Music Bericht | verfasst 25.07.2014
Die 10 besten Performances,
die wir beim Splash! 2014 sahen
Ein Höhepunkt jedes Festivalsommers ist für Hip Hop-Fans in Deutschland natürlich das Splash! Wir waren trotz Ausladung auch dieses Jahr auf der Insel Ferropolis und haben 10 Dinge herausgepickt, die wir am sehenswertesten fanden.
Text Sonja Memarzadeh , Fotos Tobias Hoffmann / PhyreWorX / © hhv.de mag
Rubriken_sticker_detail_10

Seit dem diesjährigen Splash! sind jetzt auch schon wieder ein paar Tage ins Land gestrichen, aber die Eindrücke in unseren Köpfen sind noch frisch wie die Frühlingsgöttin bei der Holzkohlenernte. Vor der beeindruckenden Kulisse der Eisenstadt Ferropolis, einem ehemaligen Tagebau, ging das Splash! 2014 am 10.7. in seine 17. Runde. Zwischen bis zu 130 Meter langen, feuerspuckenden Schaufelradbaggern und dem Ufer des Gremminer Sees wurde vor vier verschiedenen Bühnen und einem Biergarten wieder drei Tage lang gefeiert, getanzt, gesungen und gelacht. Auch diesmal war das Festival ausverkauft.

An der Szene vorbei organisiert
Diejenigen, die ein Ticket für die Reise ins Hip Hop-Glück ergattert hatten, durften sich über ein Line-Up freuen, dass u.a. Outkast, Schoolboy Q, M.I.A., Hudson Mohawke, K.I.Z, Cro, Kaytranada, Yelawolf und SSIO vereinte. Eine bunte Mischung, die sicherlich viel Platz für Neues bot, aber Altbewährtes vielleicht etwas in den Schatten stellte. Poprapper Cro als Headliner für das Hip Hop-Festival, wenig Raum für Writer und Breaker und jeden Abend reichlich Trapmusik und elektronische Klänge, ließen unter Verfechten der guten alten Zeit kritische Stimmen laut werden. Einerseits ist es erfreulich, dass das Splash! mit der Entwicklung des Hip Hop-Genres mit wächst, andererseits bedauernswert, dass sich weitgehend am Mainstream orientiert wurde.

Abwesend – und doch dabei
So musste auch hhv.de dieses Mal die Plattenkisten und Sneaker schweren Herzens zu Hause lassen und durfte erstmals (aufgrund einer neuen Sponsorenausrichtung des Veranstalters) seit 12 Jahren nicht mit einem Stand vor Ort sein. Dennoch halten wir das Splash! für das wichtigste Festival in Sachen Hip Hop und artverwandte Genre in Deutschland. Allein deswegen hielten wir es für unsere Pflicht, sich vor Ort umzuschauen und euch die besten Performances an diesem Wochenende zusammenzutragen.

Plain White Record Sleeve Ab-Soul der uns beinahe vergönnt geblieben wäre. Er war nur als Ersatz für den kurzfristig abgesprungenen Earl Sweatshirt gekommen, was sich im Nachhinein als großes Glück entpuppte. Denn Schoolboy Q sorgte für gleichwertigen Ersatz und packte in letzter Minute vor Abflug Richtung Ferropolis noch schnell seinen TDE-Kollegen Ab-Soul ein. Auch wenn dieser (noch) ein wenig im Schatten seiner Kollegen von Top Dawg Entertainment um Schoolboy Q stehen mag, so heißt das keineswegs, dass seine Musik weniger genial sei. Sensible und retrospektive Texte auf ungeschmückten basslastigen Beats mit leichtem Hang zum Weltverbesserer. Die Black Hippy-Attitüde, die wir in den letzten Jahren so liebgewonnen haben, war hier unverkennbar.

Plain White Record Sleeve Angel Haze lieferte pure und ungeschminkte Energie zum Anfassen. Fast drei Songs lang lief und rannte sie durch das elektrisierte Publikum und suchte die unmittelbare Nähe zu ihrer Fangemeinde. »Ich bin mit meiner Musik für euch da« sollte die Message lauten. Angel Haze weiß ein Publikum in ihren Bann zu reißen und es immer wieder von ihrer beeindruckenden Stärke als Künstlerin und Frau zu überzeugen. Tiefe Einblicke (in das Seelenleben) einer jungen Frau,
deren hohes Bestreben es ist, ihre Authentizität als Künstlerin zu bewahren und mehr als ›nur‹ eine Rapperin zu sein.

