sei es eine wichtige Entscheidung gewesen (lacht mehr).

»Straßenbahnen sind nicht gewöhnlich. Straßenbahnen sind ziemlich selten in der Welt – sie sind besonders.« (Jaakko Eino Kalevi) Aber was meinst Du, weshalb hat Dir gerade dieser Song so viel Aufmerksamkeit und Erfolg beschert?
Jaakko Eino Kalevi: Der große Unterschied zu früher ist, dass ich jetzt Domino im Rücken habe. Meine vorheriges Plattenlabel… nun, die haben überhaupt keine Promo gemacht (lacht). Einige meiner Platten gingen nicht mal in die Distribution. Das Label hat sie einfach in ein paar Shops in Helsinki gelegt. (lacht)

Gibt es etwas, das Dich am Erfolg von »No End« stört?
Jaakko Eino Kalevi: (lacht) Ich weiß nicht, ob er jetzt so erfolgreich war. Aber nein, nicht wirklich. Ich finde, die »Dreamzone EP« hat als ganzes sehr gut funktioniert. Weil ich diesmal mit anderen Menschen zusammengearbeitet habe: einem Fotografen, einem Designer. All diese Sachen hatte ich davor selbst gemacht. Vielleicht sollte ich auch jemand anderen das neue Album mixen lassen… . Aber es ist eine Frage von Vertrauen: Wessen Tempo kann ich trauen?

Was ist Dein Tempo?
Jaakko Eino Kalevi: Mal so, mal so. Ich habe auch Songs auf dem neuen Album, die ich ursprünglich vor zehn Jahren aufgenommen habe.

Sag mal, Jaakko, warum fragt Dich eigentlich jeder Journalist nach Deinem Job als Straßenbahnfahrer?
Jaakko Eino Kalevi: (lacht) Wahrscheinlich, weil es ein sehr romantischer Job ist. Und auch, weil andere Künstler eventuell auch einen Job neben der Musik haben, aber kaum einer darüber redet. Bei mir stand diese Info im Pressetext. (lacht) Hast Du diesen Film von Aki Kaurismäki, »Drifting Clouds«, gesehen?

Nein, unglücklichweise habe ich nicht einmal davon gehört…
Jaakko Eino Kalevi: Tja, die Hauptfigur ist ein Straßenbahnfahrer (lacht).

Und?
Jaakko Eino Kalevi: Mmmm, es zeigt den Job als einen romantischen Job.

Glaubst Du, die Leute wären weniger fasziniert, wenn Du – sagen wir mal – ein Bäcker wärst?
Jaakko Eino Kalevi: Ich denke, es wäre ein bisschen anders. Weil Straßenbahnen sind nicht gewöhnlich. Straßenbahnen sind ziemlich selten in der Welt – sie sind besonders.

Ich kann mir vorstellen, dass es schön ist, die Straßenbahn zu führen.
Jaakko Eino Kalevi: Ja, es ist… ziemlich leicht.

Wirst Du nicht müde?
Jaakko Eino Kalevi: Das Problem ist, dass es einen langweilen kann. Es gibt in Helsinki interessante und weniger interessante Routen. Die langweiligen gehen einfach nur hin und zurück auf großen Straßen.

Du bist schon ein eher romantischer Typ, oder? Du singst auch sehr viel über Liebe.
Jaakko Eino Kalevi: (lacht laut) Kann sein (hat einen Lachanfall). Jeder meiner Songs hat das Wort »Liebe« in sich (sagt er lachend) – darüber habe ich noch nie nachgedacht. Vielleicht ist es eine gute Sache, über die man singen kann. Aber ich singe nicht traditionell darüber. (lacht noch mehr)

Warum hältst Du die Liebe für ein interessantes Thema?
Jaakko Eino Kalevi: Sie ist ein so vielseitiges Thema und die Menschen haben so starke Vorstellungen davon. Sie kann alles sein. (lacht)

Was ist noch ein interessantes Thema?
Jaakko Eino Kalevi: Geisteskrankheiten.

Liebe und Geisteskrankheiten sind ja auch eng miteinander verbunden.
Jaakko Eino Kalevi: Ja, sie sind das Gleiche! (lacht)

Dir ist schon klar, dass das die Überschrift werden könnte: »Liebe und Geisteskrankheiten sind das Gleiche«?
Jaakko Eino Kalevi: (lacht) Okay, das ist gut.

