Sahel+sounds
Portland | sahelsounds.com
Sahel Sounds (Plattenlabel)
Sahel Sounds ist ein 2010 von Christopher Kirkley gegründetes, US-amerikanisches Plattenlabel aus Portland. Wäre Kirkley nicht eines Tages auf eine CD des malischen Gitarristen Afel Boucoum gestoßen, Sahel Sounds hätte es vielleicht so nicht gegeben. »Es hat mich ergriffen, aber auch verwirrt, dass all diese Klänge aus einer Gitarre kommen können«, erinnert sich der Labelbetreiber und schwärmt von einem reduzierten und doch polyrhythmischen Sound. Weil ihn seine Internetrecherchen nicht weit genug brachten, packte er seine Koffer und besuchte auf eigene Faust die Sahelzone mit einer Gitarre im Gepäck. Das Instrument wurde zum Türöffner in eine Welt, in der sich Kirkley schnell zuhause fühlte. Seine musikalischen Erkundungstouren dokumentierte er in Wort und Ton auf einem Blog, der schnell das Interesse von Eric Isaacson vom Label Mississippi Records aus Portland weckte. Der Grundstein für das Label Sahel Sounds war gelegt. Musikalisch ist Sahel Sounds immer für eine Überraschung gut. Zwischen traditionellen Musikstilen finden sich hier auch krasse Autotune-Experimente und Klingeltöne – Hauptsache, sie werden lokal hergestellt. Kirkley berichtet von langen Streifzügen durch die Sahelzone und davon, wie er sich vor Tipps über WhatsApp, Facebook sowie Mund-zu-Mund-Propaganda kaum retten kann. »Es geht weniger darum, Musik zu finden«, betont er. Wichtiger sei es, sie zu kuratieren und dem Rest der Welt vorzustellen. Einer rein akademischen Arbeit sieht er sich dabei jedoch nicht verpflichtet, sieht aber schon dessen anthropologischen Nutzen. »Ich will, dass mein Label eine dicht bevölkerte Einrichtung ist, die verschiedene Musiken sichtbar macht, wie es ebenso die Rolle kultureller Stellvertretung respektieren soll.« Das heißt auch, dass Kirkley nicht das zigste Reissue einer obskuren Funk-Platte auf den Markt bringen will, um die Discogs-Preise zu drücken, sondern lieber tiefer nach zeitgenössischen Sounds sucht. Leicht ist das nicht immer unbedingt, gibt Kirkley zu. Zwar berichtet er einerseits, dass seine Artists den westlichen Sensibilitäten in Hinsicht auf kolonialistische Mechanismen eher mit Verwunderung begegnen: »Der hiesige Kapitalismus ist ziemlich rücksichtslos und die MusikerInnen sind an schlechte Deals gewohnt, weshalb sie ziemlich gewiefte Business-Leute sind«. Doch ist gerade die faire Abdeckung der kulturellen Diversität der Sahelzone etwas, das ihm Kopfzerbrechen bereitet. Bei Sahel Sounds erscheinen viele Platten von Tuareg-KünstlerInnen, weil er sich vor allem in deren Radius bewegt. Kirkleys erklärtes Hauptziel ist es aber, vom Coverdesign bis in die Breite des Gesamtkatalogs hinein ein ganzheitliches musikalisches Bild der Sahelzone zu zeichnen, das alle Eigenarten der hiesigen Musikszenen angemessen repräsentiert. Kaum zu glauben, dass all das mit einer einzigen CD angefangen hat.
Sahel Sounds in Features
Music Kolumne | verfasst 02.12.2019
Jahresrückblick 2019
Top 50 Reissues
Auch 2019 wurden wieder musikalische Schätze geborgen, deren Vorhandensein uns bislang entweder verborgen blieb oder in Vergessenheit geriet. Doch es gibt ja fleißige Plattenlabels, die uns die Musik von gestern für ein besseres Morgen zur Verfügung stellen. Und zwischen Japan und Togo ist im Plattenregal auch selten mehr als 1 Meter Platz. Diese auserwählten 50 Schallplatten lassen uns zusammenrücken. Wertvoll, in dieser kalten Zeit.
Music Essay | verfasst 19.12.2017
Jahresrückblick 2017
Fourth World Problems
Fourth World Music: etliche Alben, Compilations und Reissues widmeten sich 2017 dem Thema. Offenbar gab es in diesem Jahr eine hohe Nachfrage nach Utopie. Aber handelt es sich bei dem Phänomen nicht vielmehr um eine bittere Realität? Denn wenn die Fourth World für alle sein soll, warum stehen dann wieder nur die Namen zwei weißer Männer aus wohlhabenden Industriestaaten drauf? Sieht so, hört sich so eine Utopie an? Oder vielmehr die bittere Realität?
Music Porträt | verfasst 09.08.2017
New Record Labels #31
Avian, Comb & Razor, Dizzy Tunes, Sahel Sounds
Jeden Monat stellen wir euch Labels vor, die neu bei uns im Shop vertreten sind und/oder deren Entdeckung sich lohnt. Die Auserwählten diesmal: Avian, Dizzy Tunes, Comb & Razor, Sahel Sounds. Also genauer gesagt, ein Leftfield-Techno-Label mit Drum’n’Bass Vergangenheit, ein Reissue-Label aus Boston, ein House-Label aus Berlin, ein Label für westafrikanische Musik aus Portland. Eine bunte Mischung diesmal.
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Music News | verfasst 30.07.2020
KitschKrieg
Solodebüt mit illustren Gästen
2020 noch ein Produceralbum veröffentlichen? KitschKrieg machen’s! Und führen nebenbei noch die spannendsten Stars und Newcomer auf einer Platte zusammen. »KitschKrieg« erscheint 7.8. bei SoulForce.
Music News | verfasst 09.07.2020
Logic System
Neu aufgelegt: »Venus«
Das erstmals 1981 veröffentlichte Album »Venus« des im Umfeld des Yellow Magic Orchestra agierenden Hideki Matsutake alias Loi´gic System wird jetzt bei Wewantsounds neu aufgelegt. Exklusiv bei HHV Records in einer limitierten Edition.
Music Review | verfasst 10.08.2020
Panasonic
Remix EP
Sähkö hat von Zoviet France und Muslimgauze geremixte Stücke von Panasonic von Mitte der 1990er Jahre ausgegraben und wiederveröffentlicht.
Music Kolumne | verfasst 21.07.2020
Record Revisited
Elliott Smith – Elliott Smith (1995)
Die neunziger Jahre waren ein lautes Jahrzehnt, doch sie gaben uns auch die Musik von Elliott Smith. Dessen zweites Album »Elliott Smith« setzte einen stillen, inwendigen Kontrapunkt zum Weltgeschehen.
Music News | verfasst 16.07.2020
HHV For The Culture
Save Your Club
Zur Unterstützung der von der Corona-Krise hart getroffenen Clubszene ist eine Vinyl 7"-Reihe mit uns stark verbundenen Berliner Clubs entstanden. Der komplette Ertrag wird den Venues zukommen. Gemeinsam »For The Culture«! Save your club!