Plain White Record Sleeve Jede menge Kakaobutterküsse und leidenschaftliche Gitarristen, die vor dem Publikum auf die Knie fallen, Farbpatronen in der Menge und Liebe in der Luft. Chance the Rapper bewies: Er kann den netten, vertrauenswürdigen Dude von Nebenan geben, der wenn nötig die Spülmaschine repariert, sich um die Haustiere kümmert und gerne auch mal einen Abend mit kalter Pizza vor dem Fernseher verbringt (wie er sich in »very very lovely« beschreibt) und dabei trotzdem ein ganzer Kerl sein, der auch bei männlichem Publikum auf hohe Resonanz stößt.

Plain White Record Sleeve Beim diesjährigen Splash! gab es neben der Fußball-WM noch ein weiteres Finale zu feiern: Nämlich das End Of The Weak-Finale. Sechs Freestylechampions die sich bereits gegen die Konkurrenz in ihrer jeweiligen Heimat durchgesetzt haben, traten in 5 Disziplinen gegeneinander an und bewiesen ihr Können. Gekrönt wurde Deutschlands bester Freestyle-Rapper, welcher nun die Ehre hat zum World-Cup nach Uganda zu reisen. Das war Diffamie auf höchstem sprachlichem Niveau. Mit einem insgesamt 4-stündigen Slot der beiden Battle-Rap Veranstaltungen (neben End Of The Weak hatte auch Don’t Let The Label Label You seinen Platz) war den Wortsportlern ordentlich Zeit gegeben. Schließlich sollten bei all den neuen Stilrichtungen, denen sich das Splash! mit vermehrter Aufmerksamkeit widmete, die elementaren Wurzeln nicht zu kurz kommen.

Plain White Record Sleeve Ein Déjà-vu der angenehmen Art. Wie schon letztes Jahr gehörte die Nacht zum Samstag dem zunächst unscheinbar wirkenden Hudson Mohawke. Sein letztjähriges Set sollte nicht unübertroffen bleiben. In unvergleichlicher Etikette verstand der Schotte es die Menge mit seiner vielschichtigen Musik unter Strom zu halten. Verschnaufpause? Fehlanzeige. Von Partysongs bis zu unbekannten instrumentalen Produktionen war alles dabei. Was nicht Trap- und tanzfähig war, wurde eben durch Synthesizer und andere Gerätschaften gejagt. Das aber in feinfühliger Art und Weise, mit Liebe fürs Detail. Es bleibt ein Rätsel wie Hudson Mohawke es schafft, viele Geschmäcker abzudecken und trotzdem seinen Wiedererkennungswert nicht zu verlieren.

Plain White Record Sleeve Neon-leuchtende Kalaschnikows und blinkende Visierkreuze, regenbogenfarbene, im Kreis marschierende Elefanten, abstrakte Formen, schrilles Leuchten, Wärmebildkamera-Aufnahmen von Tauben und Toten und diese grellflackernden Leinwand-Projektionen einer in Gold gehüllten M.I.A.. Das spektakuläre Bühnenbild war die bewegte Version ihrer radikal collagierten Artworks der kleinen Rebellin. Das Publikum wurde mit Bässen bombardiert. Politisch gefärbte ›Auf-die-Fresse‹-Musik im Glitzerkleid. Dazu tanzte die M.I.A.- Armee, welche sich die goldene Kriegerin kurzerhand aus dem Publikum auf die Bühne rekrutierte. Eine Revolution startet man eben besser nicht alleine…

Plain White Record Sleeve Sonne, Wasser, Sand, Splash! und jede Menge begeisterte Fans die fleißig mit den Armen in der Luft wedeln und die Texte mitgröhlen. Was will man mehr als Frischling in der Rap-Szene und wieso das Ganze nicht gleich im eigenen Rap-Video festhalten? Das dachte sich auch der gebürtige Ukrainer Olexesh. Verewigt ist der Auftritt nun im Video zum Titel »Was mich wach hält«. Ja, die fetten Jahre des Deutschrap sind angebrochen und Olexesh will mitmischen. Sein Splash!-Auftritt war ein Schritt in die richtige Richtung. Der 26-Jährige hat feines Händchen für innovative Beatkullissen bewiesen und gezeigt, dass aggressiver Straßenrap durchaus spannend präsentiert werden kann.