»Vielleicht ist Liebe eine Sache, über die man gut singen kann.« (Jaakko Eino Kalevi) Du hast mal auf Facebook geschrieben: »Feelings Make Me Laugh«.
Jaakko Eino Kalevi: Das war so etwas wie ein Insider unter mir und meinen Freunden. Einer meiner Freunde hat das mal aus Versehen gesagt. Es macht eigentlich keinen Sinn, aber andererseits: Gefühle bringen mich zum Lachen.

Und was bringt dich zum Weinen?
Jaakko Eino Kalevi: Gefühle. (lacht viel)

Puh, alles, was Du sagst, macht total Sinn (lacht). Ich will auch nicht mehr von deiner Zeit in Anspruch nehmen.
Jaakko Eino Kalevi: Ja, ich muss auch die Wäsche rausholen.

Ich hoffe, Du hattest die richtige Temperatur eingestellt.
Jaakko Eino Kalevi: Oh, ist das erste Mal, dass ich diese Waschmaschine benutze.

40° Celsius?
Jaakko Eino Kalevi: Ja, ich nehme immer 40.

Ja, immer 40 nehmen! Ich bleibe auch immer bei 40. Alles andere ist zu gefährlich.
Jaakko Eino Kalevi: Ja, zu riskant.

Die Musik von Jaakko eino Kalevi fidnest du bei hhv.de als 12-inch.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Review | verfasst 18.12.2013
Jaakko Eino Kalevi
Dreamzone EP
Der engelsgleiche Finne kommt mit Basslines und einem Sound irgendwo zwischen Jim Morrison und Tina Turner. Ein später Geheimtipp.
Music Review | verfasst 26.06.2015
Jaakko Eino Kalevi
Jaakko Eino Kalevi
Vom Straßenbahnfahrer zum Albumdebütanten: Jaakko Eino Kalevi legt sein selbstbetiteltes Gesellenstück vor.
Music Liste | verfasst 26.10.2018
Jakko Eino Kalevi
Picks 10 latest Vinyl Records
Den Finnen kann man ja einiges Nachsagen. Als »Dream-Pop-Reformer« sind sie aber bislang noch nicht beschrieben worden. Dabei dürfen sie sich in Person des Popmusikers Jaakko Eino Kalevi genau dies auf die blau-weiße Fahne schreiben.
Music Review | verfasst 01.10.2010
Chief
Modern Rituals
Chief gehen einen Weg, der einen positiven Blick auf das Gestern richtet und synchron die Zukunft verändert.
Music Review | verfasst 25.08.2010
The Count & Sinden
Mega Mega Mega
Als Weltmusik aus Essex beschreiben The Count & Sinden ihr Debütalbum. Alle erdenkliche Stile kommen hier zusammen und werden zu einem Mega-Rave vermengt.
Music Review | verfasst 29.01.2011
Anna Calvi
Anna Calvi
Anna Calvi zeigt sich auf ihrem Debüt als eigenständiger »sound painter« und dunkle Seele mit Popqualitäten.
Music Review | verfasst 13.03.2011
Malachai
Return To The Ugly Side
Malachai gelingt mit Return to the Ugly Side ein dichtes, konzeptionelles, originelles Werk.
Music Review | verfasst 28.04.2011
The Kills
Blood Pressures
Mit der konsequenten Treue zu ihrem musikalischen Konzept, schaffen The Kills auch auf Blood Pressures einen unverwechselbaren Sound.
Music Review | verfasst 02.05.2011
About Group
Start And Complete
Die Supergroup um Hot Chip’s Alexis Taylor schafft es mit ihren nahezu vollständig improvisierten Songs auf Albumlänge zu überzeugen.
Music Review | verfasst 08.05.2011
Wild Beasts
Smother
Ohne laut und wild zu sein, ist dieses Album dank sanfter Instrumentierung und großem Gesangstalent mitreißender, emotionaler Indie-Pop.
Music Review | verfasst 04.06.2011
Smith Westerns
Dye It Blonde
Die jugendlichen Phantasiewelten von Smith Westerns gleiten auf ihrem zweiten Album hin zu einem sommerlich verträumten Pop.
Music Review | verfasst 22.07.2011
Austra
Feel It Break
Aus Kanada mit seinem unendlichen Potenzial an guten Bands kommt auch Austra mit ihrem dunklen, mystischen Sound.
Music Review | verfasst 30.07.2011
Junior Boys
It's All True
Kann Musik diesen Sommer retten: Jeremy Greenspan und Matt Didemus starten einen Versuch.