Plain White Record Sleeve Stell dir vor, es ist Splash!, Outkast ist Headliner und kommt dann wirklich. Nach einem erfoglreichen Festivalsamstag voller Highlights, Secret-Gigs und Spontanauftritt von Splash!-Stammspieler Materia hätte man auch meinen können, dass die Endorphinproduktion schon etwas zu sehr überstrapaziert wurde. Dann aber betreten, leicht verspätet Outkast die Mainstage. Nach dem Auftritt wird es ihnen keiner mehr Verübeln. Andre 3000, an dem ein überproportional großes Preisschild mit der Aufschrift ›Sold Out‹ heftet und Big Boi in Kunterbunt beginnen stolz nach den Perlen ihrer persönlichen Hitsammlung zu tauchen. Diese ist so üppig, dass die Südstaatenrapper es sich locker leisten können, »Ms. Jackson« schon im ersten Drittel der Show zu spielen. Wirklich: Ein Brett nach dem anderen. Und zwischendurch wird herumgealbert und das Publikum bespaßt, als ob es nie anders gewesen wäre.

Plain White Record Sleeve Für den in Wiesbaden geborenen Schoolboy Q war sein Auftritt beim Splash!-Festival quasi ein Heimspiel und genauso wohl schien er sich mit seinem Publikum auch zu fühlen. Andersherum galt das Gleiche – die Aruba-Stage war voll wie selten. Von allen Ecken und Enden versuchten die Leute sich ins Zentrum des Geschehens zu drängen, um den selbsternannten »Man Of The Year« zu bejubeln. Getobt und getrapt wurde, wie es sich gehörte, die Mittelfinger gingen in der Luft, wann es verlangt wurde und die fiktiven Dollarbillz, die Schoolboy Q in die Menge warf, wurden mit großem Jubel aufgefangen und in den leeren Hosentaschen verstaut. Es war sogar so schön, dass der Schuljunge aus dem Hause Top Dawg Entertainment gar nicht mehr gehen wollte und Terminator-ähnlich seine Wiederkehr versicherte.

Plain White Record Sleeve Positiv überraschender Ansturm und Vorfreude bei Freshmen Vic Mensa . Der erst 21 Jahre alte MC ließ sich mit einem Countdown der Menge auf die Bühne holen und zeigte in einer unglaublich gut gelaunten, einstündigen Performance das Spektrum seiner Musik. Aufgewachsen mit Jay-Z, Kanye und Mobb Deep, groß geworden mit Wacka Flocka Flame und 2Chainz. Vielleicht sind das ja die wichtigen Zutaten für seinen speziellen Sound. Eines der eher unerwarteten Highlights und vielleicht der Geheimtipp dieses Festivals.


Weiterlesen: Splash! 2013 – was war denn da noch mal los?

Unsere Autorin Sonja Memarzadeh hatte zuletzt für uns mit Talib Kweli über Conscious Rap und die Schönheit des Lebens gesprochen.

Wir haben Euch bei hhv.de zusammengestellt, welche essentiellen Dinge du in diesem Jahr bei den Festivals benötigst. Schaut da doch mal rein.
Dein Kommentar
Ähnliche Artikel
Music Bericht | verfasst 13.07.2011
Splash! 2011
Rein ins Rapvergnügen
Am vergangenen Wochenende ging das Splash! Festival 2011 über die Bühne. Zum 14. Mal vereinte sich HipHop-Deutschland für ein paar Tage an einem Ort und erlebte mit Gleichgesinnten die Schönheit einer Jugendkultur.
Music Bericht | verfasst 23.10.2012
10 YRS MPM & hhv.de Party
Live am 4.10. im Festsaal Kreuzberg in Berlin
Melting Pot Music und hhv.de feierten am 4.10. gemeinsamen ihren zehnten Geburtstag und zeigten uns an diesem Abend die Vielzahl der Gesichter, die ihr Wiegenkind Hip-Hop im Repertoire hat.
Music Bericht | verfasst 23.10.2013
Kool Keith
Live am 17.10. im Club Gretchen in Berlin
Am vergangenen Donnerstag ging es weniger um Klischees und ihre Erfüllung auf Nachfrage: Kool Keith war in der Hauptstadt und verführte das Publikum mit einem waghalsigen Konzept zu tumultartigen Zuständen.
Music Bericht | verfasst 11.07.2011
Lupe Fiasco
Live am 10.7. auf dem Splash! 2011 in Gräfenhainichen
Ein eigensinniges Highlight des diesjährigen Splash! Festivals: Lupe Fiasco und seine Liveband verwandelten mit leichter Hand das typische Kopfnickerpublikum in eine rockende Pogo-Masse.
Music Bericht | verfasst 09.07.2011
Public Enemy
Live am 8.7. auf dem Splash! 2011 in Gräfenhainichen
Eine der Überraschungen auf dem diesjährigen Splash! Festivals: Die Rap-Opis von Public Enemy beweisen, dass sie ganz und gar nicht altersmüde sind, drehen laut auf und gaben dem jüngeren Publikum eine Lektion in Sachen politischer Rap.
Music Bericht | verfasst 16.07.2013
Splash! Festival 2013
Neues aus Ferropolis
»Und wo ist nun dieser HipHop? Was für ein lahmes Line-Up! Kommerzkommerzkommerz!«, haben sich im Vorfeld viele gefragt. Unser Autor findet den Reiz der 16. Auflage des Splash! in der Vielfalt.
Music Review | verfasst 16.11.2011
Sepalot
Chasing Clouds
Auf Chasing Clouds macht der Produzent noch einmal deutlich, wie überzeugend solide seine Musik ist.
Music Review | verfasst 20.03.2012
O-Flow / Busenhalter
Köln-Süd EP
Die lange vergriffene Lokalhymne »Köln-Süd« präsentiert sich im neuen Gewand und mit zusätzlichen Stücken sowie Instrumentalen.
Music Review | verfasst 10.04.2012
Aphroe
90
Bei dieser Verneigung vor der Rap-Musik schafft es Aphroe, den alten Geist in den Tracks zu halten ohne sich dabei selbst zu verstecken.
Music Review | verfasst 03.09.2012
Sepalot
Chasing Beats
Sepalots Produktionen lassen sich mit einem Unwort wie »Future-Retro« umschreiben – organisch, scheuklappenlos, etwas schmuddelig.
Books Review | verfasst 25.01.2013
Gerry »Cutmaster GB« Bachmann
The Hip Hop Cookbook: Four Elements Cooking
Geschichtsdokument, Fotoband und nützliche Küchenhilfe: Ein Buch, das nach der Lektüre nicht im Regal verschwinden muss.
Music Review | verfasst 19.06.2015
MoTrip
Mama
Sein zweites Album »Mama« wird MoTrips Standing als einer der besten Rapper Deutschlands zwar nicht zementieren, aber verankern.
Art Bericht | verfasst 24.01.2011
Funk Ex Machina
Getanzte Jugendkultur
Der Tänzer und Choreograph Johnny Lloyd verbindet in seinem Stück Funk Ex Machina zeitgenössischen Tanz mit Elementen aus der HipHop-Kultur. Und Samy Deluxe ist auch dabei.
Art Kolumne | verfasst 30.03.2011
Yaneqdoten
Venga, venga, motherfuckers!
Yaneq reist mit einem Kumpel nach Gran Canaria und findet dort wie zufällig Belege für die bereits von seinem Geschichtslehrer gehegte Binsenweisheit: In der Stadt sind die Menschen freundlich und nett, auf dem Lande bösartig und gemein!