Music Review | verfasst 06.10.2011
Stephen Malkmus and the Jicks
Mirror Traffic
Beck produzierte das neue Album von Pavement-Sänger Stephen Malkmus und seiner neuen Band The Jicks. Ansonsten ist vieles wie immer.
Music Review | verfasst 08.10.2011
Blood Orange
Coastal Groves
Devonte Hynes hat ein neues Alter Ego. Als Blood Orange widmet er sich den Achtzigern und lässt Disco, Pop, Lo-fi miteinander interagieren.
Music Review | verfasst 15.11.2011
Real Estate
Days
Eines der Indie-Highlights des Jahres? Real Estate lassen sich einfach treiben und reißen einen ganz selbstverständlich mit.
Music Review | verfasst 29.11.2011
Cass McCombs
Humor Risk
Es ist bereits das zweite Album von Cass McCombs in diesem Jahr. Humor Risk soll sowohl Gegenpol als auch Ergänzung zu Wit’s End sein.
Music Review | verfasst 30.11.2011
Bonnie »Prince« Billy
Wolfroy Goes To Town
Seit Jahren veröffentlicht Bonnie »Prince« Billy auf konstant hohem Niveau seine Musik. Seine 21. Platte bietet da keine Ausnahme.
Music Review | verfasst 06.01.2012
Peaking Lights
936
Bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres in den USA erschienen, kommt nun einer der ganz großen Würfe von 2011 auch in Europa heraus.
Music Review | verfasst 11.01.2012
Dirty Projectors & Björk
Mount Wittenberg Orca
Bereits im Mai 2009 aufgenommen und zunächst nur digital veröffentlicht, erscheint nun die Kooperation zwischen Dirty Projectors und Björk.
Music Review | verfasst 08.02.2012
François & The Atlas Mountains
E Volo Love
Es ist das erste Signing eines Franzosen auf dem britischen Indielabel Domino Records. Und Vampire Weekend grüßen aus der Ferne.
Music Review | verfasst 03.05.2012
Black Dice
Mr Impossible
Eine konsequente Fortschreibung ihrer sonischen Noise-Vision ist das sechste Album von Black Dice geworden.
Music Review | verfasst 13.06.2012
The Magnetic Fields
Love At The Bottom Of The Sea
Stephen Merrit kehrt mit »Love At the Bottom of the Sea« zurück zu den Wurzeln seiner Magnetic Fields.
Music Review | verfasst 01.06.2012
Lower Dens
Nootropics
Dem Album gelingt es eine eigene Welt zu erschaffen und vergessen zu machen, dass es überhaupt eine gibt.
Music Review | verfasst 13.07.2012
Spiritualized
Sweet Heart, Sweet Light
Spiritualized machen eigentlich alles wie immer und am Ende fließen die Tränen. Wer leiden will, muss hier hinhören.
Music Kolumne
Records Revisited
Deftones – White Pony (2000)
Die im Juni 2000 veröffentlichte LP »White Pony« wurde deshalb zu einem dermaßen bahnbrechenden Album, weil sich die Deftones darauf erstmals als die Zitationsmaschine in Szene setzen, die sie eigentlich immer schon gewesen waren.
Music Liste
Jenn Wasner (Flock Of Dimes)
10 All Time Favs
Mit ihrem Soloprojekt Flock of Dimes hat Jenn Wasner gerade ihr persönlichstes und zugleich substanziell weitreichendstes Album vorgelegt. Wir baten die Musikerin uns 10 Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Porträt
Gondwana Records
Seele und Charakter
Als DJ und Musiker wurde Matthew Halsall zum Labelbetreiber. Ausgehend von einem lokalen Fokus auf die Jazzszene Manchesters hat der Trompeter seinem Label Gondwana mittlerweile eine recht internationale Ausrichtung gegeben.
Music Kolumne
Records Revisited
Busta Rhymes – The Coming (1996)
Als vor 25 Jahren »The Coming« erschien, war Busta Rhymes kein Unbekannter mehr. Sein Solodebüt mit dem Hit »Woo Hah!! Got You All In Check« machte ihn zu einem der größten Rapstars seiner Zeit. Wie klingt das Album heute?
Music Kolumne
Records Revisited
Yellow Magic Orchestra – BGM (1981)
Winke für die Zukunft: Die japanischen Synthesizerzauberer des Yellow Magic Orchestra entwarfen auf ihrem vierten Album »BGM« eine Background Music für nachfolgende Generationen.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Love's Secret Domain (1991)
Techno ist es nicht – doch hinterließ »Love’s Secret Domain« tiefe Furchen in der Clubmusik der 1990er Jahre und markierte für Coil jenen Wendepunkt, ab dem ihr Wirken eine neue Richtung einschlug. Das Projekt hätte es fast zerrissen.
Music Porträt
Die P
Die Messlatte höher legen
Sie ist das erste Signing des All Female*-Labels 365xx Records und veröffentlicht dieser Tage ihr Debüt »3,14«. Für Die P ist die Golden Era schlicht nachhaltig, Competition ist für sie Ansporn, besser zu werden. Ihr Ziel: Zeitlosigkeit.
Music Porträt
Important Records
Deep Listening Forever!
Ob Pauline Oliveros, Éliane Radigue, Alina Kalancea oder Caterina Barbieri: Seit 20 Jahren ist Important Records wie ein gut bestückter Plattenladen für aufregende Sounds – die beste Anlaufstelle für Musik, die intensiv gehört werden muss.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2021
Die ganze Welt verarbeitet im März 2021 immer noch den März 2020, nur unser Kolumnist ist weiterhin auf der Suche nach Wrong-Speeder-Optionen. Aigners Inventur: Dub aus dem Abyss und durch die FFP2-Maske gerauchte Kippen.
Art Porträt
Vincent de Boer
Wie Jazz mit Pinseln
Der niederländische Künstler Vincent de Boer ist zu einem festen Bandmitglied der britischen Jazzer von Ill Considered avanciert. Er zeichnet Plattencover auf Basis der gehörten Grooves. Für »The Stroke« wurde der Prozess nun umgedreht.
Music Kolumne
Records Revisited
Dinosaur Jr – Green Mind (1991)
Viele Rockbands nehmen zu Beginn der 1990er Jahre ihre bis dahin besten Alben auf. Auch Dinosaur Jr. Während die Band selbst bei den Aufnahmen bereits auseinanderbricht, strotzt ihr viertes Album »Green Mind« vor Kreativität.
Music Porträt
Phew
Ein Leben gegen den Strich
Punk mit Aunt Sally, Synth Pop mit Sakamoto und experimentelle Musik solo und mit anderen: Die japanische Musikerin Phew sucht seit über vier Jahrzehnten die Fehler in der Musik, weil sich darin nur deren Möglichkeiten offenbaren.
Music Porträt
Far Out Recordings
Im Epizentrum der Brazil-Welle
Joe Davis ist der Lokführer, auf dessen Zug Mitte der Neunziger eine ganze Generation Brazil-affiner Producer aufsprang. Mit seinem Label Far Out Recordings wurde er zum weltweiten Statthalter brasilianischer Musikkultur.
Music Kolumne
Records Revisited
Carole King – Tapestry (1971)
Carole King wollte nie Popstar werden, sondern nur Songs schreiben. Weil sie das aber konnte wie niemand sonst, wurde sie es dennoch – mit »Tapestry«, ihrem Debütalbum aus dem Februar 1971.
Music Interview
Audio88 & Yassin
Der bessere Diss
Auf das verflixte fünfte Album von Audio88 und Yassin mussten Fans verflixte fünf Jahre warten. Im Zuge des Weltgeschehens ist es kein Wunder, dass sie radikaler auftreten als je zuvor. Ein Interview anlässlich des neuen Albums »Todesliste«
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Madlib – Sound Ancestors
»Das erste Madlib-Album, das wirklich als Album gehört werden kann«, sagte Four Tet. – Das ist doch Schwachsinn, sagen unsere Kolumnisten. Sie fragen sich: Hat Madlib hier nicht einfach gemacht, was er immer gemacht hat – und…will man das?
Music Kolumne
Records Revisited
Jan Jelinek – Loop-Finding-Jazz-Records (2001)