Art Kolumne | verfasst 04.05.2011
Yaneqdoten
»Waaas?!«
Yaneq verstrickt sich in eine heiße Diskussion mit einem Stuttgarter über den Umbau des Bahnhofs der süddeutschen Metropole. Die Lage spitzt sich zu, im Hintergrund läuft Work It Out von Jurassic 5 und Yaneq fragt ganz lapidar: »Waaas?!«
Art Kolumne | verfasst 06.06.2011
Yaneqdoten
Learn the rules, kid!
Yaneq gerät in eine verbale Auseinandersetzung mit einem französischen Plakatkleber über bestimmte Regeln im Plakatkleberbusiness, die es einzuhalten gilt. Doch was hat Frau Reich, Schaffnerin der Deutschen Bahn damit zu tun?
Art Kolumne | verfasst 29.06.2011
Yaneqdoten
SSSSt!
Yaneq erzählt von den Gepflogenheiten und wenig geschäftsfördernden Gebaren Kreuzberger Grasdealer und über einen Gast aus Baltimore, der zum ersten Mal außerhalb der USA weilt und sich mitunter in der Zeit zurückversetzt fühlt.
Art Kolumne | verfasst 25.08.2011
Yaneqdoten
Wireless Lan
Yaneq erzählt einen Witz und darüber, wie er diesen Witz erzählt und gibt ganz nebenbei Einblicke in sein kleines Repertoire an Witzen und in seine Versuche als Statist beim Film Fuß zu fassen.
Music Kolumne | verfasst 23.09.2011
Keine halben Sätze
Proband: Sepalot
Wir geben den Anfang des Satzes vor, unser Interviewpartner ergänzt diesen dann in seinem Sinne. Diesmaliger Proband: Sepalot, DJ, Produzent, langjähriges Fünftel vom Blumentopf, Geburtsjahr: 1974, Geburtsort: Neumünster, lebt in: München
Music Interview | verfasst 29.03.2012
Demograffics
»I kann eh net guat deutsch, waßt?«
Die Demograffics aus Regensburg veröffentlichen in diesen Tagen ihr zweites Album. Ein Gespräch mit Maniac und DJ Rufflow über Butter, Käse und den Gebrauch der englischen Sprache.
Music Kolumne | verfasst 02.10.2012
Aigners Inventur
September 2012
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: The XX, Flying Lotus, Xavas, Mala und Robert Hood.
Music Kolumne | verfasst 27.03.2013
Aigners Inventur
März 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: Justin Timberlake, DJ Koze und Function.
Music Kolumne | verfasst 06.12.2013
Aigners Inventur
November 2013
Auch diesen Monat setzt sich unser Kolumnist vom Dienst wieder kritisch mit der Release-Flut auseinander, selektiert, lobt und tadelt. Any given month. Dieses Mal u.a. unter der Lupe: 7 Days Of Funk, Blood Orange, Shadowlust und Logos.
Music Kolumne | verfasst 01.12.2017
Jahresrückblick 2017
Top 50 Albums
Die musikalischen Statements wurden dieses Jahr nicht mit Ausrufezeichen gemacht. Sondern mit Kommata und Gedankenstrichen. Kaum große Mäuler, aber viel dahinter. Wenig Hits, viel Musik.
Music Bericht | verfasst 21.08.2012
Odd Future Wolf Gang Kill Them All
Live am 20.8. im Huxleys in Berlin
Mit ihrer Show zeigte das Hip Hop-Kollektiv aus L.A., dass wenn man sich selbst unterhalten fühlt, kann man auch das Publikum gut unterhalten. Der Wahnsinn hat dabei System und ist unaufhaltsam. Das Chaos ist das alles verbindende Prinzip.
Music Porträt
Jockstrap
Viel Klang, viel Geräusch
Das Londoner Duo Jockstrap veröffentlicht ihre Schallplatten bei Warp. Ihre Songs sind in Werbungen von Chanel und Dior zu hören. Taylor Skye und Georgia Ellery spielen sich auf der zweiten EP »Wicked City« passgenau die Bälle zu.
Music Kolumne
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music Kolumne
Records Revisited
Joy Division – Closer (1980)
Joy Divisions Album »Closer« war ein Zwischenschritt, ein halbherziges, halbbeseeltes Statement von vier jungen Männern auf ihrem Weg in neue Untiefen. Nur einer aber wollte, konnte nicht vom Fleck kommen.
Music Porträt
WeWantSounds
Ansteckende Leidenschaft
Den Grund für die Label-Gründung trägt WeWantSounds im Namen. Seit 2015 veröffentlicht der Pariser Zweimannbetrieb persönliche Lieblingsmusik aus den Siebzigern und Achtzigern. Bei der Auswahl spielen Genre- und Landesgrenzen keine Rolle.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Arca – KiCK i
»KiCK i« soll das erste von vier neuen Arca-Alben sein. Während sich einer unserer Autoren dazu auf dem Shakti-Kissen lümmelt, surft der andere auf Soundcloud das Reggaetón-Tag ab und bewundert der Dritte das Songwriting der Platte.
Music Essay
Baltic & Finnish Jazz
Grenzen ausbooten
Während Jazz von London bis L.A. eine neue Pop-Sensibilität entwickelt oder Fusion updatet, werden an den Ostseeküsten kühle Geschmacksrichtungen zwischen Nachwuchs und Nostalgie kultiviert. Weltoffen ist Jazz auch hier – und total eigen.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Juli & August 2020
Hier werden persönliche Anekdoten zu programmatischen Allegorien: Aigners Inventur verabschiedet sich schlussendlich mit einem Wimmern in die Sommerferien. Es ist schließlich 2020.
Music Porträt
International Anthem Recordings
Die Suche nach dem Echten
Seit sechs Jahren liefert das Label International Anthem aus Chicago zuverlässig Jazz mit ganz eigener Attitüde. Wobei sich die Gründer fast jeder Zuschreibung verweigern. Für sie gilt: Der schönste Klang ist stets das Echte.
Music Liste
Halbjahresrückblick 2020
50 best Vinyl Records so far
Wahrscheinlich wird man in 40 Jahren zwei Fragen beantworten müssen: Was man 2020 selbst gegen das Leid und die Ungerechtigkeit getan und welche Platten man gehört hat. Bei der Beantwortung der zweiten Frage, können wir behilflich sein.
Music Porträt
We Jazz
Mit Betonung auf Wir
We Jazz, das steht für überraschenden Jazz aus dem Norden. Und noch mehr. Seit 2013 gibt es das Festival in Helsinki, seit 2016 das Label. Dort verlegt Matti Nives vorwiegend finnische Bands. Wir stellen euch das Label vor.
Music Porträt
Roy Ayers
Vibrationen zum Wohlfühlen
Er zählt zu den meistgesampelten Musikern der Gegenwart. Mit Songs wie »Everybody Loves The Sunshine« wurde Roy Ayers, der im September seinen 80. Geburtstag feiert, zur Legende. Auf Jazz Is Dead sind nun neue Songs von ihm erschienen.
Music Porträt
Sven Wunder
Wer bin ich?
Es kursieren gerade zwei Alben, die Liebhabern des Rare Groove Freudentränen in die Augen treiben. Das eine, »Doğu Çiçekleri«, spricht seine musikalische Sprache mit türkischen Akzent, »Wabi Sabi« mit japanischem. Doch wer ist Sven Wunder?
Music Kolumne
Records Revisited
Prefab Sprout – Steve McQueen (1985)
Eigentlich wollte Paddy McAloon Priester werden, Menschen von den Worten Gottes berichten. Stattdessen gründete er eine Band. 1985 veröffentlichten Prefab Sprout »Steve McQueen«, das wahrscheinlich schönste Popalbum der Achtziger Jahre.
Music Porträt
upsammy
Das Kleine im Großen
Die Niederländerin Thessa Torsing hat unter dem Pseudonym upsammy in den letzten Jahren die gefragtesten Dancefloors bespielt. Aber auch ihre eigenen Soundproduktionen haben über transkontinentale Wege hinaus Gehör gefunden.
Music Interview
Gary Bartz
»Wir sehen die Realität nicht mehr«
Der Grammy-prämierte Sopransaxophonist Gary Bartz stand mit Miles Davis, Art Blakey und Max Roach auf der Bühne. Jetzt hat er mit der britischen Band Maisha eine Platte aufgenommen – und Neues entdeckt.
Music Kolumne
Records Revisited
Quasimoto – The Unseen (2000)