2001 hing Jan Jelinek das Ego an den Nagel und lud seinen Sampler mit Klängen von Jazz-Platten auf, um daraus Loops zu basteln. Die liefen aneinander vorbei und bildeten Moiré-Effekte. Davon lebt die Magie von »Loop-finding-jazz-records«.
Music Interview
The Notwist
»Es ist immer ein Zurückkommen«
The Notwist sind wieder da. Sieben Jahre haben sich die Brüder Markus und Michael Acher Zeit gelassen, mit Cico Beck einen Ersatz für Martin Gretschmann gefunden, und einen Klang gefunden, der universeller ist als je zuvor. Ein Interview.
Music Kolumne
Records Revisited
Brian Eno & David Byrne – My Life In The Bush Of Ghosts (1981)
Ethno-Sampling als Pop: Mit ihrem Album »My Life in the Bush of Ghosts« landeten Brian Eno und David Byrne 1981 einen Innovationshit. 40 Jahre später klingt das selbstverständlich. Dafür ergeben sich andere Schwierigkeiten mit dem Ansatz.
Music Interview
Common
»Befreiung fängt im Kopf an«
Sein neues Album trägt den Namen »A Beautiful Revolution Pt.1«, erschien bereits im Oktober digital und in diesen Tagen wird es nun auch auf Vinyl veröffentlicht. Wir nutzten die Gelegenheit mit dem Rapper aus Chicago zu sprechen.
Music Porträt
Zoviet France
Fiebertraum vom Ende
Keine Namen, keine Gesichter, keine Tradition: Zoviet France wollten als anonymes Kollektiv Anfang der Achtziger die Antithese zum orthodoxen Kunstverständnis formulieren – und wurden dabei zu Kultfiguren wider Willen. Bis heute.
Music Liste
Aigners Inventur
Januar & Februar 2021
Ist es Gott? Ist es Hesse? Ist es Domian? Nein, es ist zum Glück einfach nur der Aigner. Der hat die Gardinen seit Wochen maximalst zugezogen und schickt uns die erste Inventur des noch fast unbefleckten neuen Jahres aus dem Kabuff.
Music Liste
Aaron Frazer
10 All Time Favs
»Introducing« heißt das erste Soloalbum von Aaron Frazer. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications ist er aber längst kein unbekannter. Musikalisch geht’s in die Sechziger. Uns sagt er, was ihn wirklich musikalisch geprägt hat.
Music Porträt
On The Corner
Banger für das Hinterzimmer
Mit seinem Label On the Corner Records serviert Pete Buckenham einen berauschenden Eintopf aus afro-futuristischen Jazz-Konzepten und zeitgenössischen Street Grooves und stößt er heute bereits die Pforten zum Sounduniversum von morgen auf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Albums
Sprechen wir es aus: Musik ist in Gefahr, weil sie nicht gemeinsam erlebt werden kann und weil ihre Macher*innen sich seit Monaten in einer existenziellen Krise befinden. Auf Schallplatte gab es dennoch einiges zu hören, wie diese 50 Alben.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 12inches
Tanzen war 2020 nicht wirklich. Aber die Vinyl 12" war trotzdem ein begehrtes Format. Und zwar für Musik, die von einer Zeit nach der Katastrophe träumt. Hier sind unsere Top 20. Einen Bonus in Form einer Vinyl 7" gibt’s obendrauf.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 50 Reissues
Früher war alles besser, das reden wir uns schon seit geraumer Zeit ein und seit zehn, fünfzehn Jahren versucht uns die Reissue-Industrie in dieser zur Weltanschauung geronnenen Vermutung zu bestätigen. Hier sind die Top 50 Reissues 2020.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Compilations
Werkeinstiege zu Beverly Glenn-Copeland und Sade, DJ-Mixe von etwa Helena Hauff und Avalon Emerson, Würdigungen, Geschichtslektionen: Die Compilations in 2020 brachten Schwung in das pandemisch und politisch kriselnde Jahr.
Music Liste
Jahresrückblick 2020
Top 20 Tapes