Vor zwanzig Jahren schloss sich Madlib in den Keller von Peanut Butter Wolf ein und kam als gelbes Alien mit Schweineschnauze raus. Lord Quas war geboren und »The Unseen« hat das Character Design im Hip-Hop auf eine neue Stufe gehoben.
Music Porträt
Dekmantel
Unendliche Ferien
Seit über zehn Jahren löst Dekmantel aus Amsterdam als Label, Festival und Veranstalter die Quadratur des Kreises: Innovation und Untergrund mit Qualität zu verbinden. Ein Ende? Auch in Krisenzeiten nicht in Sicht.
Music Liste
Rafael Anton Irisarri
10 All Time Favs
Ambient? Vielleicht. Aber mit Splittern von Metal, Neo-Klassik und anderem. Rafael Anton Irisarri malt mit dickem Pinselstrich überwältigende Klanggemälde. Für uns hat der US-amerikanische Komponist seine Einflüsse offengelegt.
Music Interview
Eloquent & Knowsum
Jaylib auf LSD
Eloquent und Knowsum, das ist eine Liason, die sich angedeutet hat. »JLALSD« heißt das gemeinsame Album. Das Akronym steht für Jaylib auf LSD. Wir sprachen mit beiden über ihre Zusammenarbeit, »Champion Sound« und das Streben nach Glück.
Music Porträt
Motohiko Hamase
Gemeinsam mit der Welt allein
Motohiko Hamase beendete seine Karriere in der Jazz-Szene Japans so schnell, wie sie begonnen hat. In einem Zeitraum von knapp einem Jahrzehnt veröffentlichte er fünf Alben mit ausgesprochen wundersamer Musik. Ein Porträt.
Music Porträt
Kaitlyn Aurelia Smith
Freundlichkeit durch Klang verbreiten
Ihre Musik ist wie ein langer, ruhiger Fluss aus Strom: Kaitlyn Aurelia Smith macht mit Synthesizern und Stimme Musik, die mehr auf Entspannung als auf Anspannung setzt. Ihr neues Album erweitert diesen Weg durch Körperbewegungen.
Music Porträt
Muriel Grossmann
Abstraktion mit Blick aufs Meer
Die Saxofonistin Muriel Grossmann kommt auf den Balearen zur Abstraktion, reitet mit Hard Bop die Wellen und bringt sogar Milliardäre aus der Fassung. Wer ist die heimliche Pionierin des spirituellen Revivals?
Music Porträt
Roza Terenzi
Rave in der Zeitkapsel
Roza Terenzi stellt die Dance-Vergangenheit auf den Kopf und bürstet mit Jungle-Breaks und Eso-Techno drüber. Auf ihrem Debütalbum »Modern Bliss« landet sie endlich in der Zukunft.
Music Kolumne
Aigners Inventur
Mai & Juni 2020
Befreit sich von kaukasischer Clumsiness, hat Tiktok verstanden, züchtet Sauerteig und checkt’s einfach: Aigners Inventur im Lockdown. Verstörender Scheiß für verstörende Zeiten.
Music Porträt
Soviet Grail
Kollektives Gedächtnis
Zwischen Jazz-Experimenten, elektronischem Sowjetbrutalismus und psychdedlischem Underground gräbt Sergey Klimov nach Schätzen, für die Musiker im Gefängnis landeten. Mit Soviet Grail begibt er sich in die sowjetische Musikvergangenheit.
Music Liste
ADULT.
10 All Time Favs
Seit mehr als 20 Jahren machen ADULT. nun Musik. Und sie haben noch immer keinen Bock auf simple Zuschreibungen, Sonnenlicht, Selbsttäuschungen. Dafür hatten sie Bock uns Schallplatten zu nennen, die sie geformt, gebessert, gebildet haben.
Music Interview
Quelle Chris
Das Chaos akzeptieren
Er ist der produktivste Sonderling des Rap-Undergrounds. Und er hat einen Lauf. Mit »Innocent Country 2« macht Quelle Chris dort weiter, wo er mit »Guns« aufgehört hat – und begegnet der Hoffnungslosigkeit mit positiver Angst.
Music Liste
Peaking Lights
10 All Time Favs
In diesen Tagen erscheint auf Dekmantel das neue Album »E S C A P E« der Peaking Lights. Wir hatten die Gelegenheit Aaron Coyes und Indra Dunis nach 10 Schallplatten zu fragen, die sie geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Mobb Deep – The Infamous (1995)