Das angebliche Tape-Revival ist schon alt genug, als dass seine Heraufbeschwörung durch wiederverwertungsgeile Feuilletons selbst bald ein Revival feiern könnte. Sei’s drum: Diese zwanzig Kassetten haben uns 2020 das Leben gerettet.
Music Porträt
The Silhouettes Project
Protest aus dem Underground
Kosher und Eerf Evil gründeten das Silhouettes Project, um dem Londoner Untergrund Struktur zu verleihen. Ihr selbstbetiteltes Album entstand in gemeinsamen Sessions der britischen Alternative-Rap-Szene.
Music Kolumne
Records Revisited
Coil – Musick to Play in the Dark (1999)
Magie als Klang, der lunare Energien ansammelt: Mit dem im Jahr 1999 veröffentlichten Album »Musick to Play in the Dark« schufen die Elektronik-Esoteriker Coil ihre größten Hymnen an die Nacht. Jetzt wurde es endlich neu veröffentlicht.
Music Porträt
Sault
Black is …
Sault sind die inoffizielle musikalische Stimme der Black Lives Matter Bewegung. Voll radiotauglichem Soul und Jazz, hinter dem die längst überfällige Revolution steht.
Music Kolumne
Aigners Inventur
November & Dezember 2020
Das Virus? Nah, unser furchtloser Kolumnist fürchtet nur eines hinter jeder Straßenecke: Clueso. Aigner schmeißt sich in fiktive Nachtbusse und bückt sich n zu den REWE-Spaghetti runter, weil die von Barilla wieder weggepreppt wurden.
Music Kolumne
Records Revisited
The Pharcyde – Labcabincalifornia (1995)
Pioniere im Andersdenken. Vor 25 Jahren wurden die überdrehten Klassenclowns von The Pharcyde auf ihrem zweiten Album »Labcabincalifornia« zu zynischen Antihelden. Daran trug auch ein damals unbekannter producer namens J Dilla Schuld.
Music Porträt
Tidal Waves
Die Welle reiten
Eine kräftige Welle hat schon so manchen Schatz an Land gespült. So gesehen passt der Name, denn das belgische Reissue-Label Tidal Waves sucht, findet und veröffentlicht verlorengeglaubte Perlen der Musikgeschichte.
Music Kolumne
Records Revisited
Four Tet – There Is Love in You (2010)
Als Four Tet Anfang 2010 das Album »There Is Love in You« veröffentlicht, muss er der Welt nichts mehr beweisen und setzt sich einem retromanischen und verbissenen Zeitgeist mit einem gerüttelt Maß Glückseligkeit entgegen.
Music Kolumne
Records Revisited
GZA – Liquid Swords (1995)
Vor 25 Jahren säbelte GZA sein erstes Solo-Album innerhalb des Wu-Tang-Universums raus, boxte im Schatten von Shaolin-Kriegern und machte seine Gegner mit Lines einen Kopf kürzer. Das Ergebnis nannte sich »Liquid Swords«.
Music Porträt
Mort Garson
Musik für Pflanzen und Menschen
Er war an über 900 Liedern beteiligt, erreichte Platz 1 der Billboard Charts, doch Mort Garsons heutiger Ruhm beruht auf einer Begegnung mit Bob Moog, den er überredete, ihm einen seiner Synthesizer zu überlassen. Eine Wiederentdeckung.
Music Kolumne
Records Revisited
Pet Shop Boys – Behaviour (1990)
»Behaviour« ist das Pet Shop Boys-Album schlechthin. Reflektierte Texte, die schon damals bewährten Hymnen-Melodien und Harold Faltermeyers analoge Produktion verschmolzen zu einem Klassiker, der keinen Staub ansetzen will.
Music Porträt
Dark Entries
Zwischen Disco, Goth und Porno-Soundtracks
Seit 2009 betreibt Josh Cheon sein Label für Undergroundiges aus den 1980er Jahren und solches, das es werden will. Nächstes Jahr wird er über 300 Schallplatten dort veröffentlicht haben. Wir stellen euch das Label aus San Francisco vor.
Music Interview
Makaya McCraven
»Ich grabe Sound aus«
Makaya McCraven ist einer der Jazzmusiker dieser Tage. Nicht nur seine Heimatstadt Chicago, sondern die ganze Welt scheint sich an dem freien Umgang mit dem Jazzerbe in seiner Musik zu inspirieren. Wir hatten die Chance zum Interview.