1995 zieht sich Hip-Hop die Kapuze ins Gesicht – Mobb Deep bringen mit »The Infamous« den Hardcore nach New York City und zerschießen die Szene ohne Hoffnung auf ein Morgen.
Music Kolumne
Records Revisited
Hiroshi Yoshimura – Green (1986)
»Green« von Hiroshi Yoshimura ist ein Meilenstein der japanischen »kankyō ongaku«. Besser gesagt ein Meilenstein des Ambient überhaupt: Kein anderes Album legte dermaßen schonungslos offen, dass es sich bei ihm um eine Simulation handelte.
Music Kolumne
Vinyl-Sprechstunde
Yves Tumor – Heaven To A Tortured Mind
Zuerst war die Euphorie groß: Yves Tumor bringt eine neue Schallplatte raus! Dann stellte sich Ernüchterung ein. Was tun als Fan, wenn der neue Release eines geliebten Musikers enttäuscht? Nur eine Frage in der neuen Vinyl-Sprechstunde.
Music Kolumne
Records Revisited
Nightmares On Wax – Smokers Delight (1995)
Hip-Hop ohne Rap: Mit »Smoker’s Delight« brach für Nightmares On Wax eine neue Ära an. Zum Soloprojekt von George Evelyn mutiert, war das zweite Album der Bleep-Pioniere der Auftakt für geloopte Entspannungspolitik mit Langzeitwirkung.
Music Porträt
Patricia Kokett
Teil seiner eigenen Bewegung
Patricia Kokett vermischt Rave mit Mystizismus, futuristischen Industrial mit schamanistischem Rauschen. Der Litauer Gediminas Jakubka, der sich auf der Bühne in Patricia verwandelt, balanciert zwischen Grenzen. Ein Orientierungsversuch.
Music Liste
Jeff Parker
10 All Time Favs
Jeff Parker ist kein Neuling. Und dennoch meint man, er starte gerade erst durch. Jetzt ist sein Album »Suite for Max Brown« erschienen. Also haben wir ihn gebeten 10 Schallplatten zu nennen, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Miles Davis – Bitches Brew (1970)
Raus aus dem Jazzkeller, rauf auf die Rockbühnen – mit »Bitches Brew« wurde Miles Davis zu »Electric Miles« und braute den psychedelischen Trunk für alle, die nicht wussten, dass sie Jazz geil finden.
Music Kolumne
Records Revisited
Ol Dirty Bastard – Return To The 36 Chambers (1995)
1993 begann eine Erfolgsgeschichte. Mit »Enter The Wu-Tang (36 Chambers)« produzierte der Wu-Tang Clan einen Meilenstein und nachfolgend zahlreiche Klassiker des Genres. Darunter: »Return To The 36 Chambers« von Ol‘ Dirty Bastard.
Music Kolumne
Records Revisited
Depeche Mode – Violator (1990)
Das siebente Studioalbum von Depeche Mode ist die perfekte Verbindung von Experiment und Pop, Elektronik und Rock. Eigentlich hätte es aber auch ganz anders ausgehen können.
Music Kolumne
Aigners Inventur
März & April 2020
Boomer vermissen hier die neue Ozzy Ozzbourne, Fintec-Heinis finden eine Antwort auf die Frage nach ihrer Seele: Aigners Inventur im März Mit dem ersten essentiellen Album des neuen Jahrzehnts und einer überraschenden Enttäuschung
Music Porträt
Kalahari Oyster Cult
Die beste aller Welten
Im Morast nach Perlen tauchen, Rave-Klassiker aus den 90ern aufstöbern und mit Menschen zusammenarbeiten, denen es nicht darauf ankommt, ob sie in den Beatport-Charts landet: Colin Volverts Kalahari Oyster Cult mischt den Underground auf.
Music Liste
Malcolm Catto of The Heliocentrics
10 All Time Favs
Soeben haben The Heliocentrics »Infinity Of Now« veröffentlicht. Das Album hat das Zeug zukünftige Musiker zu inspirieren. Malcolm Catto hat uns aber erstmal die Schallplatten verraten, die ihn geformt, gebessert und gebildet haben.
Music Kolumne
Records Revisited
Tricky – Maxinquaye (1995)
Trickys Debütalbum »Maxinquaye« mit der Sängerin Martina Topley-Bird und dem Produzenten Mark Saunders ist ein Werk der verwischten Grenzen. Urheberrechte gelten hier genauso wenig wie Gender und Individuum.